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Sehr geehrter Herr Grießhammer, in „Jetzt red I“ im BR behaupteten Sie, „dir Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander“ Der Gini- Koeffizient ist aber seit 2005 gleich. MfG T S.

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Holger Grießhammer
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Frage von Thomas S. •

Sehr geehrter Herr Grießhammer, in „Jetzt red I“ im BR behaupteten Sie, „dir Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander“ Der Gini- Koeffizient ist aber seit 2005 gleich. MfG T S.

Sehr geehrter Herr Grießhammer, ich würde gerne wissen, auf welche Zahlen sie diese Aussage im Fernsehen beziehen. Der international anerkannte Wert für gesellschaftliche Ungleichheit weist Deutschland in diesem Jahrtausend zwar einen Anstieg bis 2005 aus. Seither bleibt der Wert aber stabil. Welche belegbaren Zahlen nehmen sie für diese Aussage? Oder arbeiten Sie hier ohne Fakten nach „Gefühl“?

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Antwort von SPD

Sehr geehrter Herr S.,

vielen Dank für Ihre Frage. Tatsächlich greift der Verweis auf den Gini-Koeffizienten allein zu kurz.

Richtig ist, dass der Gini-Koeffizient für die verfügbaren Einkommen in Deutschland seit Mitte der 2000er Jahre vergleichsweise stabil bei rund 0,30 liegt. Das zeigen die Daten des Statistischen Bundesamtes. 

Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter geöffnet hat.

Denn:

1. Einkommen ist nicht Vermögen.
Der Gini-Koeffizient misst ausschließlich die Verteilung der laufenden Einkommen nach Steuern und Sozialtransfers. Er bildet weder Immobilienvermögen noch Unternehmensbeteiligungen oder Erbschaften ab. Gerade dort ist die Ungleichheit in Deutschland besonders ausgeprägt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verfügten zuletzt die obersten 10 Prozent der Haushalte über 56 Prozent des gesamten Nettovermögens. Deutschland zählt damit im europäischen Vergleich zu den Ländern mit einer besonders hohen Vermögensungleichheit. Destatis nennt ausdrücklich Erbschaften und Schenkungen als einen wesentlichen Grund für die dauerhafte Konzentration von Vermögen. 

2. Armut bleibt auf hohem Niveau.
Nach den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes waren 2025 rund 16,1 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet. Das entspricht nahezu jeder sechsten Person in Deutschland. 

3. Bayern bildet hier keine Ausnahme.
Zwar gehört Bayern wirtschaftlich zu den stärksten Bundesländern. Gleichzeitig liegt der Gini-Koeffizient der Einkommen auch hier bei etwa 0,30. Das bedeutet aber nicht, dass Vermögen gleich verteilt wären. Gerade die starke Entwicklung der Immobilienpreise in Ballungsräumen wie München hat bestehende Vermögensunterschiede weiter vergrößert. 

Deshalb bleibt die Aussage richtig. Die soziale Kluft in Deutschland bemisst sich nicht allein am Gini-Koeffizienten der Einkommen. Wer die Entwicklung von Vermögen, Erbschaften, Wohneigentum und Armutsgefährdung einbezieht, kommt zu dem Ergebnis, dass die Unterschiede zwischen arm und reich weiterhin erheblich sind und sich insbesondere bei den Vermögen verfestigt haben.

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Quellenverweise:

1. Gini-Koeffizient der Einkommensverteilung (Deutschland)

Statistisches Bundesamt (Destatis)
Der Gini-Koeffizient der verfügbaren Einkommen liegt seit Jahren relativ stabil um 0,30.
Link: Destatis: Einkommensungleichheit (Gini-Index)

 

2. Armutsgefährdung in Deutschland

Statistisches Bundesamt (Destatis)
2025 waren 16,1 % der Bevölkerung (13,3 Millionen Menschen) armutsgefährdet.
Link: Destatis: 16,1 % der Bevölkerung armutsgefährdet (Pressemitteilung vom 03.02.2026) 

 

3. Alle Destatis-Daten zu Einkommen, Armut und Lebensbedingungen

Übersichtsseite mit Tabellen und aktuellen Berichten.
Link: Destatis: Einkommen und Lebensbedingungen 

 

4. Gini-Koeffizient nach Bundesländern

Statistikportal der Statistischen Ämter
Bayern weist einen Gini-Koeffizienten von rund 0,30 auf.
Link: Statistikportal: Gini-Koeffizient nach Bundesländern

 

5. Vermögensungleichheit in Deutschland

Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (Bundesregierung)
Der Vermögens-Gini lag 2023 bei 0,724 und damit deutlich höher als der Einkommens Gini. Das zeigt, dass Vermögen wesentlich ungleicher verteilt sind als Einkommen.
Link: Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie: Vermögens Gini 

 

6. Wissenschaftliche Einordnung

Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln)
Auch das IW zeigt, dass der Einkommens-Gini seit Mitte der 2000er Jahre weitgehend stabil ist. Gleichzeitig weist das Institut darauf hin, dass andere Ungleichheitsindikatoren berücksichtigt werden müssen.
Link: IW Verteilungsreport 2025 

7. Soziale Ungleichheit

Hans-Böckler-Stiftung (WSI Report 2025)
Der aktuelle WSI-Report beschreibt die ungleiche Verteilung materieller Ressourcen als eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen.
Link: WSI Report 2025: Soziale Ungleichheit 

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