Welchen Stellenwert haben für Volt Berlin Baukultur, historisches Stadtbild und Denkmalschutz – und warum finden sich zu Rekonstruktionen und diesen Themen kaum konkrete Positionen im Wahlprogramm?

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Sascha Hellwig
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Frage von Joshua B. •

Welchen Stellenwert haben für Volt Berlin Baukultur, historisches Stadtbild und Denkmalschutz – und warum finden sich zu Rekonstruktionen und diesen Themen kaum konkrete Positionen im Wahlprogramm?

Sehr geehrter Herr Hellwig,

für meine Wahlentscheidung sind neben Klima, Verkehrswende und Innovation auch Baukultur und Berlins historisches Stadtbild wichtig. Im Volt-Wahlprogramm finde ich dazu kaum Positionen. Mich interessieren daher besonders:

1. Befürwortet Volt die Rekonstruktion der historischen Fassaden von Schinkels Bauakademie?

2. Wie steht Volt am Molkenmarkt zu historischem Stadtgrundriss, einzelnen Rekonstruktionen und traditioneller Architektur?

3. Befürwortet Volt grundsätzlich Rekonstruktionen bedeutender verlorener Berliner Gebäude?

4. Sollte Berlin bei Neubauten stärker gestalterische Qualität, Fassadengliederung, Materialien, Kleinteiligkeit und Schönheit einfordern?

5. Welchen Stellenwert hat Denkmalschutz bei Konflikten mit Klimaschutz?

6. Sollen die historischen Berliner Gaslaternen erhalten werden?

7. Unterstützt Volt die Wiederherstellung historischer Brunnen, Plätze und anderer Stadtbildelemente?

Vielen Dank!

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Antwort von Volt

Eine Arbeitsgruppe von Volt Berlin befasst sich derzeit mit ähnlichen Fragen. Meiner persönlichen Meinung nach sollten Parteien bei Architektur- und Stilfragen zurückhaltend sein. Das ist eher Sache von Wettbewerben, Fachjurys und Bürgerbeteiligung. Der sinnvolle Einfluss von Politik liegt in den Verfahren, der Finanzierung und der Auflösung von Zielkonflikten (Kosten, Klima, Nutzung), nicht in ästhetischen Vorgaben. 

Persönlich würde ich sagen:

Ja zur historischen Fassade der Bauakademie, mit Augenmaß. Wichtig sind nun klare Zeitpläne ohne weitere Verzögerungen, aber auch eine zeitgemäße und nachhaltige innere Gestaltung.

Ja zum historischen Stadtgrundriss am Molkenmarkt, mit einzelnen Rekonstruktionen ohne komplette Kopie alter Fassaden.

Rekonstruktionen allgemein nur bei wesentlicher städtebaulicher Bedeutung des verlorenen Ortes und vorzugsweise in Zusammenhang mit zivilgesellschaftlicher Förderung.

Gestaltungsstandards machen dort Sinn, wo das Stadtbild auf dem Spiel steht, aber ein bewusst schlankes Regime bei großflächigem Wohnungsbau, damit der "Bauturbo" nicht durch Gestaltungsauflagen ausgebremst wird.

Klimaschutz vs. Denkmalschutz bedarf der Einzelfallabwägung, tendenziell pro energetische Ertüchtigung, außer bei überragendem Denkmalwert. Pragmatische Kompromisse sind technisch möglich (z.B. Innendämmung, dezentrale Wärmepumpen) statt Denkmalschutz als Verhinderungsinstrument.

Erhalt eines repräsentativen Bestands historischer Gaslaternen an bedeutsamen Standorten (Kulturdenkmal-Charakter), aber keine flächendeckende Bewahrung aus reiner Nostalgie. Eine Umrüstung auf LED ist nachhaltig und wirtschaftlich sinnvoll, ohne den historischen Charakter der betreffenden Straßenzüge zu zerstören.

Ja (wie bei Rekonstruktionen), wenn es der Aufenthaltsqualität und dem positiven Stadtbild dient, Finanzierung über Städtebauförderung und private Fördervereine.

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