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Sind Sie für oder gegen die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung und warum?

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Frage von Thomas W. •

Sind Sie für oder gegen die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung und warum?

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Antwort von SPD

Sehr geehrte Herr W.,

vielen Dank für Ihre Frage.

Ich bin gegen eine automatische Kopplung des Renteneintrittsalters an die allgemeine Lebenserwartung. Ein solcher Automatismus klingt auf den ersten Blick technisch nachvollziehbar, wird der Lebenswirklichkeit vieler Menschen aber nicht gerecht.

Die Lebenserwartung ist ein Durchschnittswert. Sie sagt wenig darüber aus, wie belastend ein Berufsleben war, ob jemand körperlich schwer gearbeitet hat, mit 16, 18 oder 20 Jahren ins Berufsleben eingestiegen ist oder erst nach Ausbildung und Studium deutlich später. Genau darauf hat auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig aktuell hingewiesen: Entscheidend dürfe nicht allein ein statistischer Durchschnitt sein, sondern die Frage, wie lange Menschen tatsächlich gearbeitet und in die Rentenversicherung eingezahlt haben.

Aus meiner Sicht ist das eine Frage von Respekt und Gerechtigkeit. Wer 45 Jahre oder länger gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, muss weiterhin die Möglichkeit haben, ohne Abschläge in Rente zu gehen. Es wäre falsch, diesen Menschen pauschal zu sagen: Ihr müsst noch länger arbeiten, nur weil die durchschnittliche Lebenserwartung steigt.

Hinzu kommt: Gerade in Ostdeutschland sind viele Menschen besonders stark auf die gesetzliche Rente angewiesen. Viele haben keine hohen Betriebsrenten oder großen privaten Rücklagen. Deshalb braucht es eine verlässliche gesetzliche Rente und keine Rentenkürzung durch die Hintertür über ein immer weiter steigendes Renteneintrittsalter.

Ja, die Rente muss auch künftig solide finanziert werden. Dafür brauchen wir aber gerechtere Lösungen: eine stärkere Beschäftigung, gute Löhne, Tarifbindung und eine breitere Finanzierungsbasis. Auch die Frage, wer in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, muss aus meiner Sicht stärker diskutiert werden.

Kurz gesagt: Ich lehne eine automatische Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung ab. Entscheidend sollten die Lebensleistung, die Beitragsjahre und die tatsächlichen Arbeitsbedingungen der Menschen sein.

Mit freundlichen Grüßen
Dirk Stamer

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