Die Rente soll an die Lebenserwartung des Bürgers gekoppelt werden. Weitere Belastungen für das Gesundheitswesen. Wie stehen Sie zu den Beschlüssen des Herrn Merz?
Sehr geehrte Frau L.,
vielen Dank für Ihre Frage und Ihr Interesse an Politik insgesamt. Ich finde es gut, dass Sie Fragen stellen und die Positionen der Abgeordneten erfahren wollen, die Sie vertreten.
Zunächst will ich aber darauf hinweisen, dass es hier nicht um Beschlüsse des Herrn Merz geht. Wir leben nicht in einer Diktatur, deshalb sind es auch nicht die Beschlüsse unseres Bundeskanzlers, sondern derzeit werden Beschlüsse diskutiert, die die Parteispitzen von CDU, CSU und SPD verhandelt haben. Somit sind drei Parteien daran beteiligt und im weiteren parlamentarischen Verfahren müssen diese Beschlüsse noch genauer formuliert werden, von der Fraktionen im Bundestag und ihren Abgeordneten. Ob es dann bei diesen Beschlüssen bleibt oder sich noch Veränderungen ergeben werden, bleibt abzuwarten. Deshalb ist eine Bewertung in der derzeitigen Phase nicht ganz einfach.
Ganz generell bin ich der Auffassung, dass wir in unserem Land einiges verändern müssen, um unseren Wohlstand auch in Zukunft zu sichern. Solche Reformen schaffen immer Unruhe. Menschen fragen sich, ob die Ziele erreicht werden, ob sie stärkeren Belastungen ausgesetzt werden oder sie finden einzelne Beschlüsse nicht richtig. Es allen recht zu tun, ist eine Kunst, die niemand kann. Noch schlimmer allerdings wäre es, nicht zu tun.
Zum Wohlstand gehört meiner Meinung nach auch, dass Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, nach dem Arbeitsleben im Alter mehr zur Verfügung haben als nur das Existenzminimum. Letztlich kann auf Rentnerinnen und Rentner nur verteilt werden, was zuvor erwirtschaftet worden ist und was zu dieser Zeit (siehe Rente als Umlagesystem) aktuell erwirtschaftet wird. Wenn wir gleichzeitig in der glücklichen Lage sind, dass mehr Menschen älter werden als früher, müssen wir uns also auch Gedanken machen, wie wir mehr erwirtschaften, damit es sozial verträglich für alle ehemalige Erwerbstätige reicht. Es ist daher absolut nachvollziehbar, über eine längere Lebensarbeitszeit nachzudenken. Wer das nicht tut, muss erklären, wie er mehr Menschen mit mehr Lebensjahren in der Nichterwerbstätigkeit versorgen will, und zwar nicht nur mit dem Existenzminimum. Es wird auch in Zukunft Berufe geben, in denen Menschen aus gesundheitlichen Gründen allenfalls 45 Rentenversicherungsjahre arbeiten können. In der Rente solidarisch sein bedeutet auch, diese Menschen nicht allein zu lassen, sondern weiterhin eine bessere Versorgung zu geben als nur das Existenzminimum. Gleichzeitig wissen wir bereits heute, dass in verschiedenen Berufen Erwerbstätige auch deutlich mehr als 45 Jahre arbeiten können und viele dazu auch bereit. Zur gestiegenen Lebenserwartung gehört nicht nur, dass die Menschen länger leben, sondern viele deutlich fitter sind als vergleichbare Altersgruppen früherer Generationen. Deshalb ist es im Sinne aller, die Lebensarbeitszeit für die Menschen, die weiterhin arbeiten können, an diese geänderten Umstände anzupassen.
Sehr geehrte Frau L., ich hoffe, ich konnte Ihre Frage zur Koppelung in Sachen Rente und Lebenserwartung zu Ihrer Zufriedenheit beantworten. Um auf Ihren Punkt zu Belastungen im Gesundheitswesen antworten zu können, bin ich für konkrete Punkte, die Sie besonders beschäftigen, dankbar. Ich biete Ihnen gerne an, die weitere Diskussion persönlich fortzuführen und lade Sie herzlich zu einer Bürgersprechstunde in meinem Abgeordnetenbüro ein. Bitte vereinbaren Sie mit meinem Team einen Termin.
Ihnen alles Gute und Danke für Ihre Frage.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Landtagsabgeordneter Michael Hofmann
