Befürworten Sie eine automatische Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung – ja oder nein? Falls ja, warum?
Sehr geehrter Herr Korth,
die Bundesregierung diskutiert derzeit eine stärkere Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung. Laut ARD-DeutschlandTrend lehnt eine Mehrheit der Bevölkerung diesen Automatismus ab.
Als Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalen interessiert mich Ihre persönliche Position sowie die Haltung Ihrer Partei zu diesem Thema. Auch wenn die Gesetzgebung im Bund erfolgt, beeinflussen Landespolitiker die innerparteiliche Willensbildung und die öffentliche Debatte.
Falls Sie eine automatische Kopplung befürworten, wie bewerten Sie die Auswirkungen auf Menschen mit körperlich belastenden Berufen oder gesundheitlichen Einschränkungen? Falls nicht, welche Alternativen unterstützen Sie?
Quellen:
ZDF-Liveblog (2./3. Juli)
ARD-DeutschlandTrend (3. Juli)
Euronews (2. Juli)
Sehr geehrte Frau B.,
vielen Dank für Ihre Frage zur Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung.
Die Zuständigkeit für die gesetzliche Rente ist klar auf der Bundesebene verortet. Als nordrhein-westfälischer Landtagsabgeordneter liegt das Thema demnach nicht im Rahmen meiner Zuständigkeiten. Gerne schildere ich Ihnen dennoch meine Sicht auf die Reformvorschläge.
Ich unterstütze die Empfehlung der Rentenkommission, das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise an die steigende Lebenserwartung zu koppeln.
Die Rentenkommission hat bewusst unterschiedliche Perspektiven einbezogen: Gewerkschaften, Arbeitgeber, Mittelstand, Handwerk, Sozialverbände, wissenschaftliche Expertise und insbesondere auch die junge Generation. Herausgekommen ist ein Kompromiss, der die Realität ernst nimmt und auf den sich bereits heute eine breite Mehrheit im Land stützen kann.
Wir stehen vor der Herausforderung einer alternden Gesellschaft. Immer mehr Rentnerinnen und Rentner stehen deutlich weniger Beitragszahlern gegenüber. In einem umlagefinanzierten System bedeutet das: Entweder steigen die Beiträge immer weiter, das Rentenniveau sinkt, oder der Steuerzuschuss explodiert – alles zulasten der jüngeren Generation und der Leistungsfähigkeit unseres Standortes.
Eine schrittweise und planbare Anpassung der Regelaltersgrenze an die Lebenserwartung sorgt dafür, dass die Lasten fairer verteilt werden. Wer länger durchschnittlich eine Rente bezieht, leistet auch etwas länger Beiträge. Das schützt Jüngere davor, allein die Kosten des demografischen Wandels tragen zu müssen.
Entscheidend ist für mich aber vor allem das Gesamtpaket der Reform. Ziel ist nicht, Renten zu kürzen, sondern das Rentensystem verlässlich, finanzierbar und planbar zu machen. Durch die Kombination aus Kopplung an die Lebenserwartung, einer kapitalgedeckten Zusatzrente und weitere Maßnahmen nimmt der Bund langfristig Druck aus dem System.
Mit freundlichen Grüßen
Wilhelm Korth
