Wussten die Grünen von der Streichung bei Schulbegleitungen und befürworten Sie diese Maßnahme?
Sehr geehrter Herr Koriath,
wie bewerten Sie als bildungspolitischer Sprecher die Maßnahme der Schulbehörde, nach dem Sommer rigoros Schulbegleitungen zu verweigern: https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/paritaetischer-in-hamburg-warnt-vor-kuerzung-bei-schulbegleitern,schulbegleitung-106.html ?
Ist diese Maßnahme mit dem grünen Koalitionspartner so abgestimmt? Glauben Sie, dass Schulen diesen Wegfall an Unterstützung wirklich mit dem Bestandspersonal aus Lehrkräften und ggf. Erzieher:innen stemmen können, ohne dass die Qualität des Unterrichts für alle Kinder abnimmt? Befürchten Sie keine zunehmenden Ausfälle von Lehrkräften aufgrund von Überlastung? Ich spreche vermutlich für viele Eltern von Kindern mit Behinderung, dass diese Maßnahme aus einer rot-grünen Regierung überrascht. Sparmaßnahmen auf Kosten von Inklusion, dafür sind CDU & AfD bekannt. Haben wir die Grünen und die SPD als Verbündete im Kampf für Gleichberechtigung und Inklusion verloren?
Ich freue mich über eine Antwort!
Vielen Dank für Ihre Frage/Kontaktaufnahme.
Krankheitsbedingt habe ich die Neuerung über die Presse erhalten. Ich gehe davon aus, dass meine Vetrtreung und weitere zuständige MdHBs vorab im Austausch waren.
Zunächst möchte ich sagen: Ich kann die Sorgen vieler Eltern sehr gut nachvollziehen. Für Familien von Kindern mit Behinderung oder besonderem Unterstützungsbedarf geht es nicht nur um eine Verwaltungsentscheidung, sondern um die Frage, ob ihr Kind gleichberechtigt am Schulalltag teilnehmen kann. Diese Sorgen nehmen wir Grünen sehr ernst.
Nach den Informationen, die uns derzeit vorliegen, ist das Ziel der Schulbehörde nicht, Schulbegleitungen pauschal zu verweigern, sondern die Bewilligungspraxis zu vereinheitlichen und auf eine transparentere Grundlage zu stellen. Gleichzeitig gilt aber auch: Entscheidend ist nicht, was auf dem Papier steht, sondern wie sich die Änderungen in der Praxis auswirken.
Für uns ist klar: Inklusion darf nicht unter Finanzierungsvorbehalt stehen. Kein Kind darf die Unterstützung verlieren, die es für eine erfolgreiche Teilhabe am Unterricht benötigt. Deshalb werden wir sehr genau darauf achten, welche Auswirkungen die neuen Kriterien auf die tatsächlichen Bewilligungen haben. Um belastbare Aussagen über die konkrete Entwicklung ins Gewicht zu stellen wird, erst zum Beginn des Schuljahres möglich sein.
Richtig ist auch, dass eine inklusive Schule nur funktionieren kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Multiprofessionelle Teams, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen sowie Schulbegleitungen erfüllen unterschiedliche Aufgaben und können sich nicht beliebig ersetzen. Deshalb muss jede Veränderung so gestaltet werden, dass Schulen nicht zusätzlich überlastet werden und die Unterrichtsqualität für alle Kinder erhalten bleibt.
Sollte sich zeigen, dass Schulen oder einzelne Kinder durch die neue Praxis schlechter gestellt werden oder Lehrkräfte dauerhaft an ihre Belastungsgrenzen kommen, erwarten wir als Grüne, dass der Senat nachsteuert. Eine verantwortungsvolle Bildungspolitik zeichnet sich dadurch aus, Entwicklungen sorgfältig zu evaluieren und dort nachzubessern, wo dies erforderlich ist.
Beste Grüße
Jan
