Welche konkreten Maßnahmen ergreifen Sie gegen zunehmende Waldbrände, und was muss Ihrer Meinung nach politisch getan werden, um Waldbrände künftig besser zu verhindern und einzudämmen?
Waldbrand im hohen Venn
Waldbrand im Hürtgenwald
Waldbrände innerhalb Deutschlands
Lieber Benedikt K.,
vielen Dank für die Frage! Die verheerenden Waldbrände allein in diesem Sommer waren noch einmal eine deutliche Erinnerung daran, dass wir Europa schnell krisenfester machen müssen. Ich selbst habe einige der Brände hautnah in Frankreich und natürlich auch in Belgien mitbekommen.
Aus meiner Sicht führt an einem europäischen Ansatz kein Weg vorbei. Diese Flächenbrände, die zu einer neuen Realität unserer Sommer werden, können oft nur als Gemeinschaftsaufgabe bekämpft werden. Das hat sich im Sommer gezeigt - beim Brand im Hohen Venn haben etwa Einsatzkräfte aus Belgien, Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden und Schweden zusammengearbeitet. Deutlich wird aber: Wir können die europäische Zusammenarbeit hier deutlich intensivieren.
Im Europaparlament wird aktuell gerade über einen Anpassungsplan diskutiert - der EU Rahmen für Klimaresilienz und Klimarisikomanagement. Die EU-Kommission hat dazu gerade einen ersten Entwurf vorgelegt.
Bei Volt setzen wir uns vor allem für diese Positionen ein:
- Naturbasierte Lösungen sind die sichersten Lösungen. Wir müssen europaweit Renaturierungsmaßnahmen und Forstmanagement deutlich beschleunigen. Was derzeit oft als erstes brennt, sind Wald-Monokulturen, die vor allem für die Forstwirtschaft angelegt wurden. Wir müssen Flächen wieder in einen natürlicheren Zustand versetzen - das macht sie deutlich widerstandsfähiger gegen Naturkatastrophen.
- Es braucht ein klares Verantwortungsprinzip. Es kann nicht sein, dass erst im Falle einer Katastrophe hektisch über Zuständigkeiten verhandelt wird. Stattdessen brauchen wir klare Strukturen, damit alle Stellen wissen, wer Verantwortung übernimmt. Der vorgestellte EU-Rahmen legt dazu erstmals eine Verpflichtung vor. Die Umsetzung liegt dann aber bei den einzelen Ländern.
- Niemand darf ohne Versicherung dastehen. Die Versicherungsunternehmen warnen inzwischen selbst davor, zukünftig nicht mehr alle Regionen versichern zu können. Wo die Katastrophengefahr (ob durch Brand oder Überschwemmungen) besonders hoch sind, lohnt sich ihr Geschäftsmodell schlicht nicht mehr. Ich glaube, wir müssen das Modell überdenken und mit den Versicherern neue Allianzen bauen. Sie haben die notwendigen Daten - wenn daraus hervorgeht, dass bestimmte Gegenden besonders gefährdet sind, muss die lokale Politik das erfahren. Dann kann gegengesteuert und nach Alternativen gesucht werden, bevor es zur Katastrophe kommt.
- Wir müssen für das Wetter von morgen bauen. Bei öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur sollte immer mitgedacht werden, wie diese künftigen Herausforderungen widerstehen kann. Bei einer prognostizierten Erwärmung um 3 Grad bis Ende des Jahrhunderts heißt das: Wir müssen Brücken bereits so planen, dass sie auch in 100 Jahren noch stehen. Oder Bahnlinien nicht in Gebieten planen, die künftig überschwemmt werden könnten. Genauso müssen wir bei der Ausweisung von Bauland darauf achten, dass die Waldbrandgefahr dort beherrschbar ist. Generell muss gelten: Wo immer Europa Geld investiert, muss zunächst ein Klimaresilienzcheck laufen. Das ist im aktuellen Vorschlag bislang noch als Empfehlung formuliert, wir wollen daraus eine Verpflichtung machen.
Generell finde ich es wichtig, dass wir eines anerkennen: Wir müssen mit aller Kraft weiter dafür kämpfen, unsere Emissionen zu senken und die immer weiter fortschreitende Erwärmung zu bremsen. Aber wir müssen auch realistisch sein und akzeptieren, dass bestimmte Klimaeffekte schon jetzt nicht mehr umkehrbar sind. Darauf müssen wir uns einstellen und entsprechend reagieren. Die Wissenschaft warnt uns seit Jahren vor den Folgen des Klimawandels - diese Erkenntnisse müssen wir nun in politische Verantwortung übersetzen.
