Werden Sie für den Erhalt des SEZ abstimmen?
Guten Tag Frau Kapek,
der SEZ-Bau muss erhalten bleiben. Das SEZ war bis 2024 teilweise in Betrieb. Für mehrere Bereiche besteht Sanierungsbedarf. Die Tragkonstruktion ist hingegen vollständig intakt. Warum sollen bestehende Ressourcen vernichtet werden? Abriss und Neubau sind mit Berlins Klimazielen nicht vereinbar. Friedrichshain hat eine der höchsten Einwohnerdichten europaweit und ist bei der sozialen Infrastruktur unterversorgt. Zusätzlicher Wohnungsbau an dieser Stelle verschärft diese Probleme. Warum wird der Wunsch nach Erhalt des Berliner SEZ ignoriert? Was soll der Abriss des Berliner SEZ kosten? Warum sind diese Kosten nicht längst offengelegt? Warum die Eile beim Abreißen?
Freundliche Grüße,
Margit S.
Guten Tag Margit S.,
herzlichen Dank für Ihre Frage. Das SEZ kenne ich noch aus meiner eigenen Jugend. Die Entwicklung verfolge ich schon allein deshalb bereits seit Jahren mit einem sehr kritischen Blick. Gerade für Menschen, die in Ost-Berlin aufgewachsen sind, hat das SEZ zudem noch einen hohen Identifikationswert. Aber auch heute - in einer Zeit, in der in der gesamten Berliner Innenstadt ein erhebliches Defizit an Sport- und Freizeitflächen besteht, - ist es einmal mehr bedenklich, ein intaktes Gebäude abreißen zu wollen. Gerade in so einem dicht besiedelten Gebiet wie Friedrichshain ist es wichtig, bestehende Orte für Sport, Kultur und Begung zu erhalten.
Wir Grünen kritisieren den Umgang des Senats mit dem SEZ bereits seit Langem. Besonders unverständlich ist, dass sich der Senat bislang einer wirklich offenen und ergebnisoffenen Diskussion über den Erhalt des SEZ entzieht. Die von der WBM vorgelegte Machbarkeitsstudie hat die Option eines Erhalts sowie die Frage, wie sich Wohnungsbau und der Fortbestand des SEZ miteinander verbinden lassen, von vornherein ausgeschlossen. Dies halten ich für einen falschen Ansatz – insbesondere vor dem Hintergrund, dass verschiedene Entwürfe zeigen, dass entsprechende Lösungen durchaus möglich sind. Die Rahmenbedingungen haben sich seit dem Beschluss des Bebauungsplans im Jahr 2018 grundlegend verändert. Hinzu kommt, dass ein Abriss auch aus ökologischer Perspektive sowie mit Blick auf einen sparsamen und verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen nicht vertretbar ist.
Als Grüne setzen wir uns seit Langem für eine neue Machbarkeitsstudie ein, die den Erhalt des SEZ ausdrücklich zum Ziel hat. Bis zu deren Durchführung dürfen keine irreversiblen Entscheidungen getroffen werden. Es ist an der Zeit, neu zu bewerten, welche städtebauliche Lösung den heutigen Anforderungen am besten entspricht.
Am 02.03. findet in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses eine Anhörung zum SEZ statt. Für uns Grüne ist wichtig, dass bis dahin keine weiteren Fakten geschaffen werden und der Abriss nicht weitergeht. So ist völlig unverständlich, warum eine Abrissankündigung eingereicht wurde, bevor die parlamentarische Debatte zum Erhalt des SEZ abgeschlossen ist.
Mit freundlichen Grüßen
Antje Kapek
