Wie wollen Sie die Versorgung von psychisch kranken Kindern und Erwachsenen absichern, wenn Sie durch die Budgetierung im GKV System zehnTausende von Stunden von Psychotherapie kürzen?
Sehr geehrter Herr Dr. Güntzler,
Ich bin Psychotherapeutin, niedergelassen in Northeim, habe wie Sie wissenschaftlich studiert und kann Statistiken lesen und auswerten. Sie und ich wissen, dass Psychotherapie hilft, Arbeitskraft aufbaut und gesund macht.
Warum wollen Sie dies massiv begrenzen? Für mich nicht logisch und auch kein christlichesDenken, dafür steht doch das C in der CDU.
Ich bin Katholikin und plädiere an Sie, dass Sie nicht nur Kostensenkung im Blick haben, sondern die Menschen, um die es geht. Ich arbeite seit 25 Jahren und ich kann wirklich sagen, dass Psychotherapie hilft. Und ich kenne unser Volk, und ich habe es noch nie erlebt, wie geschlossen die Gesellschaft gegen ihre Politik gerade im Hinblick auf das Gesundheitssystem ist .
Bedenken Sie bitte wirklich die Konsequenzen der geplanten Kürzungen, das betrifft auch ihre Familie und Freunde.
Mit freundlichen Grüßen
Janina B.
Sehr geehrte Frau B.,
vielen Dank für Ihr Schreiben und die sehr eindrückliche Schilderung Ihrer Erfahrungen aus der psychotherapeutischen Praxis. Ihren Hinweis auf die große Bedeutung psychotherapeutischer Versorgung für die Gesundheit, die Arbeitsfähigkeit und die Stabilität unserer Gesellschaft nehme ich sehr ernst. Dass Sie sich nach 25 Jahren Berufserfahrung mit Nachdruck an mich wenden, unterstreicht die Relevanz des Themas.
Zunächst möchte ich klarstellen: Es ist nicht Ziel der CDU/CSU, psychotherapeutische Leistungen „massiv zu begrenzen“. Im Gegenteil – wir sehen die psychische Gesundheit als einen zentralen Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Der steigende Bedarf an Therapieplätzen und die zunehmende gesellschaftliche Belastung durch psychische Erkrankungen sind Entwicklungen, die wir sehr genau beobachten und politisch ernst nehmen.
Die von Ihnen angesprochenen Veränderungen stehen im Kontext von potenziellen Reformen durch die Vorschläge aus der GKV-Kommission. Hier steht zunächst die Kabinettsbefassung im Vordergrund. Darauf folgen erst die parlamentarischen Beratungen, sodass der Bundestag nach intensiver Debatte noch weitere Änderungen an dem Entwurf vornehmen kann.
Unabhängig davon ist für uns entscheidend, dass die Versorgung der Patientinnen und Patienten gesichert bleibt und sich am tatsächlichen Bedarf orientiert. Gerade im Bereich der psychischen Gesundheit sehen wir Handlungsbedarf – insbesondere bei langen Wartezeiten und beim Zugang zu Therapieplätzen. Hier setzen wir uns dafür ein, die Strukturen weiterzuentwickeln, Versorgung zielgenauer zu steuern und vorhandene Ressourcen so einzusetzen, dass möglichst viele Betroffene zeitnah Hilfe erhalten.
Auch den von Ihnen angesprochenen ethischen Aspekt nehme ich ernst. Das „C“ in der CDU steht für ein Menschenbild, das die Würde und die Bedürfnisse jedes Einzelnen in den Mittelpunkt stellt. Dazu gehört selbstverständlich auch eine angemessene gesundheitliche Versorgung – körperlich wie psychisch. Gleichzeitig stehen wir vor der Herausforderung, die Finanzierbarkeit des solidarischen Gesundheitssystems langfristig zu sichern. Beides zusammenzudenken – gute Versorgung und stabile Finanzierung – ist eine der zentralen Aufgaben der aktuellen Reformüberlegungen.
Ihre Rückmeldung aus der Praxis ist für diese Abwägung sehr wertvoll. Ich nehme Ihre Hinweise daher gerne mit in die weiteren Beratungen auf und werde die Entwicklungen im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung weiterhin aufmerksam begleiten.
Für Ihre engagierte Arbeit danke ich Ihnen ausdrücklich.
Mit freundlichen Grüßen
Fritz Güntzler, MdB
