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Warum ist die in Deutschland gezahlte Rente so niedrig, im Vergleich zu Europa

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Frage von Klaus B. •

Warum ist die in Deutschland gezahlte Rente so niedrig, im Vergleich zu Europa

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Sehr geehrter Herr B.,

vielen Dank für Ihre Nachricht. 

Ein Blick auf andere Alterssicherungssysteme ist immer lohnenswert. Wichtig dabei ist allerdings, nicht nur einzelne Aspekte zu betrachten, die als besonders nachahmenswert erscheinen. Vielmehr muss stets das gesamte Konzept der Alterssicherung vor dem Hintergrund der jeweiligen nationalen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen betrachtet werden.

Die deutsche Rentenversicherung funktioniert überwiegend nach dem Umlageprinzip. Beitragszahler finanzieren die Renten der aktuellen Rentner. Durch den demografischen Wandel kommen immer mehr Rentner auf weniger Beitragszahler. Damit die Finanzierung der Rente nachhaltig erfolgt, wurde der Nachhaltigkeitsfaktor eingefügt. Dieser soll durch die tendenzielle Dämpfung der jährlichen Rentenerhöhung den Anstieg des Beitragssatzes bis zum Jahr 2030 auf maximal 22 Prozent begrenzen.

Im Gegensatz zu einigen anderen europäischen Ländern gibt es in Deutschland keine garantierte Mindestrente, die unabhängig von der Beitragsdauer gezahlt wird. Die Höhe der Rente richtet sich demnach ausschließlich nach dem individuellen Versicherungsleben. Diejenigen mit einer geringen Rente haben aber gegebenenfalls Anspruch auf Grundsicherungsleistungen. 

Der Beitragssatz in Deutschland liegt aktuell bei 18,6% des Bruttoverdiensts und wird paritätisch von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gezahlt. Im internationalen Vergleich ist das eher moderat. Länder mit höheren Renten finanzieren ihre Systeme oft durch höhere Beitragssätze oder zusätzliche staatliche Zuschüsse. In Österreich zahlen zum Beispiel die Arbeitgeber 2,3 Prozent mehr als Arbeitnehmer und der Beitragssatz ist mit 22,8 Prozent höher als in Deutschland. 

In einigen Ländern wurde zudem das Renteneintrittsalter angehoben. So steigt zum Beispiel in Dänemark das Rentenalter im gleichen Takt wie das Durchschnittsalter der Bevölkerung. 

Ebenfalls zu berücksichtigen ist, dass beispielsweise in Österreich alle in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Die Einbeziehung der Beamten ins Rentensystem wurde in Österreich 2004 beschlossen und hat bis 2040 lange Übergangsfristen. Seit 1958 zahlen dort außerdem sie Selbstständigen mit ein. Hier sind allerdings auch die Zugangsvoraussetzungen höher. Die allgemeine Wartezeit beträgt dort 15 Jahre. In Deutschland dagegen beträgt diese nur fünf Jahre und eröffnet somit einem größeren Personenkreis eine Absicherung, die im Bedarfsfall um die steuerfinanzierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ergänzt wird. 

Anständige Renten hängen aber auch von fairen Löhnen ab. Diese sind das beste Mittel, um Altersarmut vorzubeugen. Dazu leistet auch der gesetzliche Mindestlohn einen wichtigen Beitrag. 

Mit freundlichen Grüßen
Hubertus Heil

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