Sehr geehrte Frau Auerbach, was planen Sie für das Gesundheitssystem und die Versorgung in Berlin, neben den G-Zentren als Anlaufstellen, für die Krankenhäuser und Finanzierung?

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Anna Auerbach
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Frage von Katrin R. •

Sehr geehrte Frau Auerbach, was planen Sie für das Gesundheitssystem und die Versorgung in Berlin, neben den G-Zentren als Anlaufstellen, für die Krankenhäuser und Finanzierung?

Die Reform und Umstrukturierung des Systems ist in vollem Gange. Gesundheitszentren als niederschwellige Anlaufstelle ist eine gute Idee - wie soll das umgesetzt werden? Was passiert nachdem Zentrum? Wie planen Sie die Finazierung des Gesundheitssystems? Wollen Sie mehr Krankenhäuser schließen/zusammenführen? - ich bin Ärztin in einem Berliner Haus und sehe, dass das Fragen sind, die uns täglich bewegen und in Ihrem Programm nur wenig angeschnitten sind. Ich freue mich auf die Antwort, vielen Dank für Ihre Zeit und Engagement. MfG

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Antwort von Volt

Vielen Dank für Ihre Frage.

Bei den Gesundheitszentren orientieren wir uns an dem Pilotprojekt GeKo Stadtteil-Gesundheitszentrum in Neukölln. Es arbeitet nach WHO-Richtlinien und vereint medizinische Praxis, Sozialberatung, Café und Nachbarschaftsprojekte unter einem Dach. Es bietet Menschen in einem sozial benachteiligten Viertel niedrigschwellige, mehrsprachige Gesundheitsberatung. 

Wir weiten das Landesprogramm der integrierten Gesundheitszentren aus, vor allem in strukturschwachen Bezirken wie den Außenbezirken. Wir machen die Zentren zu niedrigschwelligen „Häusern der Hilfe", in denen multiprofessionelle Teams unter einem Dach arbeiten. Diese Teams begegnen Krankheiten präventiv und stärken die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung, das senkt langfristig die Folgekosten vermeidbarer chronischer Krankheiten. Wir bringen Hebammen und psychologische Angebote dazu. Jedes Zentrum bekommt einen Gesundheitskiosk für Senior*innen, mit Pflegeberatung, Therapie und sozialer Unterstützung an einem Ort. Ausgedehnte Öffnungszeiten sollen die Rettungsstellen entlasten und eine Akkutversorgung direkt im Bezirk sichern.

Bei der digitalen Ausstattung setzen wir auf sichere Plattformen für Videosprechstunden, Telemonitoring und Datenaustausch. Die elektronische Patient*innenakte wird darin integriert.

Für die Anschlussversorgung schaffen wir zusätzlich in allen Bezirken interdisziplinäre Anlaufstellen in Kooperation mit den Gesundheitszentren für postinfektiöse Erkrankungen wie ME/CFS oder Long-COVID. Diese bieten wohnortnahe Diagnostik und Behandlung, mit Telemedizin, Hausbesuchen und spezialisierter Palliativversorgung.

Darüber hinaus sollen die Gesundheitszentren zu Erprobungsräumen für digitale Diagnostik und neue Versorgungsmodelle werden, gestützt auf Charité, Berlin Institute of Health und die Berliner Life-Sciences-Forschung.

Prävention ist dabei kein Zusatz, sondern Prinzip. Wir denken bei allen Maßnahmen und Policies mit, wie sie die Gesundheit der Berliner*innen verbessern, Health in All Policies. Dafür stärken wir die Landesgesundheitskonferenz zu einem HiAP-Beirat mit Entscheidungsbefugnis, der Standards setzt und Umsetzungsideen entwickelt. So sparen wir mit Prävention Kosten für die Behandlung vermeidbarer, teurer chronischer Krankheiten und verhindern zugleich menschliches Leid. Konkret heißt das auch: mehr Bewegung, sichere Infrastruktur, grüne und blaue Stadträume sowie die 15-Minuten-Stadt, damit gesunde Lebensweisen im Alltag der einfachere Weg werden.

Die von Ihnen angesprochene Finanzierung des Gesundheitssystems wird auf der Bundesebene entschieden, das ist keine Länderangelegenheit.

Volt steht für evidenzbasierte Entscheidungen, und die Evidenz zeigt: Die Krankenhauslandschaft in Deutschland ist nicht mehr zeitgemäß und muss sich verändern. Medizinischer Fortschritt und Demografie machen auch vor der stationären Versorgung nicht halt. Die gute Nachricht: immer mehr Leistungen können außerhalb des klinischen Settings erbracht werden, wenn die Strukturen dafür geschaffen werden. Das ist gut für Patient*innen und senkt Kosten. Diese Verlagerung gelingt nur, wenn Prävention und wohnortnahe Versorgung im Kiez so stark sind, dass Krankheiten gar nicht erst in die Klinik führen, genau das leisten die Gesundheitszentren. Vor dem Hintergrund des bestehenden und fortschreitenden Fachkräftemangels haben wir dringenden Handlungsbedarf. Zentraler Hebel ist für uns auch hier die digitale Transformation. Wir fordern strukturelle Veränderungen, um einem massiven Fachkräftemangel vorzubeugen, Beschäftigte zu entlasten und damit Versorgungsqualität und Patientensicherheit sicherzustellen.

Grundsätzlich wollen wir die Gesundheitsversorgung nicht von bestehenden Strukturen, sondern von den Patient*innen und Beschäftigten her denken. Dabei orientieren wir uns europaweit an pragmatischen und funktionierenden Lösungen.

Konkret kann das heißen, Krankenhäuser zusammenzulegen oder umzuwidmen, zum Beispiel in hochspezialisierte Zentren, Tageskliniken oder geriatrische Einrichtungen. Nicht alle Krankenhäuser müssen alles anbieten, aber alle Leistungen müssen hohen Qualitätsstandards genügen. Es geht um Veränderungen zugunsten der Beschäftigten und Patientinnen in einem ganzheitlichen System, das Prävention, ambulante Versorgung und Klinik sinnvoll verzahnt und so die Gesundheit der Berlinerinnen verbessert.

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