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Sind Sie für oder gegen die Kopplung des Renteineintrittsalters?

Özlem Demirel
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Die Linke
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Frage von Claudia F. •

Sind Sie für oder gegen die Kopplung des Renteineintrittsalters?

Özlem Demirel
Antwort von Die Linke

Liebe Frau F.

vielen Dank für Ihre Frage.

Die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung halte ich für eine weitere Scheinlösung, die die eigentlichen Probleme unseres Rentensystems nicht angeht. Statt die strukturellen Ursachen zu beseitigen, wird die Verantwortung erneut auf die Beschäftigten verlagert. Es muss um eine gute und verlässliche Rente für alle gehen. Sowohl die Rentenreformen im Zuge der Agenda 2010 als auch die aktuell diskutierten Reformen stellen aus unserer Sicht einen direkten Angriff auf die gesetzliche Rente dar und kommen faktisch einer Rentenkürzung gleich. Das lehnen wir entschieden ab.

Eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung ist sozial ungerecht. Die Lebenserwartung ist nicht für alle Menschen gleich, sondern hängt unter anderem eng mit dem sozioökonomischen Status und den Arbeitsbedingungen zusammen. Wer körperlich schwer arbeitet oder dauerhaft belastenden Arbeitsbedingungen ausgesetzt ist, hat im Durchschnitt eine geringere Lebenserwartung und erreicht das Rentenalter häufig mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen. Gerade diese Menschen können oft nicht bis ins hohe Alter arbeiten. Eine Kopplung an die durchschnittliche Lebenserwartung würde sie daher besonders hart treffen. Schon heute müssen viele Beschäftigte aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand gehen und lebenslange Rentenabschläge hinnehmen. Eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters würde dieses Problem weiter verschärfen.

Statt die Menschen immer länger arbeiten zu lassen, brauchen wir eine gerechte und solidarische Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung. Wir als Die Linke fordern, das gesetzliche Rentenniveau wieder auf 53 Prozent anzuheben. Beschäftigte sollen ab dem 65. Lebensjahr abschlagsfrei in Rente gehen können, ebenso nach 40 Beitragsjahren bereits ab dem 60. Lebensjahr. Arbeiten bis zum Umfallen darf keine Perspektive sein. Deshalb lehnen wir jede weitere Anhebung der Regelaltersgrenze ab.

Niemand sollte sich nach einem langen Arbeitsleben Sorgen machen müssen, ob das Geld am Ende des Monats noch für den Wocheneinkauf reicht. Deshalb setzen wir uns für eine solidarische Mindestrente von 1.400 Euro ein. Gleichzeitig muss der Niedriglohnsektor überwunden werden, denn nur gute Löhne führen langfristig auch zu guten Renten. Zudem wollen wir den Zugang zur Erwerbsminderungsrente erleichtern und die Rentenabschläge vollständig abschaffen. Wer durch seine Arbeit krank wird, darf nicht zusätzlich mit einer dauerhaft gekürzten Rente bestraft werden.

Zu einer solidarischen Rentenversicherung gehört außerdem, dass künftig alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, auch Beamte, Abgeordnete und Selbstständige. Eine echte Solidargemeinschaft lebt davon, dass alle entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit zum Gemeinwesen beitragen. Nur so lässt sich die gesetzliche Rente langfristig stabilisieren, ohne die soziale Gerechtigkeit weiter auszuhöhlen.

Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen im Alter Flaschen sammeln müssen, um über die Runden zu kommen. Für gute Renten braucht es in erster Linie gute Löhne. Die Ausweitung des Niedriglohnsektors und die Deregulierungen auf dem Arbeitsmarkt haben wesentlich zur heutigen Situation beigetragen. Deshalb wird Die Linke gemeinsam mit Gewerkschaften und Sozialverbänden gegen die angekündigten Kürzungen im Sozialbereich sowie gegen Verschlechterungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung, der Rente und den Angriffen auf den Achtstundentag Protest organisieren.

Mit freundlichen Grüßen

Özlem Alev Demirel

Mitglied des Europäischen Parlaments

Fraktion The Left 

 

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