Frage an Katharina Schmidt bezüglich Umwelt

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DIE GRÜNEN

Frage an Katharina Schmidt von Qnavry Uraavat bezüglich Umwelt

15. September 2019 - 21:39

Die Bündis 90 / Die Grünen (insbesondere das durch die Grünen geführte Umweltministerium) unterstützen derzeit ein Teil der geplanten Windkraftanlagen in Wädern zu errichten. Dabei sind Gebiete des Thüringer Waldes und des Thüringer Holzland stark betroffen. Passt Ihrer Ansicht nach die Zerstörung der Naturlandschaften zum Schutz der Umwelt, zum Tierschutz und damit zur Philosphie der Grünen? Haben Ihrer Meinung nach die Spendengelder durch Windkraftlobby (siehe u.a. Rechenschaftsbericht der Grünen 2017) Einfluss auf diese Entscheidung?

Viele Grüße
Qnavry Uraavat

Frage von Qnavry Uraavat
Antwort von Katharina Schmidt
28. September 2019 - 23:15
Zeit bis zur Antwort: 1 Woche 6 Tage

Diese Frage bekomme ich in letzter Zeit sehr häufig gestellt und ich kann sie nie so beantworten, dass mein Gegenüber oder ich mit der Antwort zufrieden sein kann. Sie treffen da eine sehr sensible Stelle in meinem grünen Herzen, weil ich grundsätzlich nie einen Baum für egal was opfern würde. Doch nun sehe ich, wie der Wald vor unseren Augen wegstirbt. Und die Gründe sind sehr klar: Durch die Trockenheit sind die Bäume geschwächt und zusätzlich noch für den Borkenkäfer besonders anfällig. Betrachtet man die Klima-Tendenz, auf die wir in Thüringen zusteuern, sind unsere typischen Fichtenwälder nicht zukunftsfähig.

Ich sehe nur zwei logische Strategien:
1) Wir müssen etwas tun, um den CO2 Ausstoß zu senken und so die Geschwindigkeit des Klimawandels zu drosseln. Dazu muss unter anderem unser Strom klimaneutral produziert werden, Kein Lebewesen in unseren Breitengraden ist auf diese rasante Erderwärmung eingestellt und angepasst.
2) Wir müssen den Waldumbau voran treiben! Weg von Fichten-Monokulturen, die unsere Waldlandschaft momentan noch dominiert hin zu naturnahen Mischwäldern.

Stromerzeugung ist immer mit Einschnitten verbunden. Die Rückkehr zur Atomkraft ist für mich indiskutabel. Der Müll und die Gefahren sind unberechenbar. Der Braunkohletagebau verschandelt ganze Landstriche viel schlimmer, als es Windrad & Co tun. Von der CO2-Bilanz will ich an dieser Stelle gar nicht sprechen. Gaskraftwerke haben nicht das Potential, die Treibhausgasemissionen auf ein klimaneutrales Niveau abzusenken. Es bleiben uns nur die Erneuerbaren.
Wind im Wald sollte nur eine von vielen Möglichkeiten sein, das Ausbauziel für einen Energiemix der Zukunft zu realisieren. Wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind (z.B. Photovoltaik auf Dächern), dann sehe ich die Notwendigkeit, auch im Wald Windkraftanlagen zu errichten.

Dann setze ich mich dafür ein, dass ...
- die Windkraftanlagen im Wirtschaftswald auf ökologisch nicht besonders zu schützenden Waldstandorten errichtet werden.
- die Anzahl überschaubar bleibt. Von den rund 850 bereits existierenden Windenergieanlagen in Thüringen stehen bisher nur zwei im Forst.
- jeder Quadratmeter Wald, der für eine Windenergieanlage gerodet wird, muss an anderer Stelle qualitativ hochwertig wieder aufgeforstet werden. Der Flächenbedarf je Windrad incl. Zuwegung beträgt im Wald 0,86 ha.
- die Windkraftbetreiber verpflichten sich rechtswirksam zum Rückbau und zur Kostenübernahme für die Entsorgung.

Ein Hektar Wald bindet pro Jahr etwa 5 t CO2, eine Windkraftanlage vermeidet im gleichen Zeitraum etwa 5.000 t CO2.
Die Windkraftanlagen können im Vergleich zu anderen Stromerzeugungsanlagen relativ unkompliziert abgebaut und entsorgt werden. Sollte es in einigen Jahren alternative und bessere Möglichkeiten zur Stromgewinnung geben, dann können Sie wieder aus unserem Landschaftsbild verschwinden und der Wald an dieser Stelle nachwachsen.
Nicht zu vergessen: Bürgerbeteiligung und Transparenz erachte ich bei diesem Thema für sehr wichtig.

Die Argumentation hat hoffentlich gezeigt, dass ich mir meine Meinung aus einer intensiven Beschäftigung mit dem Thema heraus gebildet habe. Mir wurde dafür kein Geld gezahlt.
Ob also Spendengelder durch die Windkraftlobby Einfluss auf diese Entscheidung hatte: Keine Ahnung. Auf meine Meinung hatte sie auf keinen Fall Einfluss. Ich bin unabhängig von politischen Posten und frei in meinem Denken.

Auch wenn dieses Thema auf dem ersten Blick im Widerspruch zu den Idealen meiner Partei steht, so ergibt sich ein logischeres Bild, wenn man es in größeren Zusammenhängen betrachtet.
Und auch wenn ich sie wahrscheinlich nicht zu Ihrer Zufriedenheit beantworten konnte, möchte ich Ihnen für Ihre Frage danken und Sie weiter dazu ermutigen, immer den sachlichen Austausch zu suchen.