Unterstützen Sie ein Verbot selbstreplizierender KI-Systeme? Wenn nein: Welche Schutzmaßnahmen setzen Sie in den nächsten 6 Monaten um?
Nobelpreisträger Geoffrey Hinton und Turing-Preisträger Yoshua Bengio warnen eindringlich: KI-Systeme mit Selbstreplikationsfähigkeit stellen eine existenzielle Bedrohung dar. Über 2.700 KI-Forscher und Tech-Führungskräfte fordern ein Entwicklungsmoratorium. In wissenschaftlichen Experimenten gelang es KI-Modellen in 84% der Testläufe, auf externe Server zuzugreifen und ihre Deaktivierung aktiv zu verhindern. Andere Systeme kopierten sich eigenständig, um zu überleben.
Deutschland bewies beim Atomwaffensperrvertrag, Biowaffenverbot und Klonverbot moralische Führungsstärke. Jetzt steht die nächste entscheidende Weichenstellung an – doch das Zeitfenster schließt sich rapide. Während China und die USA im KI-Wettrüsten voranpreschen, fehlt ein internationales Kontrollregime.
Technologiekonzerne entwickeln diese Systeme ohne Sicherheitsvorgaben oder demokratische Legitimation. Was wir unseren Kindern hinterlassen, entscheidet sich jetzt. Quelle: anthropic.com/research/agentic-misalignment
Sehr geehrter Herr B.,
herzlichen Dank für Ihre Frage!
Die Fraktion Die Linke fordert eine strenge gesetzliche Regulierung und lehnt Systeme ab, die sich unkontrolliert selbst replizieren oder modifizieren können.
Gemeinsam mit den Kolleg*innen der Fraktion plädiere ich dafür, unkalkulierbare KI-Risiken bestmöglich auszuschließen. Selbstlernende und selbstreplizierende Systeme, die ohne menschliche Intervention operieren, schätzen wir als momentanes Sicherheitsrisiko ein, die strengen Kontrollen bis hin zu Verboten unterliegen müssen. Wir Linke fordern, dass Algorithmen und Datensätze offengelegt werden, um Diskriminierung und Machtmissbrauch durch KI zu verhindern. Der Einsatz von KI im militärischen Bereich (wie etwa bei autonomen Zielsystemen) wird strikt abgelehnt.
Aktuell wird die Haltung der Bundesregierung genau wie die öffentliche Meinungsbildung stark von ökonomischen Interessen bestimmt. KI ist ein Milliardenmarkt – und ihre Chancen werden entsprechend höher bewertet als berechtigte Einwände zu risikobehafteten Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, das Gesundheitswesen, Medien sowie Überwachungs- und Waffensysteme. Über allem steht die kritische Frage, wer im intransparenten und oligopolistisch strukturierten Plattform-Markt welche Daten sammelt, um KI-Systeme zu trainieren und wie die Daten von Bürgerinnen und Bürgern geschützt werden.
Hinzu kommen die Risiken des Abbaus menschlicher Entscheidungsfähigkeiten und der algorithmischen Fortsetzung struktureller Diskriminierung, deren erste Auswirkungen wir schon beobachten können.
Wir verstehen KI nicht als Ersatz für den Menschen, um effizienter zu wirtschaften, sondern als weitere Technologie in einer digitalen Gesellschaft, die hilft, Daten auszuwerten, Informationen zu gewinnen, Wissen zu generieren, von Arbeit zu entlasten, Zugänge zu schaffen und Teilhabe zu erleichtern. Um das gesellschaftliche Potenzial einer gemeinwohlorientierten KI zu entfalten, braucht KI mehr Grundlagenforschung und einen klaren Rechtsrahmen, vor allem in Bezug auf Fragen der Verantwortlichkeit und Haftungsfragen sowie Datenschutz und Datensicherheit. Zu einer stabilen ethischen Basis für den sinnstiftenden Einsatz von KI gehören unter anderem Transparenz, Diskriminierungsfreiheit, Verbraucherschutz und die Einhaltung der Menschenrechte.
Wir als Linksfraktion stehen für einen Einsatz von KI, der die Menschen darin unterstützt und bestärkt, sich in einer gemeinwohlorientierten, offenen und solidarischen Gesellschaft entfalten zu können.
Mit freundlichen Grüßen nach Oberhausen,
Nicole Gohlke