Ihre Aktivitäten in Sache integrativer Heilkunde?
Als Heilpraktiker mit 40-jähriger Arbeitserfahrung weiss ich, dass v. a. bei Menschen mit chronischen Erkrankungen eine individuelle naturheilkundliche Behandlung der konventionellen Medizin in weiten Bereichen klar überlegen ist. Welche konkreten Schritte gedenken Sie als Parlamentsmitglied zu gehen, um den barrierefreien Zugang zu integrativer Medizin für alle Menschen zu ermöglichen?
Als Parlamentsmitglied sehe ich meine Aufgabe darin, den barrierefreien Zugang zu einer qualitätsgesicherten integrativen Medizin zu stärken, die schulmedizinische Versorgung sinnvoll ergänzt und Patientinnen und Patienten mehr Wahlfreiheit ermöglicht. Viele Menschen mit chronischen Erkrankungen profitieren von ganzheitlichen Ansätzen – zugleich braucht es klare Qualitätsstandards, Transparenz und Patientensicherheit.
Konkret setze ich mich für folgende Schritte ein:
Erstens: Rechtliche und strukturelle Anerkennung stärken. Verfahren der Naturheilkunde und Komplementärmedizin sollen dort, wo Wirksamkeit und Sicherheit belegt oder plausibel sind, stärker in Versorgungsleitlinien berücksichtigt werden. Ziel ist eine bessere Verzahnung von konventioneller Medizin und integrativen Angeboten.
Zweitens: Forschung und Evidenz ausbauen. Ich unterstütze gezielte Förderprogramme für die wissenschaftliche Erforschung integrativer Medizin, damit wir Wirkungen, Grenzen und sinnvolle Anwendungsfelder verlässlich bewerten können. Dazu gehört auch die systematische Evaluation erfolgreicher Praxisbeispiele – etwa aus der Integrativen Medizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin oder aus Modellprojekten an der Universität Witten/Herdecke.
Drittens: Aus- und Weiterbildung interdisziplinär öffnen. Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte sowie Therapeutinnen und Therapeuten sollen in ihrer Ausbildung mehr über naturheilkundliche und integrative Ansätze lernen – ebenso über deren Grenzen. Umgekehrt braucht es für nichtärztliche Behandelnde klare Qualifikationsstandards und Fortbildungsangebote.
Viertens: Zugangshürden abbauen – sozial gerecht. Integrative Angebote dürfen kein Luxus für Besserverdienende sein. Ich setze mich für Modellvorhaben ein, in denen ausgewählte, qualitätsgesicherte Leistungen der integrativen Medizin in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung einbezogen werden – insbesondere bei chronischen Erkrankungen und in der Prävention.
Fünftens: Patientensouveränität und Transparenz stärken. Menschen sollen verständlich informiert entscheiden können, welche Therapieformen für sie infrage kommen – inklusive Nutzen, Risiken und Kosten. Dafür braucht es unabhängige Informationsangebote und klare Kennzeichnung von qualitätsgesicherten Einrichtungen.
Sechstens: Dialog statt Grabenkämpfe. Mir ist wichtig, die oft ideologisch geführte Debatte zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde zu überwinden. Ziel ist eine patientenzentrierte Versorgung, in der das Beste aus beiden Welten zusammenkommt – evidenzbasiert, verantwortungsvoll und menschlich zugewandt.
Kurz gesagt: Integrative Medizin soll nicht als „Gegenmodell“ zur konventionellen Medizin verstanden werden, sondern als sinnvolle Ergänzung – mit klaren Qualitätsmaßstäben, wissenschaftlicher Begleitung und fairen Zugangsbedingungen für alle.
