Sind Sie für die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung zu? Ja oder nein? Und wie stehen Sie zur geplanten Abschaffung des Minijobs (außer für Schüler)?
Sehr geehrter Herr Eckert, aufgrund der aktuellen medialen Debatten würde ich mich sehr über eine Antwort meiner beiden obigen Fragen freuen. Vielen Dank!
Sehr geehrte Frau W.,
vielen Dank für Ihre Frage.
Zur Rente:
Ich sehe die Notwendigkeit, unser Rentensystem grundlegend zu reformieren. Gegen eine automatische Kopplung des Renteneintrittsalters an die durchschnittliche Lebenserwartung bin ich dennoch.
Menschen leben nicht alle gleich lange und erreichen vor allem nicht alle gleich viele gesunde Lebensjahre. Jahrzehntelange körperlich oder mental anstrengende Arbeit wirken sich auf jeden Menschen anders aus. Eine starre Kopplung würde diese Unterschiede ignorieren und viele Menschen benachteiligen.
Hinzu kommt für mich ein grundsätzlicher Gedanke: Der Wert eines Menschen darf sich nicht daran bemessen, wie lange er wirtschaftlich produktiv ist. Arbeit soll ein selbstbestimmter Teil des Lebens sein und nicht dessen alleiniger Zweck.
Gleichzeitig funktioniert ein solidarisches Rentensystem nur, wenn alle, die leistungsfähig sind, ihren fairen Beitrag leisten. Dazu gehört aus meiner Sicht insbesondere, dass sehr hohe Einkommen und große Vermögen stärker zur Finanzierung unseres Gemeinwesens beitragen.
Zu den Minijobs:
Ich halte viel von unseren Sozialversicherungen und dem Solidarprinzip. Gleichzeitig kann ich nachvollziehen, dass es für bestimmte Lebenssituationen (etwa für Schülerinnen und Schüler, Studierende oder Menschen mit einem kleinen Zuverdienst) eine vereinfachte Beschäftigungsform geben kann.
Problematisch ist jedoch, dass Minijobs in den vergangenen Jahren häufig als reguläres Beschäftigungsmodell genutzt wurden. Dadurch wurden Sozialversicherungsbeiträge reduziert, Arbeitgeberkosten gesenkt und Beschäftigte verzichteten auf Rentenansprüche sowie auf den vollen Schutz der Sozialversicherung.
Langfristig halte ich das für eine problematische Entwicklung. Ziel sollte sein, reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung attraktiver zu machen, anstatt Anreize für prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen. Ich möchte nicht, dass sich in Deutschland Verhältnisse etablieren, in denen mehrere Jobs notwendig sind, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können.
Mit freundlichen Grüßen
Leon Eckert
