Am 20. September 2026 wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Die Wahlprogramme zeigen, welche Positionen die Parteien vertreten. Doch stimmen auch die Kandidierenden in den einzelnen Wahlkreisen mit diesen Positionen überein?
Der kandidierendencheck von abgeordnetenwatch macht diese Unterschiede sichtbar. Für diese Auswertung schauen wir auf vier zentrale Streitfragen der Berlin-Wahl 2026: die Bebauung des Tempelhofer Felds, den Weiterbau der A100, die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen und den Einsatz KI-gestützter Videoüberwachung.
Dabei zeigt sich: Bei manchen Fragen stehen die Kandidierenden einer Partei nahezu geschlossen hinter einer Position. Bei anderen gehen die Meinungen innerhalb der Parteien deutlich auseinander – und vereinzelt vertreten auch Spitzenkandidat:innen eine andere Position als viele ihrer Parteikolleg:innen.
Welche Spitzenkandidat:innen vergleichen wir?
Wir betrachten die Antworten von Stefan Evers (CDU), Steffen Krach (SPD), Bettina Jarasch (Grüne), Elif Eralp (Die Linke), Kristin Brinker (AfD) und Christoph Meyer (FDP).
Bei den Grünen gibt es eine Besonderheit: Die Partei zieht mit Werner Graf und Bettina Jarasch als Spitzenduo in den Wahlkampf. Jarasch steht auf Platz 1 der Landesliste, Graf auf Platz 2 und ist der Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters. Da Graf nicht als Direktkandidat in einem Wahlkreis antritt, ist er im kandidierendencheck nicht vertreten. Jarasch kandidiert dagegen auch direkt und kann deshalb in den Vergleich einbezogen werden.
Beteiligung der Direktkandidierenden am kandidierendencheck
- Grüne: 94 %
- Linke: 91 %
- SPD: 74 %
- FDP: 70 %
- AfD: 60 %
- CDU: 49 %
Insgesamt haben 73 Prozent der Direktkandidierenden am kandidierendencheck teilgenommen (Stand: 01.09.2026).
Tempelhofer Feld: Wohnungen bauen oder Freifläche erhalten?
These im kandidierendencheck: Am Rand des Tempelhofer Feldes sollen Wohnungen gebaut werden.
Kaum eine Fläche steht so sehr für die Berliner Debatte um Wohnungsbau und Freiraum wie das Tempelhofer Feld. 2014 stimmte eine Mehrheit der Berliner in einem Volksentscheid für den Erhalt des Feldes; seitdem ist dieser Schutz gesetzlich verankert. Angesichts des angespannten Wohnungsmarkts hat die schwarz-rote Landesregierung die Diskussion über eine mögliche Randbebauung wieder aufgenommen. In einem Dialogverfahren 2024 sprach sich die Mehrheit der beteiligten Berliner gegen eine Bebauung aus. Dennoch lobte die schwarz-rote Regierung einen Ideenwettbewerb aus. Unter den sechs 2025 ausgezeichneten Entwürfen sahen zwei eine Bebauung am Rand vor.
- CDU: 92 Prozent Zustimmung / 8 Prozent neutral / 0 Prozent Ablehnung
- AfD: 47 Prozent Zustimmung / 17 Prozent neutral / 36 Prozent Ablehnung
- Linke: 100 Prozent Ablehnung
- SPD: 28 Prozent Zustimmung / 14 Prozent neutral / 58 Prozent Ablehnung
- Grüne: 4 Prozent Zustimmung / 7 Prozent neutral / 89 Prozent Ablehnung
- FDP: 100 Prozent Zustimmung
Bei vier der sechs betrachteten Parteien ist das Bild eindeutig: CDU und FDP stehen nahezu geschlossen hinter einer Randbebauung, während Grüne und Linke sie klar ablehnen. Deutlich weniger einheitlich sind SPD und AfD: Bei der SPD lehnen knapp 60 Prozent die Bebauung ab, bei der AfD liegen Zustimmung und Ablehnung vergleichsweise nah beieinander.
Positionen der Spitzenkandidat:innen
Stefan Evers, Christoph Meyer, Bettina Jarasch, Elif Eralp und Steffen Krach vertreten jeweils die vorherrschende Position ihrer Partei. Kristin Brinker gehört dagegen zum ablehnenden Lager der AfD, obwohl unter den teilnehmenden AfD-Kandidierenden die Zustimmung mit 22 zu 17 Stimmen häufiger gewählt wurde.
A100: Soll die Berliner Stadtautobahn weitergebaut werden?
These im kandidierendencheck: Berlin soll sich für den Bau des 17. Abschnitts der A100 bis zur Storkower Straße einsetzen.
Seit August 2025 führt die A100 über den neu eröffneten 16. Bauabschnitt bis zum Treptower Park. Der geplante 17. Bauabschnitt würde die Berliner Stadtautobahn von dort rund vier Kilometer weiter bis zur Storkower Straße verlängern. Das Vorhaben wird vom Fernstraßen-Bundesamt weiterhin als „in Planung“ geführt.
- CDU: 95 Prozent Zustimmung / 5 Prozent neutral
- AfD: 96 Prozent Zustimmung / 2 Prozent neutral / 2 Prozent Ablehnung
- Linke: 1 Prozent neutral / 99 Prozent Ablehnung
- SPD: 7 Prozent Zustimmung / 17 Prozent neutral / 76 Prozent Ablehnung
- Grüne: 100 Prozent Ablehnung
- FDP: 90 Prozent Zustimmung / 8 Prozent neutral / 2 Prozent Ablehnung
Bei kaum einer anderen These im kandidierendencheck sind die politischen Lager so klar voneinander getrennt. AfD, CDU und FDP sprechen sich mit großer Mehrheit für den Weiterbau der A100 aus, während Grüne, Linke und SPD ihn deutlich ablehnen.
Positionen der Spitzenkandidat:innen
- Stefan Evers (CDU): Zustimmung
- Steffen Krach (SPD): Ablehnung
- Bettina Jarasch (Grüne): Ablehnung
- Elif Eralp (Linke): Ablehnung
- Kristin Brinker (AfD): Zustimmung
- Christoph Meyer (FDP): Zustimmung
Alle betrachteten Spitzenkandidat:innen vertreten beim Weiterbau der A100 die klare Mehrheitsposition ihrer jeweiligen Partei. Anders als beim Tempelhofer Feld gibt es hier keine auffälligen Unterschiede zwischen den Spitzenkandidierenden und den übrigen Kandidierenden ihrer Partei.
Vergesellschaftung: Soll Berlin große Wohnungsunternehmen in Gemeineigentum überführen?
These im kandidierendencheck: Berlin soll ein Gesetz zur Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen beschließen.
Über die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen wird in Berlin seit Jahren gestritten. Bei einem Volksentscheid 2021 stimmten 57,6 Prozent der Teilnehmenden dafür, den Senat zur Ausarbeitung eines entsprechenden Gesetzes aufzufordern; der damalige Vorschlag zielte auf privatwirtschaftliche Wohnungsunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin. Im März 2026 beschloss das Abgeordnetenhaus ein allgemeines Vergesellschaftungsrahmengesetz, das grundsätzliche Voraussetzungen nach Artikel 15 des Grundgesetzes festlegt, selbst aber noch nicht zur Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen führt. Die These im kandidierendencheck fragt deshalb nach einem konkreten Gesetz für große Wohnungsunternehmen.
- CDU: 100 Prozent Ablehnung
- AfD: 2 Prozent Zustimmung / 6 Prozent neutral / 92 Prozent Ablehnung
- Linke: 100 Prozent Zustimmung
- SPD: 33 Prozent Zustimmung / 26 Prozent neutral / 41 Prozent Ablehnung
- Grüne: 79 Prozent Zustimmung / 10 Prozent neutral / 11 Prozent Ablehnung
- FDP: 100 Prozent Ablehnung
Bei der Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Parteien. Linke, CDU und FDP beziehen geschlossen Position, auch bei AfD und Grünen gibt es klare Mehrheiten – innerhalb der SPD gehen die Meinungen dagegen deutlich auseinander.
Positionen der Spitzenkandidat:innen zur Vergesellschaftung
- Stefan Evers (CDU): Ablehnung
- Steffen Krach (SPD): Ablehnung
- Bettina Jarasch (Grüne): Zustimmung
- Elif Eralp (Linke): Zustimmung
- Kristin Brinker (AfD): Ablehnung
- Christoph Meyer (FDP): Ablehnung
Alle betrachteten Spitzenkandidat:innen vertreten bei der Vergesellschaftung die Mehrheitsposition beziehungsweise die am häufigsten gewählte Position ihrer Partei. Bei Steffen Krach ist die Übereinstimmung allerdings weniger eindeutig: Seine Ablehnung ist mit 41 Prozent zwar die häufigste Position innerhalb der SPD, erreicht dort aber keine absolute Mehrheit.
KI-Videoüberwachung: Soll die Berliner Polizei künstliche Intelligenz einsetzen dürfen?
These im kandidierendencheck: Die Polizei soll an Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen KI-gestützte Überwachungstechnik einsetzen dürfen.
KI-gestützte Videoüberwachung ist in Berlin nicht mehr nur eine Zukunftsfrage. Seit Ende 2025 erlaubt das Berliner Polizeirecht an sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten die automatisierte Erkennung bestimmter Verhaltensmuster; eine automatische Gesichtserkennung ist ausdrücklich ausgeschlossen. Im August 2026 beginnt Berlin mit der praktischen Erprobung im öffentlichen Raum am Kottbusser Tor, noch in diesem Jahr soll die Warschauer Straße folgen, für 2027 sind Alexanderplatz sowie Görlitzer Park und Wrangelkiez vorgesehen. Auch die BVG nutzt bereits KI-gestützte Detektionskameras an 16 U-Bahnhöfen in nicht öffentlich zugänglichen Bereichen; bis Ende 2026 soll die Technik an 23 Stationen eingesetzt werden.
- CDU: 100 Prozent Zustimmung
- AfD: 72 Prozent Zustimmung / 15 Prozent neutral / 13 Prozent Ablehnung
- Linke: 1 Prozent Zustimmung / 99 Prozent Ablehnung
- SPD: 57 Prozent Zustimmung / 26 Prozent neutral / 17 Prozent Ablehnung
- Grüne: 4 Prozent Zustimmung / 8 Prozent neutral / 88 Prozent Ablehnung
- FDP: 19 Prozent Zustimmung / 37 Prozent neutral / 44 Prozent Ablehnung
Bei CDU, Linken und Grünen sind die Positionen besonders eindeutig: Die CDU stimmt geschlossen für den Einsatz KI-gestützter Videoüberwachung, Linke und Grüne nahezu geschlossen dagegen. Bei SPD und AfD gibt es ebenfalls klare Mehrheiten für die These, während die Positionen innerhalb der FDP deutlich stärker auseinandergehen.
Positionen der Spitzenkandidat:innen zur KI-Videoüberwachung
- Stefan Evers (CDU): Zustimmung
- Steffen Krach (SPD): Zustimmung
- Bettina Jarasch (Grüne): Ablehnung
- Elif Eralp (Linke): Ablehnung
- Kristin Brinker (AfD): Zustimmung
- Christoph Meyer (FDP): Zustimmung
Stefan Evers, Steffen Krach, Bettina Jarasch, Elif Eralp und Kristin Brinker vertreten jeweils die Mehrheitsposition ihrer Partei. Christoph Meyer weicht dagegen deutlich von den übrigen FDP-Kandidierenden ab: Er gehört mit seiner Zustimmung zu der mit 19 Prozent kleinsten Gruppe innerhalb seiner Partei.
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kandidierendencheck Berlin 2026: Finde heraus, wer zu dir passt
Der kandidierendencheck von abgeordnetenwatch ist eine kostenlose Online-Wahlhilfe zur Berlin-Wahl 2026. Anders als viele andere Wahlhilfen richtet er den Blick besonders auf die Direktkandidierenden in deinem Wahlkreis.
Du kannst dich zu politischen Thesen mit „stimme zu“, „lehne ab“ oder „neutral“ positionieren und deine Antworten anschließend mit den Positionen der Kandidierenden vergleichen.
Nach Eingabe deiner Postleitzahl siehst du, mit welchen Direktkandidierenden in deinem Wahlkreis die größte inhaltliche Übereinstimmung besteht. So macht der kandidierendencheck politische Unterschiede sichtbar und hilft dir dabei, dich vor der Berlin-Wahl 2026 über die Kandidierenden und ihre Positionen zu informieren.
Die Antworten der Kandidierenden sind transparent einsehbar und bleiben auch nach der Wahl öffentlich abrufbar.