Welche Forderungen stellen Sie zur Gesundheitsvorsorge im direkten Zusammenhang zum Schutz der essentiellen Lebensgrundlagen an die Regierung?
Sehr geehrte Frau Schaper, bei der Regierung dominiert der Fokus nur auf der Wirtschaft. Gesundheitsvorsorge für die Bevölkerung spielt so gut wie keine Rolle. Dabei werden wir täglich mit Ewigkeitschemikalien, Pestiziden, Luftschadstoffen.. schleichend immer kranker gemacht. Die rasant steigenden Zahlen der Autoimmun- Erkrankungen, Krebsleiden bei Kindern, genetische Erbschäden sprechen Bände u. die genannten Ursachen sind bekannt. Sie sind sehr kompetent u. mutig, ich würde mich freuen, Sie könnten das Thema ganz nach vorn bringen. Denn ich bin nicht die Einzige, welche sich große Sorgen, auch um meine Kinder u. Enkel mache . Herzliche Grüße, Ilona M.
Sehr geehrte Frau M.,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie haben recht: Gesundheitsvorsorge beginnt beim Schutz unserer Lebensgrundlagen – sauberes Wasser, saubere Luft, unbelastete Böden und ein konsequenter Umgang mit gefährlichen Chemikalien sind keine Nebensache, sondern Kern staatlicher Schutzpflicht.
Gleichzeitig will ich fair bleiben: Nicht jede Regel kann Sachsen allein setzen (vieles liegt bei EU und Bund). Aber Sachsen kann und muss viel entschlossener handeln – vor allem beim Messen, Kontrollieren, Veröffentlichen und Durchsetzen.
Das sind die Forderungen, die wir gegenüber der Staatsregierung nach vorn stellen:
1) PFAS und Pestizide: Vorsorge, Kontrolle, Transparenz
Wir verlangen ein landesweites, öffentliches Monitoring von Belastungen in Wasser und Böden, deutlich mehr Kontrollen in der Praxis und eine klare Reduktionsstrategie für Pestizide. Besonders problematische Stoffe müssen zurückgedrängt werden – nicht erst, wenn Schäden unumkehrbar sind.
2) Sauberes Wasser: Kläranlagen ausbauen, Verursacher zahlen lassen
Mikroschadstoffe dürfen nicht einfach durchlaufen. Kläranlagen müssen dort nachgerüstet werden, wo es nötig ist – und die Kosten dürfen nicht allein bei den Gebührenzahlerinnen und -zahlern landen. Industrie und Einleiter müssen nach dem Verursacherprinzip beteiligt werden.
3) Saubere Luft und weniger Verkehrslärm: Gesundheit hat Vorrang
Wir fordern eine Luftreinhaltepolitik, die Emissionen an der Quelle senkt, und eine sozial gerechte Verkehrswende: besserer ÖPNV, sichere Rad- und Fußwege, weniger Durchgangsverkehr in Wohngebieten. Gesundheitsschutz darf nicht gegen soziale Fragen ausgespielt werden.
4) Hitzeschutz und Klimaanpassung: verbindlich statt freiwillig
Hitze trifft die Schwächsten zuerst. Wir fordern einen Landeshitzeschutzplan mit klaren Zuständigkeiten und Mindeststandards, besonders für Pflege, Kitas und Kliniken.
5) Prävention stärken: ÖGD und Landesgesundheitsamt
Wenn Vorsorge „so gut wie keine Rolle“ spielt, liegt das auch an zu schwachen Strukturen. Wir wollen den Öffentlichen Gesundheitsdienst ausbauen und die Prävention landesweit koordinieren – deshalb haben wir die Gründung eines Landesgesundheitsamts im Haushalt 2025/26 durchgesetzt.
Ich teile Ihren Anspruch, das Thema nicht am Rand zu behandeln. Wir werden die Staatsregierung daran messen, ob sie Belastungen konsequent reduziert, Kontrollen verstärkt und die Verursacher in die Pflicht nimmt – statt sich hinter Wirtschaftsinteressen zu verstecken.
Mit freundlichen Grüßen
Susanne Schaper
