Welchen Stellenwert haben für Volt Berlin Baukultur, historisches Stadtbild und Denkmalschutz – und warum finden sich zu Rekonstruktionen und diesen Themen kaum konkrete Positionen im Wahlprogramm?

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Rafael Kaaz
Volt
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Frage von Joshua B. •

Welchen Stellenwert haben für Volt Berlin Baukultur, historisches Stadtbild und Denkmalschutz – und warum finden sich zu Rekonstruktionen und diesen Themen kaum konkrete Positionen im Wahlprogramm?

Sehr geehrte Herr Kaaz,

für meine Wahlentscheidung sind neben Klima, Verkehrswende und Innovation auch Baukultur und Berlins historisches Stadtbild wichtig. Im Volt-Wahlprogramm finde ich dazu kaum Positionen. Mich interessieren daher besonders:

1. Befürwortet Volt die Rekonstruktion der historischen Fassaden von Schinkels Bauakademie?

2. Wie steht Volt am Molkenmarkt zu historischem Stadtgrundriss, einzelnen Rekonstruktionen und traditioneller Architektur?

3. Befürwortet Volt grundsätzlich Rekonstruktionen bedeutender verlorener Berliner Gebäude?

4. Sollte Berlin bei Neubauten stärker gestalterische Qualität, Fassadengliederung, Materialien, Kleinteiligkeit und Schönheit einfordern?

5. Welchen Stellenwert hat Denkmalschutz bei Konflikten mit Klimaschutz?

6. Sollen die historischen Berliner Gaslaternen erhalten werden?

7. Unterstützt Volt die Wiederherstellung historischer Brunnen, Plätze und anderer Stadtbildelemente?

Vielen Dank!

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Antwort von Volt

Sehr geehrter Herr B.,

erstmal vielen Dank für Ihre Fragen! Tatsächlich kommen diese Themen in unserem Programm etwas kurz, daher gerne meine persönliche Einordnung:

1. Ja. Bei einem Gebäude von der herausragenden architekturgeschichtlichen Bedeutung der Bauakademie halte ich die Rekonstruktion der historischen Schinkel-Fassaden für sinnvoll.

2. Den historischen Stadtgrundriss als Ausgangspunkt zu nutzen, halte ich für einen sinnvollen Ansatz. Auch einzelne historische Rekonstruktionen können positiv zum Gesamtbild beitragen – ein gutes Beispiel ist aus meiner Sicht die Neue Frankfurter Altstadt. Insgesamt sollte es aber nicht nur um die Entscheidung „historisch oder modern“ gehen, sondern darum, ob ein durchdachtes städtebauliches Konzept, eine sinnvolle Nutzung und ein lebendiger öffentlicher Raum entstehen.

3. Grundsätzlich ja – insbesondere bei bedeutenden oder identitätsstiftenden Gebäuden.

4. Ja, insbesondere bei wichtigen öffentlichen Grundstücken und prägenden Standorten. Unser Programm sieht bereits vor, öffentliche Grundstücke stärker nach Konzeptqualität statt Höchstpreis zu vergeben. Für mich gehören dazu  auch Architektur und Bauqualität und die Wirkung eines Gebäudes auf den öffentlichen Raum.

5. Denkmalschutz hat für mich einen hohen Stellenwert und sollte nicht pauschal dem Klimaschutz untergeordnet werden. Auch unser Programm sieht beispielsweise vor, bei der Solaroffensive auf öffentlichen Gebäuden dem Denkmalschutz Rechnung zu tragen. Wo Zielkonflikte entstehen, halte ich individuelle und technisch innovative Lösungen für besser als pauschale Vorgaben.

6. Historische Leuchtentypen sollten aus meiner Sicht grundsätzlich erhalten bleiben. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass sie dauerhaft mit Gas betrieben werden müssen. Wenn das historische Erscheinungsbild mit moderner Technik erhalten werden kann, wäre das für mich der sinnvollste Kompromiss.

7. Grundsätzlich ja, insbesondere wenn solche Elemente das historische Stadtbild prägen, Identität schaffen und gleichzeitig zu einem lebendigen öffentlichen Raum beitragen.

Kommen Sie auch gerne zu einem unserer Themenabende vorbei: https://unfuck.berlin/termine
Wir suchen außerdem immer motivierte Menschen, die ihr Herzensthema und ihre Expertise in unsere Parteiarbeit einbringen möchten!

Viele Grüße
Rafael Kaaz