Frage an Jan Korte bezüglich Gesellschaftspolitik, soziale Gruppen

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Jan Korte
DIE LINKE

Frage an Jan Korte von Znaserq Fvrorarvpu bezüglich Gesellschaftspolitik, soziale Gruppen

03. Januar 2012 - 10:55

Guten Tag Herr Korte.

Ich habe am 03.01.2012 einen in der Westfälischen Rundschau veröffentlichen Beitrag über die Mitgliedschaft von 26 Ministern bei der NSDAP. Es ist schon erschreckend, dass doch soviele der ehemaligen NSFDAP-ler dort auch Regierungsverantwortung gefunden haben. Aber aus der Geschichte sollte man bekanntlich lernen und so etwas in Zukunft verhindern. Wie denken darüber, dass bestimmt auch in ihrer Patrei bei den Linken reichlich ehemalige SED-Mitglieder heute in Amt und Würde sind und niemand etwas dagegen macht. Wäre es nicht an der Zeit,dass in ihrer Runde die schwarzen Schafe gehen sollten,damit die Linken glaubwürdiger sind?

MfG M.Siebeneich

Frage von Znaserq Fvrorarvpu
Antwort von Jan Korte
24. Juli 2012 - 08:16
Zeit bis zur Antwort: 6 Monate 3 Wochen

Sehr geehrter Herr Siebeneich,

bitte entschuldigen Sie die späte Antwort.
Um es gleich zu sagen: Ich finde Ihre Gleichsetzung von NSDAP und SED historisch falsch und politisch fragwürdig. Während die NSDAP ein Regime ermöglicht hat, das einen Weltkrieg und den Völkermord an Juden, Sinti und Roma und vielen anderen Gruppen zu verantworten hat, wird niemand etwas ähnliches über die SED sagen können. Damit bestreite ich keineswegs den undemokratischen Charakter des von der DDR verantworteten Staatswesens.
Nur, und das ist der Unterschied, hat sich die PDS und auch DIE LINKE mit dieser Vergangenheit und ihrer eigenen Geschichte immer wieder auseinandergesetzt. Die Bücher und Konferenzen dazu füllen Bibliotheken und das Märchen, PDS und LINKE hätten sich mit ihrer Vergangenheit nicht beschäftigt, bleibt eben ein Märchen.
In PDS und LINKE gibt es einen Konsens darüber, das Mandatsträger sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen müssen. Die alleinige Mitgliedschaft in der SED ist dabei nicht das Thema. Nicht einmal die alleinige Mitgliedschaft in der NSDAP – und dass ist kein Vergleich – wäre allein ein Kriterium gegen einen Politiker. Die Frage wäre auch hier, wie hat er/sie dort agiert, hat er/sie an Verbrechen des Regimes teilgenommen oder sie befördert, wie hat er/sie sich zum demokratischen Staat nach 1945 verhalten etc.
Hätten sich CDU und FDP auch nur ansatzweise so intensiv mit der Vergangenheit ihrer früheren Abgeordneten beschäftigt, wie das bei PDS und LINKE der Fall war, bräuchte es die Debatte zum Thema heute nicht mehr.

Mit freundlichen Grüßen
Jan Korte