Wie positionieren Sie sich zur ambulanten psychotherapeutischen Versorung in Sachsen-Anhalt u. zu den Folgen des BStabG? Wie möchte sich Ihre Partei für die psychotherapeutische Versorung einsetzen?
Stellungsnahmen KBV, OPK, DPtV
Die psychotherapeutische Versorgung in Sachsen-Anhalt ist bereits heute und seit vielen Jahren angespannt: Patientinnen und Patienten warten im Schnitt sechs bis zwölf Monate auf einen Therapieplatz, bei Kindern und Jugendlichen teilweise bis zu eineinhalb Jahre. Gleichzeitig sind die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen in Sachsen-Anhalt innerhalb von zehn Jahren um 70 Prozent gestiegen.
Vor diesem Hintergrund ist die Kürzung der psychotherapeutischen Honorare um 4,5 Prozent der völlig falsche Weg. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz verschärft das Problem zusätzlich: Die bisherige Extrabudgetierung soll abgeschafft und die Behandlungsausgaben begrenzt werden. In Sachsen-Anhalt drohen damit weniger Therapieangebote und noch längere Wartezeiten. Das wird absehbar mehr Leid bei den Betroffenen, längere krnakheitsbedingte Ausfallzeiten und schlussendlich auch für unsere Wirtschaftskraft nachteilig sein. Es wird hier fernab eines sehr kurzen Einsparfensters für die Kostenträger keine weiteren Gewinner geben, im Gegenteil. Die Folgen tragen Betroffene, Therapeut*innen, Angehörige und viele mehr.
Ich lehne diesen Kurs entschieden ab. Sachsen-Anhalt braucht angesichts steigender psychischer Erkrankungen nicht weniger, sondern mehr ambulante Psychotherapie. Ich setze mich deshalb dafür ein, die Honorarkürzungen zurückzunehmen, die psychotherapeutische Versorgung bedarfsgerecht auszubauen und insbesondere in ländlichen Regionen wie bpsw. der Altmark bessere Anreize für Niederlassungen zu schaffen. Auch die Versorgung von Kindern und Jugendlichen muss deutlich gestärkt werden.
Wer Wartezeiten von bis zu 18 Monaten kennt, kann nicht gleichzeitig die Zahl der finanzierten Behandlungen begrenzen. Beitragsstabilität darf nicht auf Kosten der Patientinnen und Patienten und der psychotherapeutischen Praxen gehen. Für Sachsen-Anhalt gilt deshalb: mehr Versorgung statt Kürzungen.