Soll die Mietpreisbremse in Baden-Württemberg ausgeweitet werden? Sollen Schulen in Baden-Württemberg angehalten werden, Jugendoffiziere der Bundeswehr einzuladen? Diese und dreizehn weitere Fragen rund um die Ausrichtung der zukünftigen Landespolitik haben bisher 81 Prozent der 571 Direktkandidierenden in Baden-Württemberg im kandidierendencheck von abgeordnetenwatch beantwortet. Wähler:innen können sich mit Hilfe des Tools direkt mit ihren Kandidierenden in den Wahlkreisen vergleichen.
Unsere Auswertung der Antworten zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Parteien, aber auch bemerkenswerte Unterschiede innerhalb einzelner Parteien. Besonders auffällig: Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) positioniert sich bei mehreren zentralen Fragen neutral, teilweise abweichend von der Mehrheitslinie seiner Partei. Manuel Hagel (CDU) hingegen liegt in zentralen Punkten klar auf Parteilinie.
Hier unsere Auswertung:
Beteiligung der Direktkandidierenden nach Parteizugehörigkeit:
- Grüne: 97 Prozent
- SPD: 94 Prozent
- Volt: 93 Prozent
- Linke: 89 Prozent
- CDU: 83 Prozent
- BSW: 77 Prozent
- Freie Wähler: 80 Prozent
- FDP: 79 Prozent
- AfD: 60 Prozent
These 1: Schulen in Baden-Württemberg sollen angehalten werden, Jugendoffiziere der Bundeswehr einzuladen.
Özdemir (Grüne): Neutral
Hagel (CDU): Zustimmung
Stoch (SPD): Zustimmung
Rülke (FDP): Zustimmung
Bohnen, Vollmer und Ghazaei (Linke): Ablehnung
These 2: Der Einsatz automatischer Gesichtserkennung an öffentlichen Orten wie Bahnhöfen soll flächendeckend ausgebaut werden.
- CDU: nahezu geschlossene Zustimmung
- FDP: gemischtes Bild, einige Zustimmungen und neutrale Positionen, keine vollständige Ablehnung
Cem Özdemir (Grüne) positioniert sich neutral, seine Partei lehnt mehrheitlich ab. Manuel Hagel (CDU) stimmt zu und ist damit auf Parteilinie. Andreas Stoch (SPD) lehnt ab. Hans-Ulrich Rülke (FDP) lehnt ebenfalls ab.
Özdemir (Grüne): Neutral (Partei mehrheitlich ablehnend)
Hagel (CDU): Zustimmung
Stoch (SPD): Ablehnung
Rülke (FDP): Ablehnung
Bohnen, Vollmer und Ghazaei (Linke): Ablehnung
These 3: Geflüchtete sollen weiterhin vorwiegend in Sammelunterkünften statt in regulären Wohnungen untergebracht werden.
Özdemir (Grüne): Neutral
Hagel (CDU): Zustimmung
Stoch (SPD): Neutral
Rülke (FDP): Zustimmung
Bohnen, Vollmer und Ghazaei (Linke): Ablehnung
Sozial- und Wohnungspolitik:
These 4: Die Mietpreisbremse in Baden-Württemberg soll ausgeweitet werden.
Özdemir (Grüne): Zustimmung
Hagel (CDU): Zustimmung
Stoch (SPD): Zustimmung
Rülke (FDP): Ablehnung
Bohnen, Vollmer und Ghazaei (Linke): Zustimmung
Industrie- und Wirtschaftspolitik:
These 5: Das Land Baden-Württemberg soll den Abschied der Automobilindustrie vom Verbrennungsmotor fördern.
Özdemir (Grüne): Neutral (93 Prozent Zustimmung der Grünen Kandidierenden)
Hagel (CDU): Ablehnung
Stoch (SPD): Zustimmung
Rülke (FDP): Ablehnung
Bohnen, Vollmer und Ghazaei (Linke): Zustimmung
Demokratie-Fragen:
These 6: Das Informationsfreiheitsgesetz in Baden-Württemberg soll gestärkt werden.
Özdemir (Grüne): Zustimmung
Hagel (CDU): Ablehnung
Stoch (SPD): Zustimmung
Rülke (FDP): Zustimmung
Bohnen, Vollmer und Ghazaei (Linke): Zustimmung
These 7: Die zukünftige Landesregierung soll sich im Bundesrat für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahren einsetzen
- 55 Prozent Zustimmung aller teilnehmenden Kandidierenden, zu 36 Prozent Ablehnung (insbesondere AfD, CDU, 60 Prozent der FDP)
- CDU: 81 Prozent Ablehnung
- AfD: 100 Prozent Ablehnung
- SPD, Grüne und Linke: bis auf Einzelstimmen geschlossen Zustimmung
Özdemir (Grüne): Neutral
Hagel (CDU): Ablehnung
Stoch (SPD): Zustimmung
Rülke (FDP): Ablehnung
Bohnen, Vollmer und Ghazaei (Linke): Zustimmung
These 8: Homöopathische Mittel sollen Kassenleistung bleiben
- Grüne: 61 Prozent neutral, 18 Prozent Zustimmung, 21 Prozent Ablehnung
- SPD: 50 Prozent Ablehnung
- Linke: 81 Prozent Ablehnung
- Volt: 83 Prozent Ablehnung
- CDU und FDP: heterogen
Özdemir (Grüne): Neutral
Hagel (CDU): Neutral
Stoch (SPD): Neutral
Rülke (FDP): Zustimmung
Bohnen, Vollmer und Ghazaei (Linke): Ablehnung, nur Vollmer neutral
Vergleich der Spitzenkandidierenden
Häufigkeit neutraler Positionierungen:
- Özdemir (Grüne): 6/15 Thesen
- Hagel (CDU): 4/15 Thesen
- Stoch (SPD): 3/15 Thesen
- Rülke (FDP): 2/15 Thesen
- Bohnen, Vollmer und Ghazaei (Linke): 1/15, 2/15, 1/15 Thesen
Übereinstimmung mit dem jeweiligen Parteidurchschnitt
- Özdemir (Grüne): 10/15 Thesen
- Hagel (CDU): 15/15 Thesen
- Stoch (SPD): 13/15 Thesen
- Rülke (FDP): 12/15 Thesen
- Bohnen, Vollmer und Ghazaei (Linke): 15/15, 14/15, 15/15 Thesen
kandidierendencheck - Wähle weise in Baden-Württemberg.
Der kandidierendencheck von abgeordnetenwatch ist eine kostenlose, interaktive Entscheidungshilfe zur Landtagswahl in Baden-Württemberg. Wähler:innen können sich zu 15 politischen Thesen mit „stimme zu“, „lehne ab“ oder „neutral“ positionieren und erhalten nach Eingabe ihrer Postleitzahl eine prozentuale Auswertung, die zeigt, mit welchen Direktkandidierenden im Wahlkreis die größte inhaltliche Übereinstimmung besteht. Die Thesen greifen zentrale und teils kontrovers diskutierte Fragen der Landes- und Bundespolitik auf. Alle Angaben der Kandidierenden sind transparent einsehbar und bleiben über den Wahltag hinaus öffentlich abrufbar.