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Wie soll es mit der ambulanten Psychotherapie weitergehen?

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David Schliesing
Die Linke
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Frage von Christina S. •

Wie soll es mit der ambulanten Psychotherapie weitergehen?

Sehr geehrter Herr Schliesing,

mein Name ist Christina S. und ich befinde mich derzeit in der Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin.

Nach einem mehrjährigen Studium trage ich die hohen Kosten meiner Weiterbildung selbst und arbeite in der praktischen Tätigkeit derzeit für etwa 1000 Euro monatlich. Vor diesem Hintergrund irritiert mich die geplante Kürzung der Honorare für ambulant tätige Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sehr.

Welches Signal sendet diese Entscheidung an Nachwuchskräfte wie mich? Wie soll unter diesen Bedingungen eine langfristige Perspektive in eigener Praxis entstehen? Und wie soll so die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland gesichert werden?

Mit freundlichen Grüßen

Christina S.

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Antwort von Die Linke

Sehr geehrte Frau S.,

vielen Dank für Ihre völlig berechtigten Fragen. Die geplanten Kürzungen senden ein verheerendes Signal und werden die ohnehin schon schwierige Versorgungssituation weiter verschlechtern. Das muss unbedingt verhindert werden!

Denn der Bedarf an Psychotherapie ist ja in den letzten Jahren in Deutschland, insbesondere vor dem Hintergrund von diversen Krisen, Kriegen und immer stärkerer Belastungen in der Arbeitswelt oder im Bildungsweg, stark gestiegen. So hat sich laut OECD der Anteil an Menschen hierzulande mit unbehandelten psychischen Problemen seit 2021 von vier auf zehn Prozent mehr als verdoppelt. Durch die Absenkung der Honorare für psychotherapeutische Leistungen um 4,5% ab April 2026 sparen die gesetzlichen Krankenkassen nun jedoch genau auf dem Rücken von Menschen, die dringend psychotherapeutische Hilfe benötigen. Das ist inakzeptabel.

Anstatt Bedingungen für langfristige Perspektiven von Berufseinsteiger:innen wie Ihnen zu schaffen, werden künftig nur die Anreize für Psychotherapeut:innen verstärkt, ihre freien Termine noch stärker an Privatversicherte oder Selbstzahler:innen zu geben. Diese Schritte hin zu mehr Zwei-Klassen-Medizin sind schlecht für alle, die es sich nicht leisten können, Therapiestunden einfach aus eigener Tasche zu bezahlen. Bereits jetzt warten Menschen, die sich ja oft in einer akuten Krisensituation befinden, monatelang auf einen ambulanten Therapieplatz – sofern sie überhaupt einen finden.

Allgemein sollte dringend überdacht werden, wie die ohnehin schwierige Versorgungssituation durch strukturelle Maßnahmen verbessert werden kann. Honorarabsenkungen sind hierbei definitiv ein Schritt in die verkehrte Richtung. 

Die Linke fordert eine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung mit Kassensitzen und eine gesonderte Bedarfsplanung für Kinder- und Jugendpsychotherapeut:innen sowie die Finanzierung der Weiterbildung von Psychotherapeut:innen. All das mit dem Ziel, das diejenigen die Termine bekommen, die sie am dringendsten brauchen, unabhängig von ihrem Versicherungsstatus.

Mit freundlichen Grüßen

David Schliesing

 

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