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Wie stehen Sie zur Abrechnung über die Fallpauschale in Krankenhäusern? Würden Sie sie abschaffen wollen, und wenn ja wie würden Sie es umgestalten?

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Raphael Fehlen
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Frage von Maren F. •

Wie stehen Sie zur Abrechnung über die Fallpauschale in Krankenhäusern? Würden Sie sie abschaffen wollen, und wenn ja wie würden Sie es umgestalten?

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Antwort von Volt

Sehr geehrte Frau F.,

vielen Dank für Ihre kritische und hochrelevante Frage zum DRG-System.

Aus meiner täglichen Arbeit weiß ich: Das aktuelle System stößt an seine Grenzen. Wenn Krankenhäuser wie Wirtschaftsunternehmen geführt werden müssen, bei denen jeder Handgriff einer Profitabilitätsprüfung unterliegt, um zu überleben, bleiben die Patient:innen oft auf der Strecke.

Meine Position zur Umgestaltung und Effizienzsteigerung:

Abkehr vom reinen Fallzahl-Denken: Ich setze mich für eine starke Vorhaltefinanzierung ein. Krankenhäuser müssen dafür bezahlt werden, dass sie Kapazitäten, Personal und Expertise bereitstellen, nicht nur dafür, wie viele Patient:innen sie „durchschleusen“. Das nimmt den wirtschaftlichen Druck.

Einsparpotenziale durch Digitalisierung: Echte Digitalisierung bedeutet mehr als nur das Scannen von PDFs. Durch moderne Lösungen wie den Master Patient Index (MPI) können wir Doppeluntersuchungen vermeiden und die Kommunikation zwischen Klinik und Hausarzt medienbruchfrei gestalten. Das spart enorme Kosten und wertvolle Zeit für das Personal.

Konsequenter Abbau von Bürokratie: Aktuell verbringen Fachkräfte zu viel ihrer Zeit mit Dokumentation. Wir müssen administrative Prozesse automatisieren und verschlanken, damit die Arbeit am Menschen wieder im Mittelpunkt steht, das ist die effektivste Maßnahme gegen den Fachkräftemangel.

ESG-Strategien als Standard: Angesichts steigender Kosten müssen wir auch ökologische und soziale Nachhaltigkeit nutzen. Energetische Gebäudesanierung senkt die Betriebskosten massiv, während gute Arbeitsbedingungen die Fluktuation verringern und teure Leiharbeit überflüssig machen.

Investitionsstau Auflösen: Die Bundesländer Baden-Württemberg nicht ausgenommen, müssen ihrer gesetzlichen Pflicht zur Finanzierung der Infrastruktur endlich wieder voll nachkommen, damit Kliniken diese Kosten nicht aus anderen Töpfen querfinanzieren müssen.

Der erste Gesundheitsmarkt ist zurecht hochreguliert und sollte immer Effizienz getrieben bleiben um auch Fortschritt zu schaffen. Jedoch ist ein funktionierendes Gesundheitswesen  kein Markt, sondern Teil der Daseinsvorsorge des Staates. Durch den klugen Einsatz von Technik und nachhaltigen Strategien machen wir es zukunftsfest und menschlich.

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