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Werden Sie sich für ein Ersatzstimmrecht für die Landtagswahlen einsetzen? Sind sie für Bürgerbegehren/Volksentscheide auf Regionalverbandsebene?

Alena Fink-Trauschel
Alena Fink-Trauschel
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Frage von Krischan M. •

Werden Sie sich für ein Ersatzstimmrecht für die Landtagswahlen einsetzen? Sind sie für Bürgerbegehren/Volksentscheide auf Regionalverbandsebene?

1. Erklärung und Argumente für eine Ersatzstimme https://ersatzstimme.wiki/

Es ist die Empfehlung der Wahlkommission: https://www.kas.de/documents/252038/16166715/Ersatzstimme+und+Zweitstimmendeckung.pdf/7576fc57-18d0-978b-e5eb-142ceb2b141d?version=1.0

oder einfacher: https://www.mehr-demokratie.de/presse/einzelansicht-pms/lehren-aus-der-wahl-fachverband-fordert-ersatzstimme-proteststimme-und-automatische-briefwahl

2. Der Landtag könnte möglicherweise durch Änderung des „Zweite Gesetz zur Verwaltungsreform (Regionalverbandsgesetz) vom 26. Juli 1971 (GBl. S. 336)“ oder eines anderen Gesetz die Möglichkeit eines Bürgerbegehren und Volksentscheid in die bisher 12 Regionalverbände einbringen. Es geht dort z. B. in der Region Stuttgart um die Bestellung der S-Bahn Züge im Umfang von 2 Milliarden Euro und Ausbau der S-Bahn-Trassen über mehrere Kommunen. Ein Bürgerentscheid etwa zum Abriss des Kopfbahnhof hätte dort mehr betroffene Menschen eingebunden. Wären sie dafür?

Alena Fink-Trauschel
Antwort von FDP

Sehr geehrter Herr M.,

vielen Dank für Ihre Fragen und die Hinweise auf die vorgeschlagenen Reformen.

Zur Ersatzstimme bei Landtagswahlen:
Das Wahlrecht wurde in Baden-Württemberg erst vor Kurzem geändert. Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, diese Reform zunächst in der Praxis zu beobachten und auszuwerten, bevor bereits die nächste grundlegende Änderung diskutiert wird. Wahlrecht muss verständlich und transparent bleiben. Schon heute empfinden viele Bürgerinnen und Bürger unser Wahlsystem als relativ komplex. Zusätzliche Mechanismen wie eine Ersatzstimme könnten das Verständnis eher erschweren als verbessern. Deshalb halte ich es für richtig, zunächst Erfahrungen mit dem aktuellen System zu sammeln und anschließend auf Grundlage einer Evaluation über mögliche Anpassungen zu sprechen.

Zu Bürgerbegehren und Volksentscheiden auf Ebene der Regionalverbände:
Direkte Demokratie hat in Deutschland vor allem auf kommunaler Ebene eine lange Tradition. Dort betrifft eine Entscheidung unmittelbar die Menschen vor Ort, und dort halte ich Bürgerentscheide auch für sinnvoll verankert.

Eine Ausweitung auf eine zusätzliche Ebene wie Regionalverbände sehe ich hingegen kritisch. Viele Entscheidungen dort – etwa über Verkehrsverbünde, Infrastrukturplanungen oder große Beschaffungen – sind hochkomplex und betreffen langfristige Finanz- und Planungsvorgänge. Solche Fragen eignen sich aus meiner Sicht nur begrenzt für plebiszitäre Entscheidungen. Zudem besteht die Gefahr einer starken Politisierung einzelner Projekte, bei der komplexe Sachfragen stark verkürzt werden. In Deutschland haben wir auch nicht die jahrhundertelange Tradition direkter Demokratie auf mehreren Ebenen wie etwa die Schweiz.

Deshalb halte ich es für sinnvoll, Bürgerentscheide weiterhin auf die kommunale Ebene zu konzentrieren und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass regionale Entscheidungen transparent getroffen und demokratisch durch gewählte Parlamente kontrolliert werden.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Alena Fink-Trauschel MdL

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