Was bedeutet Ihnen der heutige Gedenktag, der 27. Januar, und wie können Sie diesen würdigen?
Sehr geehrter Herr Fetsch,
heute, am 27. Januar, dem internationalen Gedenktag an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, gedenken wir der über eine Million Menschen, die dort von Deutschen und ihren Kollaborateuren ermordet wurden – Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, politische Gefangene, Widerstandskämpfer, kranke und behinderte Menschen sowie Millionen verschleppte Slawen und Zwangsarbeiter.
Vor diesem historischen Hintergrund möchte ich Sie fragen:
Wie gehen Sie als Repräsentantinnen und Repräsentanten einer Partei, deren Rhetorik und Geschichtsverständnis immer wieder in der Nähe von Relativierungen der Nazi-Verbrechen zu verorten ist, mit der Verantwortung um, an diesen Tag würdevoll und glaubwürdig zu erinnern?
Halten Sie es angesichts der von Ihrer Partei angeführten „Schuldkult“ und „erinnerungspolitische Wende“ ein ehrliches Gedenken an die Opfer des Holocaust für möglich? Wie halten Sie es persönlich?
Sehr geehrter Herr M!
Ihre Frage beantworte ich gerne:
Die Gedenkstunde im Kontext des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust (27. Januar eines jeden Jahres) im Deutschen Bundestag am 28. Januar diesen Jahres war höchst eindrücklich und bewegend. Insbesondere der diesjährigen Gendenkrednerin, Frau Tova Friedman, sind größter Respekt und Dank für ihren nachdrücklichen, im Tenor auch versöhnlichen sowie Gegenwart und Zukunft zugewandten Beitrag entgegenzubringen.
Gemäß des grundgesetzlichen Leitbildes (Art. 38 GG) bin ich Vertreter des ganzen Volkes. Respekt, Abwägung und Begründung sind meine Handlungsmaximen. Weder meine Rhetorik noch mein Geschichtsverständnis sind zu beanstanden. Ich bedauere deshalb, dass sich aus der Anlage Ihrer Frage(n) pauschale und auf mich bezogene Unterstellungen beziehungsweise Vorurteile erkennen lassen. Deshalb biete ich Ihnen, sehr geehrter Herr M., persönlichen Austausch an.
Gedenken sollte man aus meiner Sicht überdies nicht von behaupteten oder tatsächlichen Einstellungen und Vorstellungen anderen Personen, Personengruppen oder gar gesellschaftlicher Strömungen abhängig machen. Gutes Gedenken ist in erster Linie eine persönliche Angelegenheit und erfordert unter anderem Bildung und Haltung. In diesem Sinn habe ich am 27. Januar und während meiner Teilnahme an der Gedenkveranstaltung im Deutschen Bundestag am 28. Januar gedacht.
Freundlicher Gruß
Thomas Fetsch MdB
