Frage an Xaver Fichtl bezüglich Energie

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Frage an Xaver Fichtl von Maria K. bezüglich Energie

Du bist für den Atomaustieg aber es gibt noch viel zu wenig alternativen:Windkraft,Wasserkraftwerke ,damit es für ganz Deutschland reichen soll
was macht man dann?
dann geht man über die Grenze und holt den Strom von den viel schlechteren Atomkraftwerke (Frankreich)wie hier bei uns in Deutschland das kann,s nicht sein
Ich bin auch dafür aber erst,wenn es bei uns im Land genug alternativen gibt

Frage von Maria K. am
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 5 Stunden

Liebe Maria,

vielen Dank für deine Frage zur Kernenergie, eine der nach meiner Ansicht entscheidenden Fragen der gegenwärtigen Politik, vergleichbar mit der grünen Gentechnik.

Ein Vergleich:

Wenn bei einem Auto die Bremsen defekt sind, würdest du niemand damit eine Alpenstraße fahren lassen, auch wenn derjenige dringend schnell vom Allgäu nach Südtirol will oder muss. Sowohl bei der Kernenergie als auch bei der Gentechnik handelt die derzeitige Regierung aber genau so. Die Folgen dieser Techniken sind bekanntermaßen hochgefährlich und nicht absehbar. Die Ausrede, dass derjenige sich dann das bremsenlose Auto vom Nachbar ausleiht, ist nicht wirklich gut. Auch das Argument, dass viele andere mit solchen Autors fahren, überzeugt mich nicht.

Zur Kernenergie:

Folgende Aspekte sind für mich besonders wichtig:

1. Die ungelöste Entsorgungsfrage und die Verseuchung der Welt für Jahrtausende
2. Die verschwiegenen Kosten, für die der Steuerzahler aufkommt
3. Die Lüge von der Klimafreundlichkeit der Kernenergie
4. Die Lüge von der Notwendigkeit der Kernenergie bzw. die Möglichkeiten, Strom zu sparen und ohne Kernenergie auszukommen

1. Die ungelöste Entsorgungsfrage

*Der in Atomkraftwerken entstehende Atommüll strahlt und gefährdet Menschen für Hunderttausende von Jahren. Atomkraftwerke werden nun schon seit mehr als 50 Jahren betrieben und noch immer weiß niemand, wo der Müll einmal bleiben kann. Es muss damit gerechnet werden, dass der Strahlenmüll für sehr lange Zeit in den so genannten Zwischenlagern verbleibt. *Die Bundesregierung stellte in ihrem Gesetzentwurf zur Änderung des Atomgesetzes im Jahr 2001 fest, dass das Problem der atomaren Entsorgung hochradioaktiver Abfälle "weltweit praktisch zurzeit ungelöst" ist. Professor Eckard Grimmel zeigt in seinem Buch "Kreisläufe der Erde" wie durch Gesteins- und Wasserkreisläufe nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Biosphäre mit kurz und langlebigen Nukliden verseucht wird.

2. Die verschwiegenen Kosten, für die der Steuerzahler aufkommt

Kernenergie ist jetzt schon die teuerste Energieform, allerdings bezahlt den Hauptanteil der Staat. Die Entwicklungskosten wurden über die Forschung vom Staat bezahlt. Die Risiken übernimmt der Staat, da keine Versicherung die Folgen eines Kernkraftunfalls übernehmen kann und will. Schon vor Jahren sind die Gesamtkosten für eine kWh Atomstrom auf etwa zwei Euro geschätzt worden, weit höher als z.B. der Strom von Fotovoltaikanlagen oder anderen regenerativen Energiequellen. Anfang August stand in den Zeitungen: "Gorleben ist Milliardengrab: für das Endlagerprojekt sind 1,5 Milliarden € Kosten entstanden". Am 27. Juli berichtete Frontal21 (ZDF): „Die Befürworter von angeblich billigem Atomstrom unterschlagen milliardenschwere Nebenkosten, z.B. das Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben: Die Kosten für den Gesamtverschluss des Salzbergwerks betragen 2,2 Milliarden €. Dies übernimmt der Staat.“ Die Kosten für Atomstrom steigen wegen der Zwischenlagerproblematik also noch höher. Wir alle zahlen es.

3. Die Lüge von der Klimafreundlichkeit der Kernenergie

Atomstrom ist nicht ökologisch, denn es entsteht bei der Produktion das Klimagift Krypton 85 sowie Kohlendioxid. Atomkraftwerke helfen dem Klima also nicht. Wirklich sinnvoll ist es dagegen, den Stromverbrauch in Deutschland kräftig zu senken. 1997 veröffentlichte die damalige Umweltministerin Angela Merkel eine Studie des Umweltbundesamtes, in der es hieß, dass die Kernenergie „ein Haupthemmnis für die zur Erreichung des Klimaschutzziels unabdingbare Effizienzverbesserung darstellt“. (Nachhaltiges Deutschland, UBA). Vor und nach 1997 belegen die amtlichen Statistiken, dass aktive Klimaschutzmaßnahmen blockiert wurden, weil zu viel Kapital durch die Kernenergie gebunden war. Wäre die Energiepolitik der Bundesrepublik Deutschland der Empfehlung der Bundestags-Enquete-Kommission 1980 gefolgt und hätte bis 2000 alle Atomkraftwerke stillgelegt, wäre der CO_2 -Ausstoß heute deutlich niedriger. Das aber widersprach der Expansionsstrategie der Stromkonzerne.

4. Die Lüge von der Notwendigkeit der Kernenergie

Atomkraft kann leicht durch Erneuerbare Energien ersetzt werden, auch als Grundlastkraftwerke sind sie verzichtbar. In manchen Bundesländern, z.B. Sachsen-Anhalt, wird heute schon über 30 Prozent des Stroms mit Windkraft produziert. Atomkraft dagegen produziert nur 28 Prozent unseres Stromverbrauchs. Zur Ergänzung der Solar- und Windenergie können Gas- und Biomassekraftwerke eingesetzt werden. Dadurch, dass Deutschland gegenwärtig Strom exportiert und die Erneuerbaren Energien immer besser und leistungsfähiger werden, muss niemand Angst haben, dass ohne Atomkraft die Lichter ausgehen oder dass Atomstrom importiert werden muss. Weltweit liegt der Anteil des Atomstroms am Energieverbrauch übrigens unter 3%, er spielt praktisch keine Rolle. Der Ausstieg aus der Kernenergie bleibt also für die ödp und für mich persönlich ein unverzichtbares Ziel. Der Ersatz des Atomstroms darf dabei keineswegs durch den Bau neuer Kohlekraftwerke geschehen. Statt dessen muss ein Drittel des Atomstroms ersatzlos eingespart werden (das sind 9% des gesamten Strombedarfs, siehe Stand-By-Betriebe), das zweite Drittel muss durch Effiziensteigerungen eingespart werden (Kraft-Wärme-Kopplung, GUD-Kraftwerke, Wärmeerzeugung ohne Strom, Verbesserte Antriebe und Rückspeisung bei Bremsvorgängen), das letzte Drittel muss mit Hilfe von Stromerzeugung durch erneuerbare Energie ersetzt werden. Im Übrigen muss nach diesem Prinzip der drei „E“ auf dem ganzen Energiesektor vorgegangen werden, wenn zugunsten des Klimas und in Anbetracht der zu Ende gehenden Ressourcen der Umstieg auf einen Energierahmen mit nahezu ausschließlich erneuerbarer Energie gelingen soll:

1/3 Einsparen
1/3 Sparen durch Steigerung der Energieeffizienz
1/3 Ersatz durch Erneuerbare Energie

Liebe Maria, das waren ein paar wichtige Gründe gegen die Atomkraft. Weitere fehlen noch, z.B. die Möglichkeiten zur Verwendung von Abfallprodukten der Kernkraftwerke für Atombomben, die bisherigen Beinahe-Unfälle auch in deutschen Kernkraftwerken, die Studie über signifikant höhere Zahlen von Krebserkrankungen bei Kindern, die in der Nähe von Atomkraftwerke leben, vom Dezember letzten Jahres. Die genannten und weitere Gründe gegen die Kernkraft kannst du sehr gut zusammengefasst finden auf der homepage des Bundes Naturschutz (www.bund-naturschutz.de).