Guten Tag Frau Reichinnek, Wie plant die Linke, den Zusammenbruch einer ganzen Generation zu verhindern?
Es verunsichert mich, in den sozialen Medien auf fast schon grausame Art und Weise zu lesen, wie man als Gesellschaft immer weiter auf einen Abgrund zuläuft und zu wissen, dass es die Seite gibt, die irgendwie versucht die andere Seite davon abzuhalten unsere Heimat aufzugeben und sich ihrer Wut vollends hinzugeben. Ich bin 26 und ich fühle mich als normaler Bürger schon beinahe dazu verpflichtet, eine Generation zusammenzuhalten, die mit etlichen Krisen konfrontiert ist, aber die nicht das Gefühl bekommt, gesehen und gehört zu werden. Man lässt uns mit unseren Ängsten und Unsicherheiten alleine. Ich frage mich, wieso man nicht dazu bereit ist, im Bundestag klarzustellen dass gerade meine Generation als Spielball missbraucht wird und wir krampfhaft darauf hoffen das man uns endlich das zurück gibt, das wir und auch andere Generationen verdient haben. Sicherheit, finanzielle Entlastung und ein Leben in Würde. Ich wünsche mir, dass man endlich handelt und unsere Anliegen anhört.
Guten Tag E.V.,
vielen Dank für Ihre offene Nachricht. Ich glaube, viele junge Menschen teilen dieses Gefühl und den Eindruck, mit Krisen und Zukunftsängsten oft allein gelassen zu werden. Wir versuchen als Linke, die Hoffnung nicht aufzugeben, sondern zu organisieren. Denn gesellschaftliche Spaltung, soziale Unsicherheit und das Gefühl, nicht gehört zu werden, nehmen derzeit tatsächlich massiv zu. Umso wichtiger ist es aus unserer Sicht, für die eigenen Werte einzustehen und sich nicht in Resignation zurückzuziehen.
Am besten funktioniert das meiner Erfahrung nach gemeinsam mit anderen. Sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun – ob in politischen Gruppen (z.B. bei der Linken vor Ort), in anderen Ehrenämtern oder auch mit dem direkten persönlichen Umfeld – hilft dabei, sich weniger allein und ohnmächtig zu fühlen und gemeinsam etwas bewegen zu können; zusammen ist man immer stärker als allein.
Gleichzeitig braucht es natürlich auch konkrete politische Veränderungen: bezahlbares Wohnen, sichere Arbeit, soziale Absicherung, Investitionen in Bildung und Infrastruktur und eine Politik, die Menschen nicht gegeneinander ausspielt. Viele junge Menschen haben heute das Gefühl, ständig Krisen verwalten zu müssen, ohne echte Perspektiven zu bekommen. Das dürfen wir nicht einfach hinnehmen. Dafür setzen wir als Linke uns sowohl innerhalb als auch außerhalb der Parlamente täglich ein.
Herzliche Grüße
Heidi Reichinnek
