Wie geht die SPD mit der wachsenden Unzufriedenheit der ländlichen Bevölkerung um?
Liebe Frau Pehlke,
es ist Ihnen sicher nicht entgangen, dass die AFD - wohl im Rahmen ihrer Strategie zur „ländlichen Raumnahme“ - sehr aktiv in den Dörfern ist. Wie geht die SPD mit der wachsenden Unzufriedenheit der ländlichen Bevölkerung um? Wir wissen, dass es keine einfachen und schnellen Lösungen gibt, aber eine offene und kritische Diskussion mit der Bevölkerung wäre schon hilfreich. So hat man den Eindruck, dass sich nur die AFD um den ländlichen Raum kümmert. Vielen Dank und freundliche Grüße.
Sehr geehrte Frau H.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihre offenen Worte.
Die zunehmenden Aktivitäten der AfD gerade im ländlichen Raum nehme ich sehr wohl wahr. Dabei hat die AfD zunächst eine deutlich einfachere Ausgangslage als Parteien, die politische Verantwortung tragen: Sie greift Themen auf, die viele Menschen stören oder bei denen Unzufriedenheit besteht, benennt Probleme und übt Kritik. Gleichzeitig musste sie für viele dieser Themen bislang selbst keine tragfähigen Lösungen entwickeln und diese in Regierungsverantwortung umsetzen. Probleme zu benennen und Unzufriedenheit aufzugreifen ist naturgemäß einfacher, als Lösungen zu finden, Mehrheiten dafür zu organisieren und am Ende auch Verantwortung für deren Umsetzung zu tragen.
Das bedeutet aber keineswegs, dass wir uns als SPD darauf ausruhen dürfen. Im Gegenteil: Dass wir insbesondere im ländlichen Raum mehr tun und wieder stärker mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen müssen, steht für mich außer Frage. Dazu gehört auch, Kritik auszuhalten, zuzuhören und offen über die Themen zu sprechen, bei denen die Menschen zu Recht erwarten, dass Politik sich ihrer annimmt.
Gleichzeitig halte ich es für wichtig, behutsam und verantwortungsvoll an diese Themen heranzugehen. Wir regieren nicht allein. Viele Lösungen können wir nur gemeinsam mit unserem Koalitionspartner entwickeln. Sie müssen sinnvoll und umsetzbar sein und anschließend auch gemeinsam getragen werden. Das ist manchmal mühsamer und dauert länger, als wir alle uns das wünschen würden – gehört aber zu verantwortungsvoller Politik dazu.
Ein weiterer Punkt ist mir persönlich besonders wichtig: Wir müssen als Politik wieder stärker dort sein, wo die Menschen sind. Einfach einen Informationsstand aufzustellen und darauf zu warten, dass Bürgerinnen und Bürger zu uns kommen, reicht mir nicht. Nahbarkeit entsteht für mich durch persönliche Begegnungen und echte Gespräche.
Deshalb arbeite ich gerade an einem Konzept für ein mobiles Bürgerbüro. Damit möchte ich künftig flexibler sein und gerade auch kleinere Orte und Dörfer besuchen. Ich möchte zu den Menschen kommen, zuhören und ansprechbar sein – nicht nur dann, wenn eine Wahl bevorsteht.
Ihren Wunsch nach einer offenen und auch kritischen Diskussion mit den Menschen vor Ort teile ich daher ausdrücklich. Ich glaube, dass genau dieser direkte Austausch ein wichtiger Teil der Antwort darauf sein muss, wie wir als SPD wieder mehr Vertrauen im ländlichen Raum gewinnen können.
Vielen Dank für Ihre Nachricht und den Anstoß zu dieser wichtigen Diskussion.
Viele Grüße
Caroline Pehlke
