Frage an Sepp Dürr bezüglich Jugend

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Sepp Dürr
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Frage an Sepp Dürr von Susanne S. bezüglich Jugend

Sehr geehrter Herr Dr. Dürr,

ich habe gehört, dass das letzte Kindergartenjahr künftig für alle umsonst sein soll.

Wie kann da noch gewährleistet sein, dass die ohnehin sehr schlecht bezahlten KinderpflegerInnen und ErzieherInnen genug Geld verdienen um ihren Lebensunterhalt zu sichern?

Wenn sie sich um die Kinder kümmern, sollten sie nicht den Kopf voll mit Geldsorgen haben, sondern dafür sorgen, dass es den Kindern an nichts fehlt. Gerade bei Kindern aus sozial schwachen Familien ist dies meines Erachtens extrem wichtig.

Wie sehen Sie das?

Vielen Dank für Ihre Antwort,

mit freundlichen Grüßen

S. Spachtholz

Frage von Susanne S. am
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 6 Stunden 39 Minuten

Sehr geehrte Frau Spachtholz,

vielen Dank für Ihre Mail. Wir halten die Beitragsfreiheit für das letzte Kindergartenjahr zum jetzigen Zeitpunkt für falsch.
Zum einen besuchen fast alle Kinder in Bayern im Jahr vor der Einschulung den Kindergarten, während in den Jahren davor viele Kinder fehlen, die Bildung und Erziehung besonders gut brauchen könnten. Mehrjähriger Kindergartenbesuch erhöht die Chancen von Kindern aus armen oder bildungsfernen Familien deutlich. Deshalb hätte die Kostenfreiheit des ersten von mehreren Jahren mehr Wirkung gezeigt.

Zum anderen aber wäre es sinnvoller gewesen, die 135 Millionen €, die ein Jahr Beitragsfreiheit kostet, in die Verbesserung der Rahmenbedingungen der frühkindlichen Bildung, also zur Qualitätsverbesserung, zu investieren. Seit langem fordern wir in diesem Zusammenhang ein umfassendes Konzept zur Erhöhung der Attraktivität des Berufsbildes der ErzieherInnen und KinderpflegerInnen. Leider ist die Staatsregierung es bisher schuldig geblieben.
Dabei müssen wir etwas tun. Denn im Bundesvergleich gibt es in Bayern besonders wenig ausgebildetes Personal und insbesondere in großen Städten übersteigt der Bedarf das Angebot, auch wegen neuer Kinderkrippenplätze, aber vor allem weil es schwierig ist, mit diesen Gehältern zurechtzukommen. Nicht zuletzt muss es mehr Möglichkeiten und ausreichend Zeit für Fort- und Weiterbildungen geben, denn Ansprüche und Anforderungen steigern ebenfalls. Wir wollen, dass die sehr häufig prekären Arbeitsverhältnisse in unbefristete umgewandelt, die Ausbildung reformiert und die Bezahlung und Arbeitsbedingungen verbessert werden. Dazu haben wir ein eigenes und nachhaltiges Finanzierungskonzept erarbeitet, über das Sie sich auf unserer Fraktionshomepage informieren können.
Eingeräumt werden muss, dass die Anhebung der Gehälter nicht im Landtag verfügt werden kann, sondern Angelegenheit der Tarifparteien ist. Um die berechtigten Forderungen der ErzieherInnen und KinderpflegerInnen zu unterstützen, haben wir uns deshalb mit ihnen bei ihrem Streik vor vier Jahren solidarisch gezeigt - übrigens als einzige Fraktion im Landtag.

Mit freundlichen Grüßen
Sepp Dürr