Doch mit dem Geldsegen ist es noch nicht vorbei. Einige Monate später bewilligt der Haushaltsausschuss weitere 95 Millionen Euro – diesmal für die Einrichtung eines Start-up-Inkubators. Kahrs sagte damals: "Ich habe mich für diese Finanzierung eingesetzt, weil unser Hamburg – und damit ganz Deutschland – DESY als Ort für Innovationen unbedingt braucht."
Gab es einen Zusammenhang zwischen den Stellen für Kahrs‘ Parteikollegen und den Sondermitteln? Auf Anfrage bestreitet ein DESY-Sprecher dies. Kahrs antwortete nicht auf Fragen von abgeordnetenwatch.de.
Ende 2019, bekommt das DESY ein weiteres Mal Sondermittel: 15 Millionen Euro für die nicht-wissenschaftliche Infrastruktur. Wieder kommt Johannes Kahrs als einziger Abgeordneter in der DESY-Pressemitteilung zu Wort. Ziel sei es, die Innovation und Spitzenforschung zu fördern und im Rahmen einer komplexen Campusplanung vorzubereiten, so wird er dort zitiert. "Dafür habe ich mich im Haushaltsausschuss erfolgreich eingesetzt." Und zufällig bekommt auch Kahrs ehemaliger Büroleiter Piekatz eine neue Position: Er wird Projektkoordinator Campusentwicklung – alle Bauprojekte gehen nun über seinen Tisch.
Das DESY gibt sich auf Anfrage ahnungslos, wie es zu dem Millionen-Segen kam: "Wie genau die Entscheidung im Haushaltsausschuss zur Unterstützung DESYs zustande kam, entzieht sich unserer Kenntnis." Man habe kurzfristig nach der Abstimmung von den Ergebnissen erfahren.
Willner, Falko und Denny Droßmann geben auf Anfrage an, nicht mit Kahrs über die Fördergelder gesprochen zu haben oder nicht zu wissen, wie die Entscheidung zustande kam.
Auf die Frage, ob das DESY ein Interessenkonflikt darin sieht, dass Johannes Kahrs maßgeblich daran beteiligt war, insgesamt mehr als 200 Millionen Euro für ein Institut zu beschaffen, an dem Vertraute von ihm arbeiten, antwortet eine Pressesprecherin des DESY: "Entscheidungen des Haushaltsausschusses werden von einer politischen Mehrheit getroffen, nicht wie in der Frage dargestellt, von Einzelpersonen." In den Pressemitteilungen zu den Sondermitteln kam allerdings immer nur Johannes Kahrs zu Wort.
Das Ende des Einflusses?
Unerwartet kommt im Jahr 2020 das politische Aus von Johannes Kahrs. Seine Fraktion im Bundestag versagt ihm den angestrebten Posten als Wehrbeauftragter. Zudem gibt es Berichterstattung über ihn im Zusammenhang mit der Steuerklau-Affäre "Cum-Ex". Im Mai tritt er von allen Posten zurück und verlässt den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2021 gewinnt Falko Droßmann das Direktmandat in Hamburg-Mitte von seinem Trauzeugen Kahrs.
Derweil steigen die drei Männer beim DESY weiter auf. Inzwischen ist Denny Droßmann gemeinsam mit Arik Willner Geschäftsführer bei den Start-Up Labs Bahrenfeld. Piekatz leitet eine Lenkungsgruppe für Bauprojekte. "Wir sind wie eine Art Filter", sagt er. "Wir prüfen Projekte auf Umsetzbarkeit und machen Priorisierungsvorschläge."
Auch Willner hat einen weiteren Posten inne: Er ist Lobbyist für das DESY. Laut Lobbyregister gab die Forschungseinrichtung im Jahr 2020 mindestens 170.000 Euro für Interessenvertretung aus. Es ist gut investiertes Geld. Denn vor wenigen Wochen bewilligte der Haushaltsausschuss zum ersten Mal seit Kahrs' Ausscheiden Sondermittel für das DESY: 40 Millionen Euro. In der Pressemitteilung kommt allerdings kein Bundestagsabgeordneter mehr zu Wort.
Und was macht Kahrs? Inzwischen ist er mit einer eigenen Firma Unternehmensberater und Lobbyist und verdient gut. Basierend auf dem Geschäftsbericht 2021 schätzt das Unternehmensportal North Data, dass seine Duckdalben Consulting GmbH in dem Jahr 1.9 Millionen Euro Umsatz machte.