Wie stehen Sie zu dem Bürgerbegehren "Bahnhof mit Zukunft" dass den Erhalt von Gleisen des Kopfbahnhofs fordert, damit Stuttgart von viel mehr Zügen angefahren werden kann? Wie geht Verkehrswende?
Bei https://bahnhofmitzukunft.de 23.926 fordern Stuttgarter 2025 den Erhalt von Gleisen des Kopfbahnhofs.
Warum müssen Züge die in Stuttgart beginnen oder enden in den Tunnelbahnhof fahren?
Wie soll wesentlich mehr Personenverkehr als heute auf nur 4 statt 9 Bahnsteigen bewältigt werden? Sind Sie schon mal in Berlin und Hamburg umgestiegen, wenn die Fahrgäste für mehrere stark nachgefragte kurz hintereinander fahrende Züge den Bahnsteig total ausfüllen und dann noch Leute aus dem Zug aussteigen wollen und mit Gepäck oder Fahrrad zu den Abgängen wollen?
Ist für Stuttgart ein leistungsfähiger Kopfbahnhof zusätzlich zu S 21 nicht viel wichtiger, als Bauland genau an dieser Stelle?
Müssen nicht, um die PKW-Fahrer von der Straße auf die Schiene zu bringen viel mehr Züge als heute fahren?
Sollen Sonderzüge nach Stuttgart möglich sein?
Ist es nicht angenehm, wenn Züge länger am Bahnsteig stehen können, da man eher einsteigen kann?
Wie haben Sie sich beim Bürgerbegehren verhalten?
Sehr geehrter Herr S.,
vielen Dank für Ihre fundierten Fragen zur Stuttgarter Schieneninfrastruktur und dem Bürgerbegehren „Bahnhof mit Zukunft“. Sie sprechen damit einen der kritischsten Punkte der baden-württembergischen Verkehrspolitik an.
Als Kandidat des BSW in Baden-Württemberg stehe ich für eine Verkehrspolitik, die auf Leistungsfähigkeit und Nutzbarkeit setzt, statt auf prestigeträchtige Großprojekte, die am Bedarf vorbeigehen. Hier sind meine Antworten auf Ihre Punkte:
1. Zum Erhalt der Kopfbahngleise („Bahnhof mit Zukunft“)
Ich stehe dem Bürgerbegehren sehr offen gegenüber. Das BSW fordert eine Politik der Vernunft. Es ist offensichtlich, dass die Kapazität des neuen Tiefbahnhofs (8 Gleise) im Vergleich zum alten Kopfbahnhof (16 Gleise) ein Nadelöhr darstellt. Wer die Fahrgastzahlen verdoppeln will, kann nicht gleichzeitig die Infrastruktur halbieren. Den Kopfbahnhof als Ergänzung zu erhalten, um Spitzenlasten abzufangen und die Resilienz des Knotens Stuttgart zu stärken, ist ein Gebot der wirtschaftlichen und logistischen Vernunft.
2. Kapazität und Umsteigequalität
Ihre Schilderungen aus Berlin und Hamburg treffen den Kern: Ein moderner Bahnhof muss Massenbewegungen sicher und komfortabel bewältigen. Die Verengung auf wenige Bahnsteige führt bei Verspätungen oder hohem Fahrgastaufkommen unweigerlich zum Chaos. Ein leistungsfähiger Kopfbahnhof bietet hier die nötigen Pufferzeiten („angenehmes Einsteigen“), damit Züge eben nicht sofort das Gleis räumen müssen.
3. Bauland vs. Schiene
Wohnraum ist wichtig, aber die Zerstörung einer lebenswichtigen Verkehrsinfrastruktur für kurzfristige Immobilieninteressen ist kurzsichtig. Einmal abgerissene Gleise kommen nie wieder. Für eine echte Verkehrswende, die Pendler zum Umsteigen vom PKW auf die Schiene bewegt, brauchen wir Zuverlässigkeit und Taktverdichtung. Das geht nur mit ausreichend Bahnsteigen.
4. Sonderzüge und Flexibilität
Ja, Sonderzüge (z.B. für Großveranstaltungen, Fußball oder den Ferienverkehr) müssen möglich sein, ohne den regulären Takt zu sprengen. Ein reiner Durchgangsbahnhof stößt hier schnell an seine Grenzen. Der Erhalt von Kopfbahngleisen sichert diese notwendige Flexibilität.
5. Mein Verhalten beim Bürgerbegehren
Als Vertreter des BSW unterstütze ich das Prinzip der direkten Demokratie. Das Bürgerbegehren zeigt, dass weit über 20.000 Stuttgarter die Sorge teilen, dass die Mobilität der Zukunft hier sprichwörtlich „unter die Räder“ kommt. Ich habe die Unterschriftensammlung mit großem Respekt verfolgt und setze mich dafür ein, dass die Argumente der Initiative im Landtag und im Gemeinderat endlich ernst genommen werden, statt sie als „gestrig“ abzutun.
Fazit:
Die Verkehrswende gelingt nicht durch Rückbau, sondern durch Kapazitätsausbau. Das BSW wird sich im Landtag dafür einsetzen, dass Ideologie durch Ingenieursverstand ersetzt wird. Wir müssen prüfen, wie eine kombinierte Lösung (S21 + Teile des Kopfbahnhofs) technisch und finanziell sinnvoll umsetzbar ist, um den Kollaps des Bahnknotens Stuttgart zu verhindern.
Mit freundlichen Grüßen
Patrick M. Costeira
Landtagskandidat des BSW
