Wir haben beobachtet,dass es immer mehr Obdachlose unter den Brücken,vor Hauseingängen oder S-Bahnen schlafen. Deswegen wünschen wir uns Obdachlosenunterkünfte für diese Menschen.Was können Sie tun?
Ellen-key-Schule, 10. Klasse
Hallo Alexander,
vielen Dank für Ihre wichtige Frage.
Dass Menschen unter Brücken, in Hauseingängen oder Bahnhöfen schlafen müssen, darf in Berlin nicht zur Normalität werden. Am 31. Januar 2026 waren bereits 57.575 wohnungslose Menschen in Berliner Einrichtungen untergebracht. Hinzu kommen diejenigen, die weiterhin auf der Straße leben.
Leider sind auch in meinem persönlichen Bekanntenkreis Menschen obdachlos geworden, bei denen niemand damit gerechnet hätte. In mehreren dieser Fälle spielte Drogenkonsum eine entscheidende Rolle. Deshalb dürfen wir nicht erst reagieren, wenn ein Mensch bereits auf der Straße lebt, sondern müssen auch die Ursachen bekämpfen.
Außerdem arbeiten Menschen aus meinem engen Umfeld hauptberuflich daran, sozial benachteiligte und obdachlose Personen in öffentlich finanzierte Unterkünfte zu vermitteln und weiter zu begleiten. Durch diesen regelmäßigen Austausch erhalte ich unmittelbare Einblicke in die praktische Arbeit der Wohnungslosenhilfe. Diese Erfahrungen möchte ich nutzen, um sinnvolle Maßnahmen gezielt auszubauen und Politik und Praxis besser miteinander zu verbinden. Öffentliche Mittel müssen dabei selbstverständlich transparent und nach fachlichen Kriterien vergeben werden.
Drogenkonsum ist nicht die einzige Ursache von Obdachlosigkeit. Häufig kommen Arbeitsplatzverlust, Mietschulden, familiäre Probleme, psychische Erkrankungen und Abhängigkeit zusammen. Deshalb brauchen wir eine Hilfekette, die Unterkunft, Suchthilfe, medizinische Versorgung, Sozialarbeit und berufliche Eingliederung miteinander verbindet.
Wenn ich gewählt werde, möchte ich mich für mehr sichere und ganzjährig geöffnete Unterkünfte einsetzen. Gleichzeitig müssen Suchtprävention, Drogenberatung, Therapieplätze und aufsuchende Hilfen ausgebaut werden. Abhängigkeit ist eine Erkrankung, die behandelt werden muss.
Unterkünfte allein lösen das Problem jedoch nicht. Deshalb möchte ich „Housing First“ stärken: Betroffene erhalten zunächst eine eigene Wohnung und anschließend die notwendige Unterstützung.
Sobald es die persönliche Situation zulässt, muss außerdem eine stufenweise Begleitung ins Arbeitsleben angeboten werden. Diese kann mit wenigen Stunden bezahlter Beschäftigung beginnen und über Qualifizierung oder Praktika in eine reguläre Arbeit führen. So können Menschen wieder eine Tagesstruktur entwickeln, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen und langfristig auf eigenen Beinen stehen.
Wir dürfen obdachlose Menschen nicht als gescheitert abschreiben. Auch nach Rückfällen oder abgelehnter Hilfe müssen wir immer wieder das Gespräch suchen und Unterstützung anbieten. Jeder Mensch verdient eine neue Chance auf ein Zuhause, Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe.
