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Wird die AfD ihre Position zu den Ursachen des Klimawandels überdenken?

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Torben Braga
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Frage von Peter H. •

Wird die AfD ihre Position zu den Ursachen des Klimawandels überdenken?

Sehr geehrter Herr Braga,
im Jahr 1979 wandten sich die damals führenden Klima-Fachleute mit einer gemeinsamen Veröffentlichung an die Weltgemeinschaft, in der sie wegen der steigenden CO2 Konzentrationen einen Klimawandel prognostizierten und rasche Gegenmaßnahmen anmahnten. Die Politik war damals sehr skeptisch, und die Mineralölwirtschaft zog diese Prognosen – entgegen den Erkenntnissen ihrer eigenen Fachleute – in teuren Kampagnen in Zweifel. Diese Zweifel sorgten dafür, dass sich die Politik mit Gegenmaßnahmen seht schwertat und -tut. Doch nun werden die damaligen Prognosen im Alltag der Menschen zunehmend spürbare Wirklichkeit. Beispielsweise fallen Ernten aus, Lebensmittelpreise steigen, ebenso die Prämien für Gebäudeversicherungen, Menschen leiden unter Hitzewellen. Das kann dazu führen, dass die Einstellung der Bevölkerung zum Klimawandel kippt und plötzlich Schuldige gesucht werden. Wie geht die AfD mit dieser Option um?
Mit freundlichen Grüßen aus Mellingen
Peter H.

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Antwort von AfD

Sehr geehrter Herr H.,

lassen Sie mich zunächst das benennen, worüber kein Streit besteht: Dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre seit der Industrialisierung gestiegen ist, dass CO2 ein Treibhausgas ist und dass die globale Durchschnittstemperatur zugenommen hat, sind messbare Tatsachen. Die Position meiner Partei ist an dieser Stelle oft verkürzt wiedergegeben worden. Der Streit entzündet sich weniger an der Frage, ob sich das Klima wandelt, als an drei nachgelagerten Fragen: 

  1. wie groß der menschengemachte Anteil im Verhältnis zu natürlichen Faktoren genau ist, 

  2. wie zuverlässig langfristige Modellprognosen sind, und vor allem, 

  3. welche politischen Schlüsse daraus zu ziehen sind.

Die ersten beiden Fragen sind wissenschaftlicher Natur, und wissenschaftliche Fragen werden nicht durch Mehrheiten oder durch politische Bekenntnisse entschieden, sondern durch fortlaufende Überprüfung. Ein gewisses Maß an Skepsis gegenüber Prognosen, die Jahrzehnte in die Zukunft reichen, halte ich für wissenschaftlich redlich und nicht für dessen Gegenteil.

Der eigentliche Dissens liegt jedoch bei der dritten Frage, der politischen. Meine Partei bestreitet nicht, dass sich das Klima ändert, sondern hält die deutsche Klimapolitik für teuer, wirkungsarm und sozial ungerecht. Deutschland verursacht rund 2% der weltweiten CO2-Emissionen. Eine Politik, die den Bürgern hier erhebliche Lasten auferlegt, während die globalen Emissionen von der Entwicklung in China, Indien und anderswo bestimmt werden, kann das Klima kaum messbar beeinflussen, wohl aber den Wohlstand und die Zustimmung der eigenen Bevölkerung verspielen. Wir treten deshalb für Anpassung und technologische Offenheit ein, für Deiche, Wasserwirtschaft, robuste Landwirtschaft und Forschung, statt für eine Politik der Verbote und Belastungen, deren Nutzen fürs Weltklima im Verhältnis zu ihren Kosten gering ausfällt.

Die von Ihnen geschilderten Folgen, Ernteausfälle, steigende Lebensmittelpreise, höhere Versicherungsprämien, Hitzebelastung, nehme ich ernst. Ich weise allerdings darauf hin, dass mehrere davon nicht allein klimatische Ursachen haben. Die Versicherungsprämien etwa steigen auch wegen Bebauung in Risikolagen und wegen inflationsbedingt teurerer Wiederherstellungskosten; die Lebensmittelpreise auch wegen Energiekosten, die ihrerseits eine Folge politischer Entscheidungen sind. Wer diese Ursachen sauber auseinanderhält, kommt zu wirksameren Antworten als jemand, der alles unter einer einzigen Überschrift verbucht.

Nun zu dem Punkt, der in Ihrem letzten Satz anklingt. Sie deuten an, die Stimmung könne kippen und es könnten "Schuldige gesucht" werden. Ich will darauf offen antworten: In einer Demokratie werden politische Meinungsverschiedenheiten durch Argument und Wahl entschieden, nicht dadurch, dass eine Seite der anderen im Nachhinein die Rolle des Schuldigen zuweist. Wer heute eine bestimmte Politik für falsch hält und dies mit Gründen vertritt, handelt legitim, auch wenn sich die Mehrheitsmeinung später verschiebt. Ich habe keine Sorge, meine Positionen in einigen Jahren erneut zur Wahl zu stellen. Sollte sich herausstellen, dass wir in einzelnen Punkten falsch lagen, werde ich das einräumen. Das gehört zur wissenschaftlichen wie zur politischen Redlichkeit, und ich erwarte es umgekehrt von denen, die heute meinen, im sicheren Besitz der Wahrheit zu sein.

Ob meine Partei ihre Position "überdenkt", lässt sich also so beantworten: Die AfD überprüft ihre Aussagen fortlaufend an der Faktenlage, wie es jede politische Kraft tun sollte. Ihre Grundhaltung, dass deutsche Klimapolitik an ihrer Wirksamkeit und ihren Kosten gemessen werden muss und nicht an ihrer symbolischen Geste, halte ich aber nach wie vor für richtig.

Mit freundlichen Grüßen
Torben Braga

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