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Würden Sie dem Bau eines Kernkraftwerkes in Brandenburg, vielleicht in Eberswalde, zustimmen? Wo würden Sie den entstehenden hochradioaktiven Müll zwischenlagern, bis ein Endlager festgelegt wurde?

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René Springer
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Frage von Lars R. •

Würden Sie dem Bau eines Kernkraftwerkes in Brandenburg, vielleicht in Eberswalde, zustimmen? Wo würden Sie den entstehenden hochradioaktiven Müll zwischenlagern, bis ein Endlager festgelegt wurde?

Meinem Kenntnisstand nach sind die Nutzung von Kernenergie sowie fossiler Brennstoffe die teuersten Arten der Stromerzeugung. In Ihren genannten Beispielländern Schweden und Japan ist der Anteil der Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen gestiegen und gleichzeitig der Anteil an Kernenergie gesunken - über einen Zeitraum von 20 Jahren beides belegbar. Sie wünschen sich die erneute Abhängigkeit von russischem Gas und Kernbrennstoff (rhetorische Frage)? Würden Sie nicht mit beiden Forderungen (zurück zur Kernenergie, fossile Stromerzeugung) Deutschland dadurch eher schaden (rhetorische Frage)? Würden Sie dem Bau eines Kernkraftwerkes in Brandenburg, vielleicht in Eberswalde, zustimmen? Wo sollte der entstehende hochradioaktive Müll zwischengelagert werden, bis ein Endlager feststeht?

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Antwort von AfD

Sehr geehrter Herr R.,

 

zunächst möchte ich auf Ihre beiden Eingangsfragen eingehen:

 

1. Mögliche neue Standorte für AKWs in Deutschland wird eine eigene Expertenkommission festzulegen haben, die die besten Standorte für den AKW-Neubau identifiziert. Die Ernennung dieser Kommission würde mit dem Beschluss des Wiedereinstiegs Deutschlands in die Kernenergie erfolgen.

 

Und ja, ich würde auch einem Neubau in Brandenburg zustimmen, sofern ebenjene Kommission dies für geboten sieht – auch wenn dies den Raum um Eberswalde beträfe.

 

Eine solche Entscheidung darf jedoch niemals über die Köpfe der Menschen hinweg getroffen werden. Sie muss von den Bürgern getragen sein, die in der betroffenen Region leben. Weiterreichende Infrastrukturprojekte dieser Größenordnung erfordern zwingend eine verbindliche Mitbestimmung durch Bürgerentscheide. Wer Akzeptanz will, muss die Menschen beteiligen. Großprojekte ohne Rückhalt vor Ort führen zu Misstrauen – mit direkter Demokratie schaffen wir hingegen Transparenz und Legitimation.

 

2. Bei der Zwischenlagerung der radioaktiven Abfälle würde ich nicht wesentlich von den aktuellen Plänen abweichen: Schacht Konrad in Salzgitter für schwach- und mittelradioaktive Reststoffe und, bis ein geeignetes Endlager gefunden ist, die bereits bestehenden Zwischenlager für den hochradioaktiven Abfall. Im besten Fall reifen Pilotanlagen zur Verwertung radioaktiver Abfälle, wie die der Firma Transmutex, zur „Marktreife” (Bearbeitung der Abfälle durch Transmutation). Damit würde aus Abfall wieder eine Ressource entstehen und die Abhängigkeit vom Ausland würde sinken. Dafür sind jedoch entsprechende Anstrengungen notwendig, die man sich mit der strikten deutschen Anti-Atomhaltung verwehrt und somit mögliches Potenzial ausschlägt, das dann im Zweifel im Ausland realisiert wird.

 

Nun zu Ihren anderen gebündelten Fragen:

 

Da Japan nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima zunächst einen Ausstiegsplan aus der Kernenergie beschlossen und zahlreiche Reaktoren vom Netz genommen hat, ist es nur logisch, dass der Anteil erneuerbarer Energien dort im Laufe der Jahre zugenommen hat. Der Entschluss der Japaner, erneut in die Kernenergie zu investieren, ist noch jung, weshalb es entsprechend dauern wird, bis die japanischen Kapazitäten wieder wachsen.

Schweden ist ein ähnlicher Fall: Auch hier wurde erst in den letzten Jahren die Entscheidung gefällt, weiter in die Kernenergie zu investieren. Zuvor ließ man die Kernenergie eher „auslaufen”. Nun ist geplant, bis 2035 neue Kapazitäten im Umfang von mindestens zwei großen Reaktoren in Betrieb zu nehmen. Bis 2045 soll sogar ein Ausbau im Umfang der Leistung von zehn großen Reaktoren erfolgen.

Derweil ist es für die Schweden wesentlich einfacher als für uns in Deutschland, den Anteil verlässlicher erneuerbarer Energie im oberen Bereich des Strommixes zu halten, weil die Voraussetzungen für die Wasserkraft dort weitaus günstiger sind. Sie macht daher den Großteil der schwedischen Stromerzeugung aus.

 

Zu Ihrer Frage bezüglich geopolitischer Abhängigkeiten: Mir geht es darum, eine breite Verfügbarkeit der für uns relevanten Energiequellen zu gewährleisten. Gas aus Norwegen, Russland und den USA sowie aus anderen Staaten sorgt für eine entsprechende Risikostreuung. Die Liste der potenziellen Uranlieferanten ist lang, hat sich in den letzten Jahren aufgrund der niedrigen Nachfrage aber auf einige wenige Staaten wie Kasachstan reduziert. Das sind jedoch keine Unveränderbarkeiten, sondern es ist Aufgabe der Politik, dies aktiv zu gestalten.

 

Außerdem ist es ein Irrglaube, dass erneuerbare Energien keine geopolitischen Abhängigkeiten schaffen würden. Diese Abhängigkeiten werden lediglich auf andere Akteure, aktuell insbesondere China, verlagert, nämlich auf diejenigen, die die für die „grünen” Technologien benötigten Rohstoffe kontrollieren.

 

Nun zur letzten offenen Frage bezüglich der Kosten der Energieerzeugung:

 

Je nachdem, wie die Erzeugungskosten berechnet werden und welche Kosten in die Berechnung einfließen, gruppieren sich die einzelnen Energieträger unterschiedlich. Vor allem die Integration von Systemkosten (Ausbau der Netzstruktur, Batteriespeicher, Wasserstoff-Elektrolyse-Ketten etc.) verändert das Bild, aber auch die Nichtbeachtung der CO₂-Bepreisung.

Wenn Sie die CO2-Bepreisung nicht in die Rechnung miteinbeziehen, wird Braunkohle zur günstigsten Erzeugungsform überhaupt. Das erklärt auch ihre Prävalenz in Europa seit der Industrialisierung (sie gehört außerdem zu den Energieformen mit der geringsten Abhängigkeit vom Ausland, da sie in einem heimischen Erzeugungskreislauf entsteht). Auch die Stromerzeugung mit Gas wäre ohne CO2-Preis erheblich günstiger. Bei einer langen Kraftwerkslaufzeit bewegt man sich bei der Kernenergie zwischen 3 und 7 Eurocent pro kWh. Das schlägt die meisten erneuerbaren Energien. Außerdem sollte man den Faktor der „Energiesicherheit” nicht außer Acht lassen, der den Vergleich zwischen fossilen/nuklearen und solaren/windbasierten Energieträgern im Grunde zu einem Äpfel-Birnen-Vergleich macht.

 

Der grundlegende Vorteil konventioneller Energieträger besteht darin, dass jede Kilowattstunde mit einer gewissen Sicherheit hinterlegt ist und ihr Wert somit höher ist als der von Kilowattstunden aus erneuerbaren Energien (ausgenommen Wasserkraft und Biomasse).

Deshalb ist es entscheidend, die Systemkosten zu betrachten, da hier die entsprechenden Infrastrukturkosten berücksichtigt werden, die für die Systemintegration der erneuerbaren Energien relevant sind. Betrachtet man die bestehende Berechnung zu diesem Thema anhand des Erntefaktors (EROI – Energy Return on Investment), so ergeben sich Bestwerte für Kernenergie und Wasserkraft, mittlere Werte für fossile Energieträger (je nach Intensität der Ressourcenförderung) und niedrige Werte für Wind-, Bio- und Solarenergie.

 

Darauf basiert auch meine Forderung, den Fokus in Deutschland mehr auf Kernenergie und fossile Energieerzeugung zu legen, da sich jeder positiv „geerntete” Energiewert potenziell in Wohlstandsschaffung übersetzen lässt. Dass unsere Innovationskraft und der wirtschaftliche Motor in Deutschland lahmen, hängt unter anderem mit der Energiewende zusammen, die den energetischen Mehrwert, der uns zur Verfügung steht, nach unten drückt. Meine Vorschläge betrachte ich daher als Maßnahmen zum Wohle Deutschlands und nicht zu seinem Schaden.

 

Mit freundlichen Grüßen

René Springer, MdB

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