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Psychotherapie ist existenziell bedroht-was werden Sie tun?

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Annemarie Wolff
SPD
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Frage von Laila G. •

Psychotherapie ist existenziell bedroht-was werden Sie tun?

Sehr geehrte Frau Wolf, die beispiellose Honorarkürzung der Psychotherapeuten, der am geringsten verdienenden Facharztgruppe, hat zahllose Demos und Petitionen ausgelöst,auf die CDU und SPD kaum reagierten. Fr Warkens aktuelle Pläne bedeuten für mich als ärztliche Psychotherapeutin zusätzlich: Kürzung von Zuschlägen und durch Kopplung von Ausgaben an Einnahmen eine faktische Budgetierung. Gleichzeitig funktioniert die Ausgabenseite weiter nach dem Prinzip der freien Marktwirtschaft. Absehbar verdienen Psychotherapeuten dann 20-30% weniger als vor einem Monat und werden faktisch auf PKV oder Selbstzahler gehen oder aufgeben müssen, auch ich zahle eine Kredit ab und bin ernsthaft existenziell bedroht. Die Versorgung der Patienten wird einbrechen und chronifizierte psych. Erkrankungen werden später viel viel teurer. GKV Beiträge für mich und Angestellte steigt parallel.. Dabei wollte die Koalition doch psych. Versorgung verbessern, statt zerstören. Werden Sie mit uns ins Gespräch gehen?

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Antwort von SPD

Guten Tag. L. G.,

vielen Dank für Ihre Anfrage, in der Sie uns die Auswirkungen des Beschlusses des erweiterten Bewertungsausschusses auf die psychotherapeutische Versorgung eindringlich und nachvollziehbar schildern.

Die von Ihnen beschriebenen Entwicklungen in der Vergütung der psychotherapeutischen Versorgung nehmen wir als SPD-Fraktion Brandenburg sehr ernst. Dies betrifft zum einen die wirtschaftliche Lage der Behandelnden, aber vor allem auch die Versorgung der Patientinnen und Patienten im Land Brandenburg.

Es ist unbestritten, dass psychische Erkrankungen zunehmen und die Versorgungsstrukturen vielerorts bereits an ihre Grenzen stoßen. Vor diesem Hintergrund müssen Reformen im Gesundheitswesen, das unbestritten vor erheblichen finanziellen Herausforderungen steht, besonders sorgfältig abgewogen werden. Maßnahmen, die zu einer spürbaren Verschlechterung der ambulanten Versorgung führen könnten, sehen wir aber kritisch.

Im Einzelnen heißt das für uns, dass Reformen nicht dazu führen dürfen, dass einzelne Fachgruppen unverhältnismäßig belastet werden. Gerade die geplante Absenkung der Vergütung psychotherapeutischer Leistungen gefährdet aus unserer Sicht die Versorgungssicherheit. Dies betrifft im Besonderen ein Flächenland wie das Land Brandenburg, wo es bereits heute Wartezeiten und eine hohe Nachfrage nach Therapieplätzen gibt.

Unsere Gespräche mit Brandenburgs Gesundheits- und Sozialministers René Wilke zeigen uns ausdrücklich, dass er unsere Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen des Beschlusses des erweiterten Bewertungsausschusses auf die psychotherapeutische Versorgung teilt. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir als SPD-Fraktion ausdrücklich die Initiative von Minister Wilke vom April 2026. Hier hat er eindringlich in einem Schreiben an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken auf die negativen Folgen der Umsetzung des Beschlusses des erweiterten Bewertungsausschusses auf die psychotherapeutische Versorgung im Land Brandenburg hingewiesen. Wir haben volles Vertrauen in sein Engagement und seine Vermittlung gegenüber dem Bund, im Besonderen gegenüber dem zuständigen Bundesministerium.

Zugleich suchen wir bereits seit Wochen gemeinsam mit unserer gesundheitspolitischen Sprecherin Dr. Jouleen Gruhn aktiv den Austausch mit Betroffenen und Akteurinnen und Akteuren aus dem Gesundheitsbereich, um Lösungen für eine verlässliche psychotherapeutische Versorgung in Brandenburg zu unterstützen. Dies bieten wir auch Ihnen gern auf diesem Weg an.

Für uns ist klar: Eine gute und erreichbare psychotherapeutische Versorgung muss auch künftig gesichert bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

Annemarie Wolff (MdL)

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