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Wer sind die "Faulen" im Land?

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Anne Zerr
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Frage von Matthias J. •

Wer sind die "Faulen" im Land?

Sehr geehrte Frau Zerr,

Leider verengt sich die Diskussion um die "Lifestyle-Teilzeit" auf die Gründe, warum Arbeitnehmer Teilzeit nehmen. Dabei gibt es reihenweise Wohlhabende, die es nicht nötig haben, mehr oder gar überhaupt zu arbeiten. Wer spricht über die Privatiers?

Beispielsweise genügt es in München 3 Durchschnittswohnungen zu vermieten (auf dem Land können es auch schon mal 11 sein, wobei man leichter an 11 Wohnungen auf dem Land kommt als an 3 Wohnungen in München) um daraus ein höheres Einkommen als einen Durchschnittsverdienst zu erzielen. Wobei vom Durchschnittsverdienst noch mehr Sozialabgaben und Steuern abgehen als von Miet- oder sonstigen Kapitaleinnahmen. Wenn man solche Menschen vor die Wahl stellt "Vollzeit oder gar nicht!", wie werden die sich wohl entscheiden? Eigentum verpflichtet. Wie wollen Sie sehr Wohlhabende motivieren, Ihre Arbeitskraft und ihr Vermögen zum Wohl der Gesellschaft einzubringen?

Freundliche Grüße

Matthias J.

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Antwort von Die Linke

Sehr geehrter Herr J.,

wie Sie bereits erkannt haben, verkennt Merz mit seinen populistischen Phrasen klar die Realität der Mehrheit der arbeitenden Menschen. Er greift das Renteneintrittsalter, das Arbeitszeitgesetz, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und nun auch das Recht auf Teilzeit an. Während Pflegekräfte, pädagogische Fachkräfte und Sozialarbeitende, Busfahrer*innen und Verwaltungsbeschäftigte am Limit arbeiten, betreibt er nichts als Politik für die Chefetagen und Superreichen.

Die Menschen in diesem Land sind nicht faul, im Gegenteil: 2024 wurden insgesamt so viele Arbeitsstunden geleistet wie noch nie. Und diese Beschäftigten sind es, die diese Gesellschaft überhaupt erst am Laufen halten. 

Anne Zerr hat erst in diesem Monat eine Schriftliche Frage zum Thema Privatiers in Deutschland gestellt. Sie finden diese in ihrer Gänze unter der Nummer 39 unter folgendem Link: https://dserver.bundestag.de/btd/21/037/2103772.pdf

Hier die Antwort der Bundesregierung:

Das Statistische Bundesamt stellt Daten aus dem Mikrozensus zu Personen, die ihren überwiegenden Lebensunterhalt aus dem eigenen Vermögen, einschließlich Ersparnissen und Zinsen, finanzieren für die Gesamtbevölkerung nach Altersgruppen für die Jahre 2020 bis 2022 unter der Internetadresse https://www.genesis.destatis.de/datenbank/online/url/372bdac8 sowie für die Jahre 2023-2024 unter der Internetadresse https://www.genesis.destatis.de/datenbank/online/url/890b6445 bereit. Für die Jahre 2000 bis 2019 finden sich die Daten in der Anlage. (Anmerkung Anne Zerr: Die von der Bundesregierung gelieferten Links sind nicht abrufbar.)

Der Vergleich der Zeitreihen aus dem Mikrozensus ist auf Grund von Zeitreihenbrüchen in den Jahren 2005, 2011, 2016, 2020 und 2021 nur eingeschränkt möglich. Näheres dazu erläutert das Statistische Bundesamt unter der Internetadresse https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Haushalte-Familien/Methoden/Downloads/mikrozensus-zeitreiheneffekte.pdf?__blob=publicationFile.

Für die aktuellen Ergebnisse ist in diesem Zusammenhang zu beachten, dass die Anpassung der Mikrozensus-Ergebnisse an den Zensus 2022 rückwirkend für alle Jahre ab 2021 erfolgte. Dies erläutert das Statistische Bundesamt unter der Internetadresse https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Haushalte-Familien/Methoden/mikrozensus-2020.html

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