Hallo. Welches Thema finden Sie zurzeit am wichtigsten: Umwelt, Wirtschaft, Bildung oder Finanzielle Gerechtigkeit.
Sehr geehrter Herr Gutheim,
ich bin Freiburger Student und würde deswegen gerne auch einen Studenten in den Landtag bringen. Ich schwanke im Moment noch zwischen Herr Kionka (FDP) und Ihnen.
Bitte erstellen Sie eine persönliche Rangfolge der Folgenden Themen:
- Umwelt
- Wirtschaft
- Bildung
- Finanzielle Gerechtigkeit
(Alle Themen sind relevant, aber meiner Meinung nach in der jetzigen Zeit eine mehr und andere weniger)
Mit freundlichen Grüßen
Joschka S.
Sehr geehrter Herr S.,
da stellen Sie mich nun wirklich nicht vor eine einfache Aufgabe.
Meiner Meinung nach ist Aufgabe der Politik, allen Menschen, heute wie zukünftig, ein Leben in Freiheit, Selbstbestimmung und Würde zu ermöglichen.
Dazu gehört auch die finanzielle Gerechtigkeit: Es ist ungerecht, dass so viele Menschen in Deutschland um um jeden Cent feilschen müssen, um über die Runden zu kommen und erst recht nicht einen kleinen Betrag für Notfälle auf die hohe Kante legen können. In der Landespolitik können wir die Mieten durch den Ausbau von sozialem oder genossenschaftlichen Wohnbau senken (wie z.B. Wien, das seit vielen Jahrzehnten mit gutem Beispiel voran geht). Zudem wollen wir die enormen Kita-Gebühren, die für Eltern anfallen, Stück für Stück senken. Davon profitieren insbesondere Mütter, die häufig zwischen Beruf und Care-Arbeit entscheiden müssen.
Falls sie das Thema lieber pragmatisch betrachten:
Durch die Brille der Demokratie: Nur Menschen, die eine gewisse finanzielle Sicherheit haben, haben auch die Zeit für echte und informierte Teilhabe.
Und durch die Brille der Wirtschaft: Viele Branchen wie auch z.B. die Gastronomie kämpfen deswegen mit geringer Nachfrage.
Gute Umwelt- und Wirtschaftspolitik sind keine Gegensätze! Kurzfristige Kapitalinteressen sind meist blind gegenüber der langfristigen Zukunftsfähigkeit des Produktionsmodells. Es braucht eine starke und zuverlässige Umweltpolitik des Staates, damit das Wirtschaften in der Zukunft möglich bleibt. Hätten wir bereits vor vielen Jahren und unumstößlich ein Verbrenner-Aus beschlossen, ohne andauernd die Debatte darüber zu führen, sie wieder abzuschaffen, hätte die Autoindustrie auch nicht so lange gezögert, umzusteigen. Jetzt gehen in der Autoindustrie Arbeitsplätze verloren und wir haben unsere Konkurrenzfähigkeit mit anderen Staaten verloren. Gleiches gilt im Falle des Gebäudeenergiegesetzes oder mit der deutschen Solarindustrie. Wir wollen Unternehmen bei ihrem Umstieg auf nachhaltigere Produktion unterstützen, indem wir die Infrastruktur dafür schaffen (siehe in unserem Wahlprogramm: Transformation der Wirtschaft - Wettbewerbsfähig durch Nachhaltigkeit). Planungssicherheit, lokale oder zumindest innereuropäische Wertschöpfungsketten und eine Planung, die kreislaufwirtschaftliche Konzepte möglich macht. Und nicht zuletzt der Umstieg auf erneuerbare Energien (Windräder, Agri-PV, etc.), die den Strom günstig halten und unsere Emissionen senken.
Gute Bildungspolitik hingegen ist ein Querschnittsthema, indem sie eine mehrfache Verantwortung hat:
Erstens: Kinder und Jugendliche auf ein (Zusammen-)Leben in einem demokratischen Staat vorzubereiten und ein Bewusstsein für die zugrunde liegenden Ideen und Konflikte zu schaffen;
Zweitens: die notwendigen Kompetenzen für das spätere Arbeitsleben zu vermitteln, sowie Selbständigkeit und Kreativität zu fördern. Unser Bildungssystem ist veraltet, das zeigt der europäische Vergleich.
Wir wollen längerfristig eine Abkehr von den unterschiedlichen Schultypen hin zu einem inklusiven Gesamtschulkonzept wie es bereits in den Skandinavischen Ländern funktioniert. Das schafft Durchmischung, und Schüler*innen profitieren von der gegenseitigen Unterstützung.
Gute Medienbildung ist notwendig, in allen Altersgruppen, um mit den neuen Herausforderungen des digitalen Raumes wie KI-generiertem Content und Falschinformation klarzukommen.
Es gibt kein oder. Es gibt nur ein und.
Und lieber in alles ein wenig investieren, als in einem der Bereiche massiv zurückzufallen.
Mit freundlichen Grüßen,
Niklas Gutheim
