Umge­staltung des Bürgergelds zur neuen Grundsicherung (SGB II)

Der Bundestag hat in namentlicher Abstimmung dem Gesetzentwurf zur Umgestaltung des Bürgergelds zu einer neuen Grundsicherung zugestimmt. Ziel der Reform ist laut Regierung ein Sozialstaat mit klareren Regeln, in dem staatliche Unterstützung stärker an Eigenverantwortung und Mitwirkung der Leistungsbeziehenden gekoppelt wird.

Ein zentraler Bestandteil der Bürgergeld-Reform ist die stärkere Verpflichtung zur Arbeitsaufnahme für erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Künftig sollen sie ihre Arbeitskraft im maximal zumutbaren Umfang einsetzen. Vor allem alleinstehende Empfängerinnen und Empfänger der Grundsicherung sollen grundsätzlich verpflichtet werden, eine Vollzeitbeschäftigung aufzunehmen, wenn dies zur Beendigung der Hilfebedürftigkeit erforderlich und zumutbar ist. Gleichzeitig soll die Vermittlung in Arbeit oder Ausbildung Vorrang vor anderen Maßnahmen erhalten. Qualifizierung und Weiterbildung bleiben jedoch wichtige Instrumente für eine dauerhafte Integration in den Arbeitsmarkt – insbesondere für Menschen unter 30 Jahren.

Auch für Eltern in der Grundsicherung gelten künftig strengere Vorgaben. Sobald eine Kinderbetreuung sichergestellt ist, sollen sie in der Regel ab dem 14. Lebensmonat des Kindes eine Erwerbstätigkeit aufnehmen oder an Maßnahmen zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt teilnehmen.

Darüber hinaus sieht die Reform Änderungen bei Vermögen und Wohnkosten vor. Die bisherige Karenzzeit beim Schonvermögen soll entfallen; stattdessen wird das Schonvermögen nach Altersstufen gestaffelt. Zudem werden die übernommenen Kosten für Unterkunft und Miete stärker begrenzt, um die Ausgaben in der Grundsicherung zu reduzieren.

Ein weiterer Schwerpunkt der Reform sind strengere Sanktionen im Bürgergeld-System. Wer etwa eine Fördermaßnahme abbricht oder sich nicht auf vorgeschlagene Stellen bewirbt, muss mit Leistungskürzungen von bis zu 30 Prozent des Regelbedarfs für drei Monate rechnen. Auch bei wiederholtem Nichterscheinen zu Terminen im Jobcenter sind Kürzungen vorgesehen. Im Extremfall kann der Anspruch auf Grundsicherungsleistungen vollständig entfallen. Gleichzeitig sollen jedoch die Schutzmechanismen für Menschen mit psychischen Erkrankungen gestärkt werden.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung wurde mit 320 Stimmen angenommen. 268 Abgeordnete stimmten mit Nein, es gab zwei Enthaltungen von Jan Dieren und Ruppert Stüwe (beide SPD). 

Zu dem Tagesordnungspunkt lagen mehrere Anträge der Oppositionsfraktionen vor, die jedoch nicht namentlich abgestimmt wurden.

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Dafür gestimmt
320
Dagegen gestimmt
268
Enthalten
2
Nicht beteiligt
40
Abstimmungsverhalten von insgesamt 630 Abgeordneten.
Name Absteigend sortieren FraktionWahlkreisStimmverhalten
Portrait von Simone FischerSimone FischerBÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN258 - Stuttgart I Dagegen gestimmt
Christoph FrauenpreißCDU/CSU29 - Cuxhaven – Stade II Dafür gestimmt
Portrait von Thorsten FreiThorsten FreiCDU/CSU286 - Schwarzwald-Baar Dafür gestimmt
Portrait von Michael FrieserMichael FrieserCDU/CSU244 - Nürnberg-Süd Dafür gestimmt
Portrait von Markus FrohnmaierMarkus FrohnmaierAfD260 - Böblingen Nicht beteiligt
Dr. Götz FrömmingGötz FrömmingAfD56 - Prignitz – Ostprignitz-Ruppin – Havelland I Dagegen gestimmt
Der Bundestagsabgeordnete Rainer GallaRainer GallaAfD63 - Frankfurt (Oder) – Oder-Spree Dagegen gestimmt
Boris GamanovBoris GamanovAfD296 - Saarbrücken Dagegen gestimmt
Portrait von Schahina GambirSchahina GambirBÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN133 - Minden-Lübbecke I Dagegen gestimmt
Portrait von Matthias GastelMatthias GastelBÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN262 - Nürtingen Dagegen gestimmt
Portrait von Alexander GaulandAlexander GaulandAfD161 - Chemnitz Dagegen gestimmt
Portrait von Kathrin GebelKathrin GebelDie Linke128 - Münster Dagegen gestimmt
Wilhelm GebhardCDU/CSU168 - Werra-Meißner – Hersfeld-Rotenburg Dafür gestimmt
Thomas GebhartThomas GebhartCDU/CSU210 - Südpfalz Dafür gestimmt
Portrait von Jonas GeisslerJonas GeisslerCDU/CSU237 - Coburg Dafür gestimmt
Portrait von Katalin GennburgKatalin GennburgDie Linke84 - Berlin-Marzahn-Hellersdorf Dagegen gestimmt
Portrait von Martin GersterMartin GersterSPD292 - Biberach Dafür gestimmt
Foto Dr. Jan-Niclas Gesenhues Jan-Niclas GesenhuesBÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN127 - Steinfurt III Dagegen gestimmt
Portrait von Alexis GierschAlexis GierschAfD Dagegen gestimmt
Portrait von Vinzenz GlaserVinzenz GlaserDie Linke281 - Freiburg Dagegen gestimmt
Portrait von Ronald GläserRonald GläserAfD75 - Berlin-Pankow Dagegen gestimmt
Portrait von Angelika GlöcknerAngelika GlöcknerSPD209 - Pirmasens Dafür gestimmt
Portrait von Hannes GnauckHannes GnauckAfD57 - Uckermark – Barnim I Dagegen gestimmt
Portrait von Nicole GohlkeNicole GohlkeDie Linke219 - München-West/Mitte Dagegen gestimmt
Portrait von Katrin Göring-EckardtKatrin Göring-EckardtBÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN192 - Erfurt – Weimar – Weimarer Land II Dagegen gestimmt