Was machst du beruflich?

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Tommy Klein
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
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Frage von Werner M. •

Was machst du beruflich?

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Hallo Herr M.,

vielen Dank für die Frage. Und gleich vorneweg eine Entschuldigung, dass ich erst jetzt dazu komme, sie ausführlich zu beantworten.

Mein beruflicher Lebenslauf ist tatsächlich nicht ganz geradlinig. Nach der Schule und meinem Zivildienst habe ich zunächst Wirtschaftsrecht in Wismar studiert, das Studium aber nicht abgeschlossen – auch, weil es mich schon damals immer stärker in die Politik gezogen hat. Neben meiner Tätigkeit als Fraktionsgeschäftsführer in der Wismarer Bürgerschaft habe ich immer wieder in der Gastronomie gearbeitet und bin ihr insgesamt rund zehn Jahre treu geblieben – auch noch, nachdem ich vor zehn Jahren der Liebe wegen nach Ludwigslust-Parchim gezogen bin.

Nach einer kleinen beruflichen Auszeit, in der ich mich unter anderem der Sanierung unseres Hauses gewidmet habe, wurde ich Fraktionsgeschäftsführer der grünen Kreistagsfraktion in Ludwigslust-Parchim und blieb es bis zur Kommunalwahl 2024.

Im vergangenen Jahr stand dann eine ernstere gesundheitliche Diagnose im Raum, die sich glücklicherweise nicht bestätigt hat. Als sich die Situation geklärt hatte, war für mich zugleich bereits absehbar, dass ich für den Landtag kandidieren werde. Deshalb habe ich mich entschieden, für die Monate bis zur Wahl keine neue Vollzeitstelle anzutreten. Das führt nun zur schönen Berufsbezeichnung „Hausmann“ auf dem Stimmzettel – obwohl ich in den vergangenen Monaten gefühlt eigentlich nur zum Schlafen zu Hause war.

Untätig bin ich trotz dieser wohlklingenden Bezeichnung nämlich nicht. Neben dem Wahlkampf bin ich unter anderem Kreisvorsitzender meines Kreisverbandes, Gemeindevertreter, zweiter stellvertretender Bürgermeister und in weiteren Bereichen ehrenamtlich engagiert. Mein Mann unterstützt mich dabei und insbesondere bei meinem politischen Engagement sehr – wofür ich ihm ausgesprochen dankbar bin.

Das ist keine Selbstverständlichkeit und hat mir noch einmal vor Augen geführt, wie schwierig der Schritt in die Politik für Menschen sein kann, die nicht ohnehin bereits beruflich in ihr arbeiten. In meinem Wahlkreis trete ich unter anderem gegen einen amtierenden Landtagsabgeordneten, eine Ministerin und einen Mitarbeiter des Landtages an. Das ist keine Kritik an meinen Mitbewerbern – ihre Ausgangssituation ist aber naturgemäß eine andere.

Wenn wir möchten, dass sich Menschen mit ganz unterschiedlichen beruflichen und persönlichen Erfahrungen um politische Mandate bewerben, sollten wir deshalb auch darüber sprechen, unter welchen Bedingungen das überhaupt möglich ist. Ein ernsthafter Wahlkampf kostet enorm viel Zeit, wird aber nicht bezahlt. Wer einen normalen Vollzeitjob hat und vielleicht noch Kinder betreut oder Angehörige pflegt, kann nicht einfach für einige Monate sagen: Ich mache jetzt Wahlkampf und komme danach wieder.

Dass ich diese Möglichkeit trotzdem habe, ist ein Privileg. Ich würde mir aber wünschen, dass eine ernsthafte Kandidatur für ein politisches Mandat weniger davon abhängt, ob jemand sich den dafür notwendigen Freiraum beruflich und finanziell überhaupt leisten kann.