Parteizeitungen: Das Wichtigste in Kürze
- CDU, SPD, Grüne, FDP und AfD geben eigene Parteizeitungen bzw. Mitgliedermagazine heraus.
- Unternehmen und Verbände schalteten dort 2018 Anzeigen im Wert von über einer Million Euro.
- Die Einnahmen müssen anders als Parteispenden nicht veröffentlicht werden.
- Anzeigenkunden verfolgen häufig eigene politische Interessen.
- Eine Tabelle mit Anzeigenkunden der Parteien finden Sie unten im Artikel.
Trotz Facebook, Twitter und Newsletter geben die Parteien noch klassische Mitgliederzeitungen heraus. Finanziert werden die meisten dieser Magazine durch Anzeigen (lesen Sie hierzu: Volkswagen, E.ON, DHL: So viel zahlen Lobbyisten für Werbung in Parteizeitungen). Für das Jahr 2018 geht es nach Recherchen von abgeordnetenwatch.de um Werbeplätze im Wert von über eine Million Euro.
Die Anzeigen werden verwaltet durch die Parteien selbst oder von Agenturen, die sich teilweise in Parteibesitz befinden. Anders als bei klassischen Parteispenden müssen Parteien ihre Anzeigen-Einnahmen nicht veröffentlichen. abgeordnetenwatch.de hat die Anzeigen aus dem Jahr 2018 in mehreren Mitgliedermagazinen erfasst und die möglichen Einnahmen anhand der Mediadaten kalkuliert.
Einnahmen durch Anzeigen sind in nur einem Fall öffentlich
Das „C&DU“-Magazin, der „Hessenkurier“ und „Bei uns in NRW“ könnten nach Berechnungen von abgeordnetenwatch.de allein im Jahr 2018 um die 900.000 Euro durch Anzeigen eingetrieben haben. Der „vorwärts“ der SPD kam auf 375.000 Euro. Als einziges Partei-Medium veröffentlicht er eine Liste mit den Einnahmen durch Anzeigen auf seiner Homepage. Beim Magazin der Grünen sind es Anzeigen im Wert von fast 50.000 Euro, für die „fdplus“ lassen sich um die 65.000 Euro nachvollziehen.
Da das FDP-Magazin als E-Paper nicht vollständig gratis einsehbar ist, konnte abgeordnetenwatch.de nicht alle Anzeigen einberechnen. Ein weiteres Problem ist: Auch Mengenrabatte und die Masse an verschiedenen Publikationen von Partei-eigenen Betrieben machen eine genaue Aufstellung von Einnahmen bzw. Umsätzen durch Anzeigen unmöglich.
Zwei Gesprächspartner gaben zudem an, dass Inserate manchmal im Paket verkauft werden, zusammen mit der Anmietung eines Standes auf einem Parteitag. Durch die Beträge lässt sich nur erahnen, was Unternehmen und Verbände die Präsenz in den Zeitschriften kosten kann.
Politische Arbeit und Anzeigenverkauf sind schwer zu trennen
Die Einnahmen aus den Anzeigengeschäften landen in der Regel nicht direkt in den Kassen der Parteien. Häufig sind es Verlage oder Agenturen, die sich darum kümmern, manchmal auch Parteipolitiker:innen selbst oder Mitarbeiter:innen in den Geschäftsstellen der Parteien.
Die Grünen haben die Anzeigenverwaltung an eine Agentur ausgelagert, die Runze & Casper Werbeagentur. Anders ist es bei der CDU in NRW und Hessen: Beim Magazin „Bei uns in NRW“ ist es die Landespartei selbst, die für den Vertrieb der Anzeigen zuständig ist, erfährt abgeordnetenwatch.de auf Nachfrage.
Komplizierter ist es beim „Hessenkurier“. Im Impressum ist Helmut Hehn als für die Anzeigen „verantwortlich“ genannt. Der eigentliche Vertrieb läuft über die Verlags- und Werbegesellschaft für politische Meinungsbildung (ein Unternehmen der CDU) und die BK Kommunikation Verlagsgesellschaft. Deren geschäftsführende Gesellschafterin ist Anemone Bippes, CDU-Politikerin und Beisitzerin in der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU Baden-Württemberg. Die geschäftlichen und politischen Fragen sind in der CDU Hessen und der CDU NRW für Außenstehende nur schwer zu unterscheiden, weil die Parteien nicht immer die Zuständigkeiten trennen.
Kundschaft mit eigenen politischen Interessen
Der größte Kunde von „Bei uns in NRW“ ist die Deutsche Automatenwirtschaft, die mit Ausnahme des Magazins der Grünen in allen Parteizeitungen wirbt. Überparteilich präsent ist auch die Volkswagen AG. Der Gesamtwert ihrer Anzeigen liegt bei gut 100.000 Euro, aufgeteilt auf die Magazine „C&DU“, „vorwärts“ und „fdplus“. Im Landesmagazin der CDU Hessen sind viele lokal ansässige Betriebe (z.B. die Schwälbchen Molkerei AG) und auch die Finanzindustrie (Commerzbank, Deutsche Börse, Bankhaus Metzler) vertreten.