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Wie wollen Sie sicherstellen, dass die geplante AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag und die Abschaffung der Telefon-AU psychisch und chronisch erkrankte Menschen nicht zusätzlich belasten?

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Tilman Kuban
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Frage von Sebastian D. •

Wie wollen Sie sicherstellen, dass die geplante AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag und die Abschaffung der Telefon-AU psychisch und chronisch erkrankte Menschen nicht zusätzlich belasten?

Sehr geehrter Herr Kuban,

Ich sehe die geplante Reform mit großer Sorge. Menschen mit psychischen oder chronischen Erkrankungen erleben trotz guter Behandlung immer wieder kurzfristige Phasen, in denen Arbeiten nicht möglich ist. Zusätzliche Hürden könnten dazu führen, dass Betroffene aus Scham, Angst oder Überforderung trotz Erkrankung arbeiten (Präsentismus), anstatt sich krankzumelden.

Zudem erscheint mir die Begründung der Reform nicht eindeutig. Der Anstieg der Krankmeldungen seit 2022 wird nach Einschätzung von Krankenkassen und Fachleuten auch auf die vollständigere Erfassung durch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zurückgeführt. Gleichzeitig liegt Deutschland im OECD-Vergleich bei den krankheitsbedingten Fehlzeiten nicht an der Spitze. Vor diesem Hintergrund würde mich interessieren, wie diese Aspekte im Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt werden und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse den geplanten Maßnahmen zugrunde liegen.

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Antwort von CDU

Sehr geehrter Herr D.,

vielen Dank für Ihre Frage. Mir ist wichtig zu betonen, dass Menschen mit psychischen oder chronischen Erkrankungen durch die geplanten Änderungen nicht benachteiligt werden soll. Wer krank ist, soll selbstverständlich zu Hause bleiben und Anspruch auf eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung haben.

Gleichzeitig stehen wir aktuell vor einem sehr hohen Krankenstand und stark gestiegenen Kosten der Entgeltfortzahlung, die sich 2024 nach Schätzungen auf rund 82 Milliarden Euro beliefen. Vor diesem Hintergrund müssen wir prüfen, ob die bestehenden Regelungen noch angemessen sind und mögliche Fehlanreize frühzeitig adressieren, bevor sie sich verfestigen. Schließlich ist eine Krankschreibung die Grundlage für die Lohnfortzahlung und hat unmittelbare Auswirkungen auf Betriebe, Arbeitsabläufe und Kolleginnen und Kollegen.

Mir ist bewusst, dass es Bedenken gibt, wonach eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag zu einer stärkeren Belastung der Arztpraxen führen könnte. Diese Hinweise werden wir im weiteren Gesetzgebungsverfahren sorgfältig abwägen. Dabei wird es unser Anspruch sein, notwendige Maßnahmen gegen Fehlanreize so auszugestalten, dass Menschen mit psychischen oder chronischen Erkrankungen weiterhin die medizinische Versorgung und Unterstützung erhalten, die sie benötigen.

Mit freundlichen Grüßen

Tilman Kuban

 

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