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Sehr geehrte Frau Cramme-Hill, Wie positionieren Sie sich zur Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung? In welchem Beruf ist das realistisch? Mit freundlichen Grüßen Judith S.

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Natalie Cramme-Hill
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Frage von Judith S. •

Sehr geehrte Frau Cramme-Hill, Wie positionieren Sie sich zur Koppelung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung? In welchem Beruf ist das realistisch? Mit freundlichen Grüßen Judith S.

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Sehr geehrte Frau S.,

 

ich verschließe mich da nicht. Auch Felix Banaszak hat bereist vorgeschlagen, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, kombiniert mit mehr Umverteilung, damit das Rentenniveau stabil bleibt. Und mal ehrlich, wenn Menschen dadurch im Zweifel etwas länger arbeiten, statt mit Minijobs abgefertigt zu werden und dann am Ende eine Rente haben, von der sie leben können, ist das erstmal kein schlechter Gedanke finde ich.

Was ich aber nicht mittrage, sind die Vorschläge der Rentenkommission genau so, wie sie jetzt vorliegen. Andreas Audretsch hat im Bundestag gesagt, worum es eigentlich geht: Die Kommission redet kaum über Altersarmut. Und wenn das Rentenniveau von 48 Prozent nicht mehr garantiert wird, ist das für mich das Gegenteil von Verlässlichkeit. Am Ende geht es immer um die Frage, wer hat in dieser Gesellschaft viel, und wer hat wenig?

Eine Kopplung an die Lebenserwartung klingt erstmal neutral, ist sie meiner Meinung nach aber nicht, wenn man sich anschaut, wie unterschiedlich lange Menschen je nach Beruf tendenziell leben. Ein Bergmann stirbt im Schnitt mit 66. Jemand, der in der Erziehung oder im Sozialbereich arbeitet, erst mit etwa 83. Das sind 17 Jahre Unterschied. Zwischen Akademikern und Menschen mit Hauptschulabschluss liegen im Schnitt immer noch sechs Jahre. Natürlich kann man Lebenserwartungen nicht nur an Berufen fest machen, aber klar ist doch auch wir werden immer älter und die Belastung in unterschiedlichen Berufe ist nunmal unterschiedlicher auch wenn sich in Sachen Arbeitssicherheit und "Gesund am Arbeitsplatz" in den letzten Jahren einiges gewandelt hat.

Realistisch ist so eine Regelung also vor allem für Leute, die im Büro sitzen, in der Verwaltung, in der Wissenschaft. Bei jemandem, der mit 16 bzw. 18 auf dem Bau anfängt oder in der Pflege arbeitet, ist das eine andere Geschichte: Diese Menschen arbeiten länger und haben trotzdem oft wenige. Genau deshalb finde ich eine einheitliche Regel für alle wird dem nicht gerecht. Gerade bei uns in Rheinland-Pfalz, mit viel Industrie, Landwirtschaft und Tourismus, würde das die Falschen treffen.

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