Sehr geehrter Herr Frank, Wie stehen Sie zur integrativen Medizin und insbesondere zur Homöopathie?
In letzter Zeit ist viel über die integrative Medizin – und insbesondere über die Homöopathie – gestritten worden, sowohl im Bund als auch im Land. Leider wurden dabei die Grenzen der serilösen sachlichen Diskussion gerade von Ihrer Partei nicht immer eingehalten, was sich in den aktuellen Umfrageergebnissen wiederspiegelt.
Die Frage, welche Therapiemethoden zugänglich sind und wie weit ärztliche Therapiefreiheit reicht, ist für jede Bürgerin und jeden Bürger von großer Bedeutung.
Deshalb frage ich Sie im Namen vieler Patientinnen und Patienten:
Wie stehen Sie zur integrativen Medizin, also zur Einbeziehung von Ganzheitsmedizin, Naturheilverfahren und Homöopathie in die medizinische Versorgungslandschaft – statt einer einseitigen Deutungshoheit durch nur eine medizinische Richtung?
Sehr geehrter Herr D.
vielen Dank für Ihre Frage und Ihr Interesse an einem Thema, das in der Tat viele Menschen bewegt. Ich weiß Ihre Sorge und Ihr Engagement für eine menschliche und verantwortungsvolle Medizin sehr zu schätzen.
Als Arzt und Befürworter der evidenzbasierten Medizin halte ich es für zentral, dass medizinische Entscheidungen und Therapien auf nachvollziehbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen – also auf Wirksamkeitsnachweisen, die unter kontrollierten Bedingungen geprüft wurden. Nur so können wir Patientinnen und Patienten zuverlässig schützen und bestmögliche Behandlungsergebnisse erzielen.
Unter „integrativer Medizin“ verstehe ich grundsätzlich den Anspruch, Menschen ganzheitlich zu behandeln – körperlich, seelisch und sozial. Diesem Ansatz kann ich voll zustimmen, sofern eingesetzte Verfahren wirksam und sicher sind. Naturheilverfahren, Physiotherapie, Psychotherapie oder achtsamkeitsbasierte Methoden können, wenn ihr Nutzen belegt ist, eine wertvolle Ergänzung zur klassischen Schulmedizin darstellen.
Bei der Homöopathie hingegen fehlen belastbare Belege über einen über den Placeboeffekt hinausgehenden Nutzen. Daher halte ich sie nicht für Teil einer wissenschaftlich fundierten Medizin und sehe sie folglich kritisch – gerade, wenn sie mit öffentlichen Mitteln erstattet oder als gleichwertige Therapieform dargestellt wird.
Ärztinnen und Ärzte haben selbstverständlich Therapiefreiheit, doch Verantwortung verlangt, dass Entscheidungen auf überprüfbaren Daten beruhen.
Mir liegt eine Medizin am Herzen, die menschlich ist – aber zugleich ehrlich zu ihren Patientinnen und Patienten. Das bedeutet: Wir dürfen keine Wirksamkeit versprechen, wo sie nicht nachweisbar ist, und sollten in Forschung und Versorgung dort investieren, wo Evidenz den größten Nutzen erwarten lässt.
Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Paul Frank
SPD-Kandidat für den Wahlkreis Ravensburg/Tettnang zum Landtag Baden-Württemberg
