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​Setzen Sie sich für eine automatische Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung ein oder favorisieren Sie strukturelle Alternativen wie das schwedische Drei-Säulen-Modell

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Sybilla Nitsch
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Frage von Susanne B. •

​Setzen Sie sich für eine automatische Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung ein oder favorisieren Sie strukturelle Alternativen wie das schwedische Drei-Säulen-Modell

Sehr geehrte Frau Nitsch,

​für eine automatische Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung spricht die finanzielle Nachhaltigkeit der Rentenkassen. Dagegen sprechen soziale Härten: Da die Lebenserwartung je nach Beruf stark variiert, droht Menschen in fordernden Branchen de facto eine Rentenkürzung.

​Als zukunftsfähige Alternative gilt oft eine Dreisäulen-Reform nach schwedischem Vorbild: 1. Ein flexibler Rentenkorridor (individueller Eintritt mit finanziellen Anreizen), 2. eine Erwerbstätigenversicherung, die alle Berufsgruppen einbezieht, und 3. eine ergänzende, starke kapitalgedeckte Vorsorge (Staatsfonds).

​Hierzu meine konkreten Fragen:

​Werden Sie sich für einen starren Kopplungs-Automatismus einsetzen?

​Falls Sie diesen ablehnen: Welche langfristige Alternative halten Sie für geeigneter? Favorisieren Sie ein flexibles Rentenalter, eine breitere Erwerbsbeteiligung, stärkere Kapitaldeckung oder eine Kombination dieser Maßnahmen?

​Mit freundlichen Grüßen

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Antwort von SSW

Sehr geehrte Frau B.,

haben Sie vielen Dank für Ihre Fragen zu unserem bzw. dem schwedischen Rentensystem. Als Partei der dänischen Minderheit schauen wir regelmäßig nach Dänemark bzw. Skandinavien. Wir begrüßen ausdrücklich, dass Aspekte des schwedischen Rentenmodells nun endlich auch in Deutschland Eingang in Reformvorhaben finden. Denn der Ansatz, neben der "klassischen" Umlage Teile der Rente rein kapitalgedeckt durch Anlagen am Aktienmarkt anzulegen, hat sich dort längst bewährt. 

Natürlich könnte eine automatische Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung (theoretisch) für eine nachhaltigere und solidere finanzielle Basis der Rentenkassen sorgen. Aber hier sind wir ganz bei Ihnen: Der Preis dafür wären soziale Härten in Form von mitunter massiven Rentenkürzungen. Und zwar bei all denen, die berufs- oder gesundheitsbedingt nicht bis zum regulären Renteintrittsalter durchhalten.

Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die aktuelle Entwicklung auf Bundesebene kann ich Ihnen klar sagen, dass wir einen starren Kopplungsautomatismus zwischen Lebenserwartung und Renteintrittsalter ablehnen. Denn ein solcher Automatismus ist realitätsfern und in vielen Fällen ungerecht. Neben der Einführung und dem Ausbau der Säule "Aktienrente"  setzen wir uns daher dafür ein, dass deutllich stärker in betriebliches Gesundheitsmanagement und in präventive Angebote investiert wird. Dadurch bleiben Menschen im Erwerbsleben gesund und können je nach Job auf freiwilliger Basis länger arbeiten (und in die Rentenkassen einzahlen). Dass wir zusätzlich auch zu einer Erwerbstätigenversicherung kommen müssen, die endlich alle Berufsgruppen einbezieht, fordert der SSW seit vielen Jahren.

Demnach setzen wir uns für eine Kombination der oben erwähnten Maßnahmen und damit für eine möglichst flexibles Rentensystem ein, das soziale Härten abfedert und den Realitäten am Arbeitsmarkt gerecht wird. 

Mit besten Grüßen vom SSW, Sybilla Nitsch (MdL)

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