Wie positionieren Sie sich zu den arbeitsmarktpolitischen Forderungen von Friedrich Merz (Arbeitszeitgesetz, Teilzeit)? Wie vertreten Sie die Interessen der Arbeitnehmer:innen in Ihrem Wahlkreis?
Hintergrund meiner Frage sind die aktuellen Aussagen von Friedrich Merz zu längeren Arbeitszeiten, einer Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes sowie Einschränkungen beim Recht auf Teilzeit.
Viele Arbeitnehmer:innen – auch im öffentlichen Dienst – arbeiten bereits heute unter hoher Belastung, Personalmangel und begrenzten Möglichkeiten zu flexiblen Arbeitsmodellen wie Homeoffice.
Ich selbst arbeite in einer unbefristeten Vollzeitstelle im öffentlichen Dienst. Trotz grundsätzlich digital ausführbarer Tätigkeit sind Homeoffice-Möglichkeiten stark eingeschränkt, während die Arbeitslast durch unbesetzte Stellen stetig steigt. Kolleg:innen kündigen, Aufgaben werden umverteilt, gesundheitliche Folgen nehmen zu.
Vor diesem Hintergrund interessiert mich, wie Sie diese Forderungen bewerten und welche Rolle aus Ihrer Sicht Arbeitnehmerrechte, Gesundheitsschutz und Wahlfreiheit bei Arbeitszeitmodellen in Ihrer politischen Arbeit spielen.
Sehr geehrte Frau M.,
vielen Dank für Ihre Frage und dafür, dass Sie Ihre persönliche Situation so offen schildern. Die von Ihnen beschriebenen Belastungen – steigende Arbeitslast, unbesetzte Stellen, eingeschränkte Flexibilität und gesundheitliche Folgen – sind leider in vielen Bereichen des öffentlichen Dienstes Realität.
Gleichzeitig müssen wir uns jedoch auch Folgendes bewusst machen: Deutschland steht arbeitsmarktpolitisch vor tiefgreifenden Veränderungen. Schwaches Wirtschaftswachstum, ein historischer Arbeitskräftemangel und der demografische Wandel zeigen, dass wir unsere Arbeitswelt modernisieren müssen – ohne Menschen zu überfordern. Insofern begrüße ich es, dass Friedrich Merz und die Wirtschaftsunion diese Debatte angestoßen haben. Wir brauchen eine ehrliche Diskussion darüber, wie wir unseren Wohlstand sichern und gleichzeitig gute Arbeitsbedingungen gewährleisten.
Für mich ist dabei entscheidend, dass wir zwei Dinge zusammenbringen: den Schutz der Beschäftigten und die Notwendigkeit, unsere Arbeitswelt an die Realität anzupassen. Teilzeit bleibt wichtig – für Familie, Pflege, Weiterbildung oder gesundheitliche Gründe. Niemand will Teilzeit dort einschränken, wo sie notwendig ist. Aber wir müssen auch anerkennen, dass wir die Arbeitszeit insgesamt nicht immer weiter reduzieren können, wenn gleichzeitig überall Personal fehlt.
Deshalb halte ich mehr Flexibilität für den richtigen Weg. Dazu gehört, über eine wöchentliche, statt tägliche Höchstarbeitszeit zu sprechen, wie sie in vielen europäischen Ländern längst üblich ist. Das schafft Spielräume für Beschäftigte und Betriebe, ohne den Gesundheitsschutz aufzugeben. Ebenso sollten wir prüfen, wie wir Menschen, die heute unfreiwillig in Teilzeit arbeiten, den Weg zurück in Vollzeit erleichtern können.
Ein weiterer Punkt, den Sie ansprechen, ist für mich zentral: Dort, wo Tätigkeiten digital möglich sind, müssen Homeoffice und mobile Arbeit ernsthaft ermöglicht werden. Gerade im öffentlichen Dienst gibt es hier erheblichen Nachholbedarf. Flexibilität ist kein Luxus, sondern ein Wettbewerbsfaktor – auch für den Staat als Arbeitgeber.
Arbeit ist Teilhabe und Ausdruck von Verantwortung. Sie ist die Grundlage unseres Wohlstands und unserer sozialen Sicherungssysteme. Deshalb ist es unser Auftrag, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Leistung ermöglichen, ohne den Schutz der Beschäftigten zu vernachlässigen. Eine moderne Arbeitswelt braucht beides: Flexibilität und Verlässlichkeit.
Ein technischer Hinweis zum Schluss: Bitte schreiben Sie mir zukünftig direkt über das Kontaktformular des Deutschen Bundestags und nicht über einen nicht öffentlichen Drittanbieter. So stellen Sie sicher, dass Ihre Anliegen direkt bei mir und meinem Büro eingehen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Sebastian Schmidt
