Planen Sie im Rahmen der Notfallreform die berufsrechtliche Approbation für Notfallsanitäter sowie eine zweijährige RS-Ausbildung, um Fehlsteuerungen und Ressourcenverschwendung zu beenden?
Als B.Sc. Psychologin und Rettungssanitäterin (RTW/KTW/ITW) belege ich empirisch eine signifikante Linksschiefe der psychophysischen Belastung im Einsatzdienst. Die defizitäre Psychotherapiereform induziert eine massive Fehlallokation: Psychiatrische Notfallbilder (z. B. dissoziative Störungen) werden mangels ambulanter Akutstrukturen systemisch fehlgeleitet. Ein Transport generiert Systemkosten von 800–1.600 € – oft mehrfach wöchentlich pro Patient –, ohne kausale therapeutische Intervention. Diese pathogene „Low Control“-Konstellation führt zu strukturellem Verschleiß und konterkariert eine nachhaltige Erwerbsbiografie. Meine Forschung (Masterarbeit) fordert eine evidenzbasierte Reform: Die berufsrechtliche Approbation für Notfallsanitäter zur rechtssicheren SGB V-Disposition sowie eine zweijährige RS-Ausbildung zur Steigerung der klinischen Kompetenz und Schaffung durchlässiger Bildungsbiografien (Studium ohne Abitur nach 5 Jahren Praxis). Wie korrigieren Sie diese Evidenzdefizite?
Ihre Forschung spricht ein wichtiges Problem an. Massive Fehlsteuerungen und Ressourcenvergedung sind leider ein Grundproblem des Gesundheitssytems in seiner gegenwärtigen Form. Was Vorschläge für konkrete Maßnahmen mit Blick auf Einzelfragen angeht, ist die Politik regelmäßig auf Expertise aus der Wissenschaft angewiesen. Hier könnte Ihre Forschung daher durchaus relevant sein und auf Interesse stoßen. Für mich hat allerdings zunächst die große Perspektive auf das Ganze Vorrang: Das Gesundheitssystem ist mittlerweile in einem so kritischen Zustand, dass dringend die ganz großen Weichen gestellt werden müssen und es ein Fehler wäre, sich in Detailreformen zu verlieren.
