Warum genau sollen Kryptowerte zusätzlich besteuert werden? Ich empfinde das als krassen Angriff auf die normalen Sparenenden aller Klassen.
Ich beziehe mich auf Ihre Aussage, dass Sie es "nicht argumentierbar" finden, dass eine Einkommenssteuer erhoben wird auf "ganz normale Arbeit, die jeder verrichtet" und auf "Kryptowerte eben nicht".
Von welchem Geld glauben Sie denn, dass diese Kryptowerte bezahlt wurden, die Sie gerne zusätzlich besteuern möchten? Selbstverständlich ist das mein mit meiner ganz normalen Arbeit erwirtschafteter Überschuss, den ich ja bereits mit meiner Einkommenssteuer versteuert habe. Ein anderes Geld steht mir zum Sparen nicht zur Verfügung. Wieso genau wollen Sie mich jetzt im Falle eines Gewinnes zusätzlich besteuern?
Jeder Mensch kann unabhängig seines oder ihres Einkommens in Bitcoin sparen. Meiner Meinung nach ist das sogar eines der werthaltigsten Investments die gerade Menschen aus niedrigeren Einkommensschichten zugänglich ist.
Bitte beachten / recherchieren Sie ausserdem einmal den Unterschied zwischen "Krypto" und Bitcoin. Als Linke sollten Sie eigentlich extrem Pro Bitcoin sein!!
Sehr geehrte:r Jan K.,
vielen Dank für Ihre Nachricht.
Grundsätzlich vertrete ich die Auffassung, dass Gewinne aus Krypto genauso versteuert werden sollten, wie Gewinne aus Aktien. Um das klarzustellen: Nicht ihr bereits versteuertes Einkommen, dass Sie in Krypto investieren würde damit versteuert, sondern die Gewinne, die Sie mit den Investitionen machen. Gewinne bzw. Erträge sind ein zusätzliches Einkommen. Auf ein solches Einkommen keine Steuern zu bezahlen, während Einkommen aus Erwerbsarbeit hoch versteuert wird, ist aus unserer Sicht eine Ungerechtigkeit, die es zu beseitigen gilt. Daher fordern wir als Linke die Streichung der Haltefrist.
Ich begrüße daher die Vorstöße der Bundesregierung, die Besteuerung von Kryptowerten anpassen zu wollen und damit mehr Steuergerechtigkeit herzustellen. Deutschland hat mit der Haltefrist im Gegensatz zu vielen anderen EU-Ländern große Steuervorteile für Kryptoanleger:innen, wie Sie wissen. Damit bestreitet Deutschland einen Sonderweg gegenüber der Mehrheit der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, die Gewinne aus Kryptoassets wie reguläre Kapitalerträge besteuern.
Im Jahr 2024 wurden laut der „Krypto-Steuer-Studie 2025” der Plattform Blockpit rund 47,3 Milliarden Euro Krypto-Gewinne realisiert. Das entspricht einem Steueraufkommen von etwa 4,2 Milliarden Euro. Steuern, die bislang nicht bzw. nur unzureichend eingezogen werden (hier geht's zur Blockpit-Studie).
Studien zeigen auch, dass von dieser Regelung vor allem Vermögende profitieren. Demnach besitzen die reichsten Teile der Bevölkerung den Großteil der Kryptowerte und erzielen damit auch den größten Anteil der steuerfreien Gewinne. Anders als Sie darstellen, verfügen also Menschen mit geringem Einkommen kaum über solche Vermögenswerte. Die Haltefrist verstärkt somit bestehende Ungleichheiten, statt sie abzubauen.
Außerdem sind Kryptowerte hoch volatil, also ein sehr unsicheres Anlageprodukt. Ich kann Kryptoassets daher nicht zum langfristigen Sparen oder als Altersvorsorge für Menschen mit geringeren Einkommen empfehlen. In Bezug auf eine gerechte Altersvorsorge fordere ich eine armutsfeste, sichere, gesetzliche Rente, in die alle einzahlen. Geringverdienende aufzufordern, ihr weniges verdientes Geld in unsichere Anlageobjekte zu investieren, lehne ich ab. Unsere Forderungen für eine faire und sichere Altersvorsorge finden Sie hier.
Der Kryptomarkt ist allerdings nicht nur ungerecht und riskant für Anleger:innen mit geringem Einkommen, sondern auch höchst intransparent. Davon profitieren Geldwäsche-Netzwerke, die damit unter anderem auch sanktionierten russischen Oligarchen helfen die Sanktionen zu umgehen. Die Financial Times hat dazu einen spannenden Artikel veröffentlicht (https://www.ft.com/content/a61e692d-213e-4089-a36a-32fc17e148fb?syn-25a6b1a6=1).
Bereits im November 2025 hat sich meine Fraktion deshalb für die Abschaffung der Haltefrist von Kryptowerten eingesetzt (https://dserver.bundestag.de/btd/21/026/2102631.pdf). Ich sehe es daher als Erfolg unserer Arbeit, dass sich nun auch die SPD für die Abschaffung dieses ungerechten Steuervorteils ausgesprochen hat. Jetzt muss die Bundesregierung konkrete Pläne vorlegen.
Mit freundlichen Grüßen
Isabelle Vandre
