Ihre Aktivitäten in Sache integrativer Heilkunde?
Als Heilpraktiker mit 40-jähriger Arbeitserfahrung weiss ich, dass v. a. bei Menschen mit chronischen Erkrankungen eine individuelle naturheilkundliche Behandlung der konventionellen Medizin in weiten Bereichen klar überlegen ist. Welche konkreten Schritte gedenken Sie als Parlamentsmitglied zu gehen, um den barrierefreien Zugang zu integrativer Medizin für alle Menschen zu ermöglichen?
Sehr geehrter Herr G.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und für die Schilderung Ihrer langjährigen praktischen Erfahrungen in der Naturheilkunde. Ich weiß Ihr Engagement für eine patientenorientierte, ganzheitliche Versorgung sehr zu schätzen.
Mir ist bewusst, dass viele Bürgerinnen und Bürger ergänzende und integrative Behandlungsansätze wünschen und diese als hilfreich erleben. Deshalb begrüße ich eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit komplementären Verfahren ausdrücklich. Die individuell erlebte Wirksamkeit solcher Ansätze sollte Bestandteil einer offenen und sachlichen wissenschaftlichen Diskussion sein. Dazu gehört aus meiner Sicht auch, Praktiken einzubeziehen, die nicht aus der konventionellen Medizin stammen oder bislang nicht vollständig ins Gesundheitssystem integriert sind.
Uns als Landtagsfraktion GRÜNE in Baden-Württemberg ist es wichtig, zu einer Versachlichung der Debatte beizutragen und Therapiepluralismus auf Grundlage belastbarer wissenschaftlicher Fakten zu fördern. Gerade bei der Frage, welche Therapieform wann sinnvoll ist oder in Kombination mit anderen Verfahren einen Mehrwert bietet, sehen wir weiteren Aufklärungsbedarf. Ziel muss stets eine qualitativ hochwertige Versorgung im Interesse der Patientinnen und Patienten sein.
In Baden-Württemberg haben wir hierfür bereits wichtige Strukturen geschaffen, um vorhandene Kompetenzen zu bündeln und Schulmedizin sowie komplementäre Verfahren stärker zusammenzuführen. Dazu zählen das Kompetenznetzwerk Integrative Medizin Baden-Württemberg (KIM), das Akademische Zentrum für Komplementäre und Integrative Medizin (AZKIM) sowie der Lehrstuhl für Komplementäre und Integrative Medizin an der Universität Tübingen. Diese Einrichtungen leisten einen bedeutenden Beitrag, um Forschung, Qualitätssicherung und evidenzbasierte Bewertung komplementärer Methoden weiter voranzubringen.
Für den Austausch mit Praktikerinnen und Praktikern aus der Naturheilkunde stehen wir grundsätzlich offen. Ich selbst muss an dieser Stelle jedoch betonen, dass meine Themenschwerpunkte fraktionsintern auf den Themen Europa, Umwelt und Verkehr und nicht im Bereich der Gesundheitspolitik liegen. Sehr gerne gebe ich Ihre Hinweise aber auch an meine fachlich zuständigen Kolleginnen und Kollegen in unserer Fraktion weiter.
Mit freundlichen Grüßen
Niklas Nüssle
