Lebensarbeitszeit und Krankmeldung: Warum wird mir da das Vertrauen entzogen und ich muss mich sofort bei meinem Hausarzt melden, wenn es mir schlecht geht.
Sehr geehrter Herr Klüssendorf, mit dem medial bekannt gewordenen Vorhaben der aktuellen Regierung, kann ich mich so nicht zufrieden geben. Ich bin Anfang 40 und möchte nicht bis 70 oder länger arbeiten müssen. Ich sehe mich als tragende Säule der Gesellschaft und arbeite sehr hart für mein Geld. Es ist jetzt schon so, dass ich sogar krank weiter arbeite. Warum wird mir da das Vertrauen entzogen und ich muss mich sofort bei meinem Hausarzt melden, wenn es mir schlecht geht.
Sehr geehrter Herr D.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und die Schilderung Ihrer Situation.
Einen Austausch zu aktuellem politischem Geschehen halte ich für sehr wichtig und freue mich daher immer über Zuschriften wie Ihre.
Uns erreichen dieser Tage zahlreiche Nachfragen zu den geplanten Reformen, ich danke Ihnen daher für Ihre bisher aufgebrachte Geduld bei der Beantwortung Ihrer Zuschrift.
Ihr Anliegen und die Einschätzung Ihrer Situation teile ich aus tiefem Herzen. Es kann nicht sein, dass Menschen, die Jahrzehnte lang hart arbeiten und damit tagtäglich zum Allgemeinwohl beitragen durch pauschalisierende Aussagen das Gefühl vermittelt bekommen, ihnen sei nicht zu vertrauen oder sie seien faul. Ich halte die verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Arbeitstag deshalb für nicht zielführend. Aus diesem Vorschlag spricht Misstrauen gegenüber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, welches ich absolut nicht teile. Dass Sie sich schon jetzt krank zur Arbeit begeben, kann und darf nicht richtig sein.
In unserem Koalitionsvertrag haben wir uns zudem darauf geeinigt, dass Menschen nach 45 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen dürfen. Dass Sie nun befürchten bis weit über 70 arbeiten zu müssen, kann nicht unser Ziel sein. Unsere Botschaft ist klar: auf die gesetzliche Rente muss Verlass sein!
Wir sollten uns als Koalition gerade nach den Signalen der Wahl in Sachsen-Anhalt die Zeit nehmen, die Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens als Ganzes zu prüfen. Reformen sind nur dann sinnvoll, wenn sie mehr Wirtschaftswachstum erzielen, dabei Arbeitsplätze sichern und unsere sozialen Sicherungssysteme stabilisieren.
Dies muss zusammengedacht werden, ohne zu vergessen, dass hinter diesen Maßnahmen Menschen stecken.
Ich versichere Ihnen, dass ich mich für Ihr Anliegen einsetze und wünsche Ihnen alles Gute!
Beste Grüße
Tim Klüssendorf
